Sirius = Stern
(in Canis Major)
Sleipnir = Das achtbeinige Pferd von Odin
Bucephalus = Pferd von Alexander dem Großen
Sicherheitsschlosscode 481754
Phantasybilder
Kyuuka = Sommer
Yuumei = Hades, Licht und Dunkelheit, diese
und die andere Welt.
Ryuukin = goldener Drache
Sokotsu = Gleichgültigkeit, Gemeinheit
Atsui = Liebenswürdigkeit, Ehrlichkeit
Akuma= Teufel
OK, das da oben sind nur ein paar Stichwörter
bzw. Namen. Das mache ich immer bevor ich eine Geschichte anfange. Am Anfang
waren die Namen.
~Yuumei~
Prolog
Atsui saß auf einer niedrigen Mauer des
Schulhofes, im Schatten der Bäume. Er war in der 8. Klasse und hatte gerade
Pause. Er war allein, wie in jeder Pause und zeichnete Phantasiewesen - auch
wie in jeder Pause. Dieses Mal hatte er einen goldgelben Drachen gemalt, mit
Hunderten von glänzenden Schuppen.
Er war so vertieft in seine Arbeit, dass er
zusammenzuckte als jemand neben ihm fragte:
„Wer bist du denn?“
Atsui blickte erschrocken auf. Es war ein
Junge, aus einer Klasse über ihm. Er hatte den Jungen schon oft auf dem
Schulhof gesehen. Er kannte sogar seinen Namen: Sokotsu.
„Ich habe dich was gefragt.“
„Atsui“, antwortete Atsui etwas nervös.
Der ältere lachte und meinte:
„Was für ein bescheuertet Name!“
Er sah auf das Blatt Papier.
„Was ist das da? Ein Nilpferd? Zeig mal her!“
Atsui drückte die Hände auf das Papier und
erwiederte:
„Nein, besser nicht...“
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund, fing
Sokotsu an, in zu beleidigen. Atsui wusste nicht warum und er wusste auch nicht
wie er darauf reagieren sollte, denn er hatte sich immer jeder
Auseinandersetzung entzogen. Er saß nur da und sah auf seinem Schoß, mit dem
Papier darauf. Er konnte die gehässige Stimme des Älteren verdrängen und hörte
ihn nur noch von weit entfernt.
„Atsui!“
Die Stimme des anderen, klang plötzlich
anders.
„Atsui... bitte hilf mir... !“, hallte es in
Atsui’s Kopf.
Diese Stimme war klar und kräftig, sie war
tiefer und freundlicher als die von Sokotsu. Er starrte noch immer auf das Bild
und es erschienen Worte darauf, wie durch Zauberei.
„Der Code der Tür lautet 481754...“, las
Atsui.
„Was?!“, schnaubte der Junge neben ihm.
Er hatte gehört, was sein kleines Opfer laut
vorgelesen hatte.
„Was sagtest du gerade?!“
Atsui schüttelte den Kopf und bat:
„Ich weiß nicht, lass mich doch in Frieden.“
Sokotsu entriss ihm das Drachenbild. Er riss
es zu Schnipseln und ließ sie mit dem Wind davon wehen. Dann wies er drohend
mit dem Finger auf Atzui und sagte:
„Also, ich weiß nicht, woher du den Code
kennst, aber du wirst noch von mir hören, verlass dich drauf.“
Damit, klaute Sokotsu, Atzuis Rucksack und
verließ das Schulgelände.
Noch ein wenig verwirrt und eingeschüchtert,
sammelte Atsui seine heruntergefallenen Stifte wieder ein. Er bekam Hilfe von
einem Mädchen, aus seiner eigenen Klasse. Ihr Name war Kyuuka. Sie war sehr
beliebt und immer freundlich zu ihm gewesen. Leider war sie die einzige, die
ihn akzeptierte. Sie war sehr klug und immer hilfsbereit.
„Ich habe gesehen was er mit dir gemacht hat,
mach dir nichts draus, du bist nicht der erste, den er aufzieht.“
Sie wies zur Mauer, welche den Schulhof
abgrenzte.
„Deine Tasche ist in dem Papierkorb, am
Eingang. Er hat sie nicht mitgenommen.“
„Danke Kyuuka.“
Sie lachte freundlich und antwortete mit einem
lächeln:
„Schon gut. Ich begleite dich nachher nach
Hause. OK?“
Atsui nickte und lächelte zurück.
Die Villa
Nach der Schule, trafen sich die Beiden an der
Straße vor dem Schulhof, um gemeinsam nach Hause zu gehen. Und die
darauffolgenden Tage auch.
Dann war es Freitag. Sie schlenderten die
Straße entlang, zu Atsuis Zuhause. Kyuuka hatte fast den selben Weg nach Hause,
wie er. Nach einer Weile bemerkte sie ein großes weißes Auto, welches ihnen
folgte. Der Wagen überholte sie und stoppte am Straßenrand.
„Du meine Güte, das ist Sokotsus Vater. Was
will der von uns?“, fragte Kyuuka und sah Atsui dabei an.
„Hast du auch sicher nichts angestellt?“
Er schüttelte nur nervös den Kopf.
Als die Zwei neben dem Wagen gingen, öffnete
sich die Hintertür der Limousine und ein finster dreinblickender Mann fuhr sie
an:
„Los, einsteigen!“
„Nichts da“, antwortete Kyuuka, „und wenn wir
uns weigern?“
„Murphy“, brummte Sokotsus Vater. Mr.
Ryuukuro.
Jetzt öffnete sich auch die Fahrertür und ein
finster gekleideter Mann mit Sonnenbrille, drängte die Teenager auf die
Rücksitzbank, neben Mr. Ryuukuro.
Die Tür wurde zugeworfen und der Wagen rollte
los. Atsui sah noch das kleine Haus in dem er wohnte, an ihnen vorbeiziehen.
Auch Kyuuka sah ihr Zuhause vorbeirauschen, als der Wagen den Vorort Tokios
verließ und auf’s Land hinaus fuhr.
„Wissen sie, dass man so was Kidnapping
nennt?!“, schimpfte sie.
Mr. Ryuukuro sagte kein Wort, bis sie in einen
kleinen Wald fuhren und auf einem weißen Pflasterweg hielten. Sie sahen eine
weiße Villa, durch die getönten Scheiben.
„Und kommt euch dieser Ort bekannt vor?“,
fragte Ryuukuro.
Er drängte sie, auszusteigen und alle gingen
die Stufen zur Veranda empor. Murphy baute sich neben dem Eingang auf und stand
Wache, während Ryuukuro die zwei Schüler musterte.
„Und was sollen wir jetzt hier?“, fragte
Kyuuka.
„Na schön“, begann Ryuukuro. „Wenn ihr es mir
nicht selbst sagen wollt - mein Sohn war vor ein paar Tagen zu mir, in die
Firma gekommen und sagte mir: Atsui wüsste aus irgendeinem Grund den Code, für
das Türschloss der Villa. Jetzt ist er verschwunden und die Tür stand offen.
Ich möchte wissen, was ihr damit zu tun habt.“
Kyuuka musterte skeptisch das Codeschloss.
„Ah, Sir. Das war bestimmt nicht Atsui.“
„Warum bist du dir so sicher Mädchen?“
„Na ja...“
Sie sah den kleinen Schlitz, unter dem
Tastenfeld.
„Man braucht eine bestimmte Karte, um den Code
einzugeben. Ich glaube nicht, dass ihre Firma die als Werbegeschenke verteilt.“
Atsui meinte kleinlaut:
„Vielleicht ist Sokotsu selbst hier gewesen.
Ich auf jeden Fall nicht.“
Mr. Ryuukuro ging hinein und verschwand hinter
einer schweren Tür, auf der: ‚Büro’ stand, während Kyuuka sich das Schloss
genauer ansah. Es war keine Spur von Gewalteinwirkung zu finden.
Atsui betrat die große Vorhalle. Eine
wunderschöne Kommode stand dort, auf der zwei Bronzedrachen standen. Atsui sah
sie sich näher an und trat vor den großen Kommodenspiegel. Es schien plötzlich
dunkler in der Halle zu werden und er hatte das Gefühl, allein zu sein.
„Hilf mir Atsui...“, hörte er wieder diese
Stimme in seinem Kopf. Er sah auf und hoffte, sein Spiegelbild in dem Spiegel
zu finden, doch dort herrschte Finsternis. Ein Schatten stand dort - vor ihm -
und der hatte funkelnde Augen. Der Schatten reichte ihm etwas durch das Glas
und rief kaum hörbar:
„Der Code Atsui...“
Atsui nahm es wie versteinert entgegen. Es war
eine Karte, mit einem Logo drauf. Das Logo der Ryuukuro Firma. Schnell steckte
er sie in die Hosentasche.
„Wer bist du?“, fragte er schließlich, doch er
sprach mit seinem eigenen Spiegelbild. Der Spuk war vorbei.
Mr. Ryuukuro kam zurück.
„Es wurde anscheinend nichts gestohlen“, sagte
er zu Murphy - seinem Chauffeur und Leibwächter.
„Mein Sohn ist auch nicht hier.“
Als alle draußen waren, schloss er die Tür
wieder und ging mit Murphy zum Wagen. Die Kinder ignorierte er einfach.
Kyuuka wollte gerade noch etwas hinterher
rufen - da wurden die Wagentüren geschlossen und der Wagen rollte davon.
„Er ist genau so ein eingebildeter Schnösel
wie sein Sohn. Na vielen Dank!“, schimpfte Kyuuka.
Yuumei
Nun mussten sie zu Fuß zurück laufen. Das war
ein drei Stunden Marsch. Als sie den Wald verlassen hatten und zur Landstraße
kamen, blieb Atsui plötzlich stehen und meinte:
„Es ist wahr...“
„Huh?“
„Ich glaube ich weiß wirklich den Türcode und
ich weiß nicht mal, wieso.“
Er zog die Karte aus der Hosentasche.
„Ich weiß nicht mal, woher ich diese Karte
habe. Es war so komisch. Da war jemand im Haus.“
Er versuche es ihr zu erklären, was er gesehen
hatte, doch ob sie ihm glaubte, war unklar.
Sie hörte zu und nickte nur. Schließlich sagte
sie:
„Weißt du was kleiner... ?“
Ihre Augen leuchteten neugierig.
„Wir gehen noch mal zurück und du versuchst,
die Tür zu öffnen. Wenn’s klappt, glaube ich dir.“
„Du willst mich bestechen?“
„Nein, ich bin jetzt nur unglaublich
neugierig. Und vielleicht ist dieser fremde Junge noch immer in dem Haus.
Vielleicht hält Mr. Ryuukuro jemanden gefangen. Was’n Skandal!“
„Kyuuka, ich glaube nicht... .“
Sie packte seinen Ärmel und zog ihn mit sich,
zurück zum Wald. Nach 10 Minuten, hatten sie die Villa wieder erreicht. Kyuuka
drängte ihn, die Karte zu benutzen und dann gab er den Code ein, an den er sich
seltsamerweise noch erinnern konnte.
„Ich bin ja so gespannt“, fieberte Kyuuka,
obwohl ihr doch langsam mulmig wurde. Vor allem als das Schloss aufsprang. Sie begangen
immerhin gerade einen Einbruch.
Vorsichtig öffnete Atsui die Tür und sah
hinein. Es war dunkler als vorhin. Nur der Spiegel glänzte im Dunkeln. Sie
gingen leise in die Halle und lehnten die Tür nur an.
„OK, Kyuuka. Lass uns wieder abhauen. Wir sollten
hier nicht sein.“
„Augenblick noch“, bat Kyuuka.
Wieder erschien die finstere Gestallt wie ein
Schatten im Spiegel, doch dieses Mal sahen sie ihn beide.
„Atsui!“, hörten sie die fremde Stimme rufen.
Der Glanz hinter dem Schatten wurde heller und
wuchs an. Das Licht kroch über den Fußboden und an den Wänden entlang und
hüllte schließlich auch die zwei Schüler ein. Im Licht konnte man nun sehen,
dass die Halle sich verändert hatte. Sie war viel größer geworden. Die
Holzstufen waren aus Stein und standen auf pastellfarbenen Säulen. Die Wände waren
kahl und sandfarben.
„Ihr braucht euch vor mir nicht zu fürchten.
Bitte kommt näher,“ sprach der Schatten.
„Wo sind wir jetzt?“, flüsterte Atsui.
„Keine Ahnung. Lass uns zu ihm gehen“,
antwortete seine Freundin.
Der Schatten hielt etwas Glänzendes in seiner
Hand und verbarg es, als die zwei näher traten.
Langsam konnten sie die Gestalt erkennen. Er
schien ein normaler Junge zu sein. Ungefähr in ihrem Alter. Cirka 15-17 Jahre
alt. Er sah ungewöhnlich schön aus und wirkte auf dem ersten Blick, älter als
er sein mochte. Doch seine Stimme klang fast unwirklich und seine Augen
schienen zu brennen, als wären sie aus glühendem Gold.
Langsam wich ihre Furcht, denn der Junge
lächelte, als sie kamen.
„Atsui. Kyuuka. Ich habe auf euch gewartet.
Mein Name ist Yuumei.“
„Hi. Nett dich kennen zu lernen. Yuumei. Und
was machst du hier? Oder was machen wir hier?“, fragte Kyuuka.
„Ihr seid in meiner Welt, in der mein Vater
der König war, doch es ist etwas Schreckliches geschehen. Kommt mit. Ich führe
euch zu meiner Mutter.“
Yuumei ging voraus und die zwei anderen,
folgten ihm.
‚Was hatte er da gerade gesagt? Was für eine
seltsame Art, sich vorzustellen’, dachte Kyuuka bei sich.
„Bitte erschreckt nicht. Meine Mutter ist ein
Drache.“
„Ein richtiger Drache? Und du?“, fragte Atsui,
der plötzlich ganz aufgeregt und interessiert war.
„Auch ich war ein Drache. Ein goldener Drache.
Ein Drachenprinz. Doch dann... verlor ich neun meiner Goldschuppen und ich
verlor meine Unsterblichkeit. 2000 Jahre bin ich erst alt.“
Kyuuka meinte mit einem Nicken:
„Erst! Ja, ja. Klar! Ein Drache. Uhu, sicher.“
„Kommt mit mir und ihr werdet es sehen.“
Sie folgten vielen Gängen, die alle gleich zu
sein schienen. Das schwache Licht in ihnen, wurde immer heller. Der Gang wurde
jetzt größer und höher. Bald war er riesengroß und an den Wänden, waren
Verzierungen zu sehen.
„Das hier ist unser Palast, doch er zerfällt
langsam, da das Geschlecht der Drachen ausstirbt“, erklärte Yuumei.
Jetzt kamen sie in eine wahrhaft große Halle.
Am anderen Ende lag etwas großes, silbernes, auf den breiten Stufen. Es
breitete - bei ihrem eintreffen - seine großen, silbernen Flügel aus und erhob
sich.
Es war wahrhaftig ein Drache und dazu noch ein
wunderschöner.
Sie traten vor die Stufen.
„Aaah ja“, brummte der Drache, mit einer
weiblichen Stimme, “das ist also Atsui. Seid alle herzlich willkommen, in
unserem Reich. Yuumei hat mir bereits gesagt, dass ihr kommen würdet. Er hat
gesehen, dass du dich noch an sein früheres Aussehen erinnern kannst und ihn
gezeichnet hast. Atsui. Er glaubt du könntest ihm helfen. Er hat von dir
geträumt. Immer und immer wieder.“
Atsui erinnerte sich an die Zeichnung, welche
Sokotsu zerrissen hatte.
„Wo ist Sokotsu?“, wollte er jetzt wissen, da
ihm der vermisste Junge wieder einfiel.
„Er ist hier bei uns“ antwortete der Drache,
„Yuumei hat auch von ihm geträumt und ihn hier her geführt. Doch er scheint
sich hier nicht sehr wohl zu fühlen. Yuumei wird euch zu ihm bringen.“
Yuumei winkte den beiden zu und sie folgten
ihm durch eine verhältnismäßig kleine Tür.
Sokotsu Ryuukuro hockte auf einer Mauer und
stieß einen Becher Wasser um, als er die anderen kommen sah. Er sprang auf und
rief:
„Verdammt noch mal, so etwas nennt sich
Entführung. Bring mich endlich hier weg!“
Er erkannte Atsui und blickte ihn verächtlich
an.
„Oh nein, nicht auch noch DER! Was soll das
hier werden? Für den, bekommt ihr ganz bestimmt kein gutes Lösegeld.“
„Das ist keine Entführung. Du kannst gehen,
wann immer du willst“, meinte Yuumei ruhig.
Sokotsu wollte gerade an ihnen vorbei, zum
Ausgang gehen, als Atsui fragte:
„Hast du den Drachen, in der Halle gesehen?“
„Nein! So ein Schwachsinn! Belästige mich
nicht! Klar?!“
Er öffnete die Tür und ging.
Stille.
Die Tür ging wieder auf und Sokotsu kam zurück.
Er war bleicher geworden.
„Na schön! Da draußen ist ein Drache! Was für
ein Trick ist das?“
„Kein Trick“, antwortete Yuumei, „wir sind
wirklich Drachen.“
Er holte etwas Glänzendes unter seiner Jacke
hervor. Es war golden und hatte die Form einer Muschelschale. Es war eine
Drachenschuppe.
„Acht davon fehlen mir noch und ich könnte,
wenn ich sie habe, wieder ein Drache sein. Doch allein kann ich sie nicht
suchen, es wäre zu gefährlich. Darum habe ich euch drei, als meine Garde
ausgewählt.“
„Schwachsinn!“, zischte Sokotsu.
Yuumei überreichte die Schuppe an Atsui und
sagte:
„Damit du und deine Freunde, mich nicht
vergesst, wenn ihr in eure Welt zurück kehrt. Sobald ihr bereit seid, kommt zu
dem Spiegel zurück. Die Schuppe öffnet euch dann den Weg.“
Er nickte jedem zu, wobei er sagte:
„Es ist nun Zeit zurück zu gehen. Ich erzähle
euch beim nächsten Mal mehr.“
Mit einem Mal, wurde es dunkel und sie standen
alle Drei, wieder in der Eingangshalle, der Ryuukuro Villa.
Sokotsu schritt zur Tür und riss sie auf.
Draußen war es bereits dunkel.
„Los! Macht, dass ihr raus kommt!“, befahl er.
Nach kurzer Zeit - nachdem die Tür wieder
verriegelt war und Sokotsu verschwunden war - brauste ein Wagen vor die
Veranda, mit blendenden Scheinwerfern. Kyuuka und Atsui waren doch etwas
erschrocken und erwarteten einen äußerst wütenden Mr. Ryuukuro. Aber, es war
Sokotsu. „Steigt ein! Aber hinten!“, rief Sokotsu.
Sie stiegen ein und wurden mit quietschenden
Reifen, nach Hause gefahren.
Die Ryuukuro Firma
Es war bereits eine ganze Woche vergangen und
Freitag.
Atsui und Kyuuka gingen seither – seit Sokotsu
das Bild zerrissen hatte - immer zusammen nach Hause.
Den ganzen Nachhauseweg hatte Kyuuka darüber
nachgedacht, ob sie die Begegnung mit dem seltsamen Jungen nicht nur geträumt
hatte. Aber es war so real gewesen.
Sie sah Atsuis fröhliches Gesicht an und
fragte sich, ob er es wohl auch wusste.
Sie kamen bei Atsui’s Haus an und Kyuuka
fragte ihn schließlich: „Vielleicht ist das jetzt eine komische Frage - aber
ist dir in Ryuukuros Villa etwas seltsames aufgefallen? Ein Junge vielleicht,
oder ein Schatten von jemandem?“
Atsui blieb stehen. Er griff unter sein Shirt
und zog etwas goldenes, an einem Lederband hervor.
„Ich habe sie noch. Lass uns Yuumei besuchen.“
Jetzt war Kyuuka doch sehr beeindruckt. Also
war alles real, was sie gesehen hatten. Es musste so sein.
„Aber zuerst müssen wir Sokotsu holen. Hast du
heute Zeit?“, fragte er sie.
„Eh... ja klar. Ich sag meinen Eltern, ich bin
zu einer Party eingeladen, dann komme ich mit.“
Eine Stunde später, standen sie vor dem
Eingang des Ryuukuro Hauses. Es war direkt an die Firma angeschlossen, also ein
einziges, riesiges Gebäude. Was dort eigentlich produziert wurde wussten sie
nicht. Sie hatten auch nie ein Interesse dafür gehabt.
Ein finsterer Mann von knapp 2 Metern, öffnete
die Tür und brummte uninteressiert, als er die Kinder sah.
„Hallo Murphy“, sagte Kyuuka mutig, „wir
wollen zu Ryuukuro Junior. Ist er da?“
Murphy verschwand für 2 Minuten und öffnete
ihnen dann die Tür und ließ sie eintreten.
„Mr. Ryuukuro Junior erwartet euch“, sagte er
und fügte leise hinzu:
„Aber passt auf, dass ihr Mr. Ryuukuro Senior
nicht über den Weg lauft. Er ist noch immer sehr wütend auf euch. Obwohl ich
nicht glaube, dass IHR die Einbrecher wart.“
„Vielen dank Murphy“, antwortete Kyuuka.
Sie betraten den Raum, zu dem Murphy sie
gewiesen hatte.
Sokotsu saß dort, auf einem Sessel, hinter
einem Schreibtisch und tippte fleißig auf der Tastatur eines Computers. Den
Geräuschen nach, spielte er irgendein Spiel. Er schob die Tastatur zur Seite
und lehnte sich zurück. „Also? Was wollt ihr von mir?“
„Ich wollte... Ich meine... Ich... “,
stammelte Atsui und wusste nicht recht, womit er beginnen sollte
„Was
denn nun?“, fragte Sokotsu ungeduldig.
Kyuuka griff nach dem Lederband, um den Hals
ihres Freundes und zog die Schuppe hervor. Sokotsu’s Augen weiteten sich. Im
Licht der Halogenlampen, sah sie noch viel schöner aus. Aus purem Gold war sie,
aber nicht sehr schwer.
Sokotsu ging zur Tür und schloss ab. Dann setzte
er sich wieder und faltete die Hände.
„Mein Vater hat den Code der Tür geändert. Ihr
könnt nicht noch einmal dort eindringen“, sagte er unfreundlich. Doch dann
fügte er hinzu:
„Es sei denn, ich begleite euch. Geht zurück
zum Schultor. Ich werde euch dort abholen. Und zu keinem ein Sterbenswort! Ist
das klar?!“
Die zwei anderen nickten und wurden von Murphy
wieder hinaus gelassen.
Wie verabredet, holte Sokotsu sie vom Schultor
ab. Allerdings mussten sie dieses Mal hinten, auf einem Motorrad sitzen und Sokotsu
war ein rücksichtsloser Fahrer!
So waren sie heilfroh, als sie unversehrt bei
der Villa ankamen.
Das weiße Haus stand völlig im Schatten der
Bäume.
Sie traten an die codegeschützte, weiße Tür,
auf der das Firmenlogo eines schwarzen, sich in den Schwanz beißenden Drachen
prangte. Sokotsu benutzte seine Karte und den neuen Code, um die Tür zu öffnen
und alle traten in die Eingangshalle, auf den Marmorboden.
„Und weiter?“, fragte Sokotsu.
Atsui ging zu dem Spiegel und sagte leise:
„Yuumei. Wir sind hier. Bist du da?“
Es kam keine Antwort, doch die Schuppe unter
seinem Shirt begann zu vibrieren und es wurde dunkler im Raum. Nur die Schuppe
leuchtete im Dunkeln, unter dem Stoff, und dann tauchten neue Wände und ein warmes
Licht auf. Es war alles so, wie beim letzten Mal, nur, dass sie keiner
erwartete.
Die Drei folgten den Gängen, so gut sie sich
erinnern konnten und waren bald in der Großen Halle, wo der Drache auf den
Stufen gelegen hatte.
Es war niemand dort und es herrschte absolute
Stille.
König Yuumei
Nach einer Weile war das Grollen einer
schweren Steintür zu hören und eine Gestallt kam die Stufen hinab. Sie wirkte
winzig, in der riesigen Halle.
„Ihr habt mich nicht vergessen. Ich danke
euch.“
Es war Yuumei und er kam ihnen nun entgegen,
wobei es sprach:
„Gestern erhielt ich Nachricht vom Volk.
Einige sahen eine Goldschuppe, bei einem einzelnen Reiter, in der Einöde. Er
ist noch ganz in der Nähe. Aber bevor wir mit unserer Jagt beginnen, muss ich
dem Volk noch erklären, was aus ihrem König geworden ist.“
Er senkte den Kopf.
„Ich hoffe, sie werden einen menschlichen
König akzeptieren.“
Yuumei hielt anscheinend nicht viel von langem
Drumherumgerede. Er überrumpelte sie förmlich mit seinen Vorhaben und den
letzten Ereignissen. Bevor irgendjemand noch eine gezielte Frage stellen
konnte, schob er sie die Treppe hinauf, durch die Tür. Im nächsten Korridor war
ein Raunen von vielen Stimmen zu hören. Atsui warf einen Blick aus einem
Fenster. Er konnte in einen riesigen Hof sehen, in dem sich Massen von Menschen
und Kreaturen versammelt hatten. Ganz hinten an der Mauer standen berittene
Drachen, in allen Farben und Formen und Reiter zu Pferden. Das mussten die
Soldaten sein. Sie waren alle verhüllt und sahen unheimlich aus. Das allgemeine
Volk war teilweise nur spärlich bekleidet, während andere Gold und Silber
behangen waren und bunte Gewänder trugen.
Bei einem Torbogen, stoppte Yuumei seine
Gefolgschaft und bat sie, dort zu warten. Er selbst trat zu seiner Mutter, dem
Silberdrachen, auf einem Balkon. Die Menschen und Kreaturenmassen verstummten,
als sie ihn sahen.
„Wie ihr alle sehen könnt, sind die Gerüchte
war!“, hörten alle Yuumei sprächen.
„Euer König ist in einer Schlacht gefallen.“
Er schwieg für einen Moment und man konnte das
Volk etwas lauter Raunen hören.
„Er fiel bei dem Versuch, mich vor dem Raub
meiner Schuppen zu bewahren. So haben meine Soldaten es mir berichtet. Ich
selbst allerdings, erinnere mich nicht mehr an diesen Vorfall.“
Seine Stimme begann zu stocken.
„Ich weiß nicht einmal, wer ihn tötete und
mich beraubte. Niemand hat den Verbrecher gesehen. Keiner kennt sein Gesicht,
oder hat auch nur eine Spur von ihm gesehen!“
Man konnte sehen, dass er zitterte. Vor Angst
und vor Trauer.
„Es tut mir leid, so vor euch erscheinen zu
müssen, doch mein Herz ist noch immer das selbe. Das Herz eines Drachens. Ich
werde versuchen, euch trotzdem ein guter König zu sein. Meine Mutter... .“
Er erhob die Hand und wies mit der Handfläche
auf den silbernen Drachen.
„ ...Wird mich dabei unterstützen, solange der
Dieb nicht gefasst ist und die Schuppen nicht wiedergefunden sind. Ich danke
euch allen!“
Yuumei kam zurück zum Torbogen. Er hatte
Tränen in den Augen. Sokotsu packte ihn am Arm und drehte ihn zu sich.
„Verrate mir mal, was ICH mit der ganzen Sache
zu tun habe!“
Yuumei sah ihn an und sagte mit gewohnt kühler
Stimme:
„Es ist Schicksal. Du glaubst wohl nicht an
das Schicksal.“
„Nein ganz und gar nicht.“
Damit ließ er wieder los.
„Aber du bist trotzdem zurück gekommen“, fügte
Yuumei hinzu. Er drehte sich zurück in die kleine Runde. „Nun denn. Ich
bin bereit aufzubrechen. Ihr werdet als meine Soldaten, Pferde von mir
bekommen. Ihr könnt sie euch aussuchen.“
Er schien wieder glücklich zu sein, obwohl er
noch nie wirklich fröhlich ausgesehen hatte. Mann sah ihm immer die Sorgen, die
Verantwortungen und die tausende von Jahre an, die er schon gelebt hatte.
Er brachte sie zu den Pferdeställen. Yuumei
führte ihnen sein eigenes Pferd vor. Es war sehr groß und schneeweiß.
„Das ist Sleipnir. Ich kann es nicht ertragen,
auf einem Drachen zu Reiten, darum nehmen wir nur die Pferde. Ich besitze die
aller besten und schnellsten. Sie werden also ausreichend sein, für eine
Verfolgungsjagd.“
Er saß auf. Es gab keine Sättel, nur Decken
und Zaumzeug.
Atsuis Pferd sah genau so aus wie Sleipnir und
hieß Bucephalus.
Kyuukas hieß Sirius und war etwas grauer, mit
weißen Punkten.
Für Sokotsu war das Pferd egal. Er nahm
irgendeines. Er nahm den roter Fuchs, mit dem Namen Diablo.
Alle stiegen auf.
Das Tor des Stalles öffnete
sich und Yuumei ritt allen voran, im Galopp hinaus auf das Land, um den Palast.
Atsui kam als letzter hinterher. Er war noch nie zuvor geritten und ließ sich
von dem Pferd lenken. Kyuuka und Sokotsu, hatten keine Probleme mit Pferden
umzugehen.
Grausamer Sand
Das Land war nicht besonders schön oder grün.
Es war karg. Teilweise war felsig, teilweise sandig. Um Seen standen einige
spärlich verteilte Bäume von seltsamer Art und ein paar Gräser. An einem
Breiten Fluss gab es ein paar Äcker und viel Schilf. Die Häuser der Menschen
waren von einfacher Art, doch es gab auch Paläste und Tempel zu sehen. Am
Horizont zeichneten sich hohe Bergspitzen ab, doch bei genauerem Hinsehen, waren
es riesige Sanddünen. Der Wind machte seltsame Geräusche, wenn er über den Sand
fegte und auf die Felsen stieß.
„Yuumei!“, rief Atsui von ganz hinten, über
die Köpfe der Anderen hinweg, „Brauchen wir denn keine Waffen oder so!?“
„Nein!“, gab dieser nur knapp zur Antwort.
Yuumei hatte längst die Fährte des
Schuppendiebes, mit seinen Dracheninstinkten von 2000 Jahren, aufgespürt. Kyuuka
fand den jungen (für einen Drachen war er noch jung) König, einfach umwerfend
schön. Es war nur schwer, sich vorzustellen, dass er bald ein Drache sein
würde. Wenn alles gut ging. ‚Es wäre zu schade um ihn’, dachte sie.
Sie folgten dem blauen Fluss. Immer weiter und
immer dichter an die Dünen heran. Der Anblick der Dünen, konnte jeden in
Grauen versetzen.
„Ich hoffe... “, begann Yuumei, „ ...wir
müssen ihm nicht durch den Sand folgen. Wer sich dort hin wagt, ist für immer
verloren. Das Gebiet ist verflucht. Es ist wie ein Labyrinth ohne Ausweg!“
Die Dünen gaben ein unheilvolles Ächzen und
Stöhnen von sich, welches bis Meilen weit zu vernehmen war.
Am letzten Tempel, vor dem Verfluchten Sand,
machten sie halt.
„Es dämmert bereits und in der Nacht sieht man
die Hand vor Augen nicht“, erklärte der junge König.
Als sie eintrafen, verließen gerade die
Tempelpriester das hohe Gebäude. Es waren teilweise keine Menschen, doch man
konnte ihre Art nicht bestimmen, da sie sehr verschleiert waren. Sie sahen aus
wie Krokodiele oder Schlangen. Der Tempel war nun leer und die Reisenden legten
sich im Eingangsraum zur Ruhe.
Die Nacht war kalt gewesen. Sie hatten unter
den Pferdedecken geschlafen. Auf dem kühlen, harten Steinboden. Ihnen tat alles
weh, nach dieser Nacht. Besonders Atsui hatte Schmerzen, da er allein schon vom
Reiten Schmerzen hatte. Yuumei jedoch war es gewohnt, als Drache auf Stein zu
liegen.
Sie sattelten die Pferde wieder und ritten
weiter. Sie folgten Yuumei, der anscheinend genau wusste, wo er hin musste.
Yuumei, hielt nach einiger Zeit Sleipnir an
und rief:
„Das hatte ich schon befürchtet. Der Dieb ist
in die verfluchten Dünen geflohen. Aber wir werden ihm trotzdem folgen. Also
los!“
Er trieb Sleipnir an und galoppierte auf die
Sandverwehungen zu, welche unterhalb der Dünenspitzen tobten. Er war fast nicht
mehr zu sehen. Der Sturm hüllte auch die restlichen Reiter bald ein und es
wurde ohrenbetäubend laut.
„Werft euch die Pferdedecken um und verhüllt
euer Gesicht!“, rief Yuumei so laut er konnte.
Mit den Decken um, war es etwas angenehmer und
nicht mehr so laut.
Bald hielt der ganze Trupp an.
Yuumei sah sich in alle Richtungen um. Es sah
überall gleich aus. Sand, am Boden und in der Luft, bis hinauf zum Himmel.
„Was ist?!“, rief Sokotsu.
„Ich habe die Spur verloren. Es ist, als sei
der Dieb einfach vom Boden abgehoben. Ich vermute, es waren schwarze
Sanddrachen, welche die Spur verwischten. Die leben hier nämlich!“
Atsui fragte ihn daraufhin:
„Ist er gefressen worden?!“
„Nein. Ich denke nicht. Es müssen Reittiere
gewesen sein. Jemand hat ihn abgeholt!“
„Kehren wir um!“, rief Sokotsu, „das hier ist
doch reiner Selbstmord!“
Alle stimmten ihm zu. Sie ritten die Selbe
Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Sie brauchten dieses Mal länger,
als auf dem Hinweg. Der Sturm wollte und wollte nicht aufhören. Die Sandwand
wollte sich einfach nicht lichten. Bald machte sich Unmut breit.
„Da kommt kein Ende mehr“, jammerte Kyuuka vor
sich hin.
Ihr Pferd entfernte sich immer mehr von den
anderen, denn sie hatte aufgegeben, es zu lenken. Yuumei holte sie ein.
„Kyuuka! Wir müssen zusammen bleiben. Komm!“
Er führte sie zurück zu den Anderen. Jetzt
merkte jeder, warum es die verfluchten Dünen hieß.
Zu allem Unglück, hörten sie nun auch noch ein
schreckliches Geräusch. Ein Kreischen, aus einer mächtigen Kehle. Über ihnen
kreiste ein großer Schatten und man konnte Flügelschläge hören. Kyuuka schrie,
als sie den schwarzen Drachen über sich sah. Der Drache hatte nun ihre Aufmerksamkeit
und kreiste in tieferen Bahnen. Die Pferde wurden unruhig.
Mit einem Schrei, stieß das Ungetüm hinab. Der
Drache stieß direkt neben Kyuukas Pferd in den Sand und blieb halb vergraben,
für einen Moment reglos liegen.
„Seid ganz ruhig. Sanddrachen können nicht
sehen. Nur hören!“, rief Yuumei.
Der Drache zog seinen Körper aus dem Sand. Er
war mit unglaublich vielen Dornen besetzt. Vor allem sein Kopf. Seine Zähne
knirschten durch dem Sand, als er sich umsah - oder eher umhörte. Er schlängelte
sich über den Boden und suchte ein Ziel. Das Tier wusste genau, dass jemand
dort war. Jetzt kam der Drache direkt auf Atsui zu. Der Junge zitterte vor
Angst und ebenso Bucephalus.
‚Wenn Bucephalus jetzt die Nerven verliert,
wird er mich hören’, dachte Atsui.
Der Drache hatte seltsame, milchige Augen,
ohne Glanz. Seine Zähne waren krumm und weiß. Ansonsten war er ganz schwarz.
Er kam immer näher. Atsui griff sich an seine
Brust und fühlte sein Herz wie wild schlagen. Er berührte dabei die Schuppe unter
seinem Shirt.
‚Ich wünschte, wir wäre wieder Zuhause’,
dachte er bei sich.
Yuumei sah sich erschrocken um. Der Drache war
davon geflogen, weil er nichts finden konnte. Yuumei sah nicht nur den Drachen
verschwinden, auch seine Begleiter waren plötzlich fort.
„Atsui!“, rief er gegen den Sturm an, „Atsui!
Kyuuka! Sokotsu! Wo seid ihr?!“
Es kam keine Antwort. Jetzt war es geschehen -
er hatte seine Schützlinge aus den Augen verloren und auch ER war verloren. Er
wusste nicht, in welche Richtung er reiten musste und er hatte kaum noch Kraft.
Er fühlte sich müde und allein. Als Drache, wäre ihm so etwas niemals
widerfahren. Langsam trieb er den erschöpften Sleipnir an. Egal welche Richtung
er anstreben würde.
Ryuukuros Geheimnis
Atsui öffnete seine Augen. Er lebte noch und
der Sturm war fort. Er hob den Kopf vom harten Marmorboden und sah Sokotsu
neben sich, auf dem Rücken liegen. Er stupste ihn an und er erwachte ebenfalls.
Sie waren wieder in der Eingangshalle der
Ryuukuro Villa. Kyuuka war auch bei ihnen und ebenfalls erwacht. Sie griff sich
augenblicklich um die nackten Schultern, denn sie vermisste die Pferdedecke.
„Oh Gott! Wir haben Yuumei in der Wüste
gelassen!“, rief sie erschrocken.
Sie sprang auf und sah zum Spiegel, an der
Wand.
„Nein, wie sind wir hierher zurückgekommen?“,
rief sie.
Atsui strich mit den Fingern über die goldene
Schuppe um seinen Hals und überlegte, was als letztes geschehen war. Dann fiel
es ihm ein und er sagte:
„Ich habe uns zurück gewünscht. Ich weiß nicht
wie, aber als ich solche Angst hatte, dachte ich, es wäre jetzt schöner Zuhause
zu sein. Da ist es einfach geschehen.“
Er sah hinunter zur Schuppe in seiner Hand.
„Es muss die Schuppe gewesen sein. Sie hat
irgendwelche Kräfte.“
„Wie schrecklich,“ sagte Kyuuka zu dem Spiegel,
„er wird da draußen sterben.“
Sie sah auf ihre Armbanduhr.
„Nanu, wir sind nur 10 Minuten weg gewesen. Es
ist noch immer Freitag. Wir haben noch genug Zeit, um ihn zu suchen.“
Atsui nickte und meinte:
„Ja, helfen wir ihm.“
Er berührte die Schuppe und wünschte sich und
die anderen zurück.
Der Raum verdunkelte sich wieder und die Wände
verschob sich scheinbar. Von Sokotsu war nur ein klägliches:
„Nein!“, zu hören, da er nicht noch einmal
zurück wollte.
Doch zu spät! Er hatte keine Wahl und fand
sich am Boden kniend, im Drachenpalast wieder.
„Verdammt noch mal! Ich will hier nicht wieder
her. Bring mich sofort zurück!“, brüllte er Atsui an. Dieser antwortete aber:
„Wie soll ich dich zurück bringen? Du brauchst
dafür die Schuppe.“
Sokotsu zog an dem Lederband.
„Dann gib sie mir!“
„Nein lass das!“
„Gib sie schon her!“
Das Band riss und Sokotsu hielt sie in seiner
Hand.
„Ha, ha, ha. Geht doch!“, lachte er schadenfroh.
Er drehte sich auf dem Absatz um und wandte
sich der kahlen Wand hinter sich zu.
„Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie das
Ding funktioniert. Etwas wünschen hast du gesagt?“
Er schloss seine Augen und die Schuppe begann
zu glühen. Sokotsu verschwand vor den Augen der anderen und ließ sie einfach
zurück.
Zurück an einem Ort, der eigentlich gar nicht
existieren durfte.
Atsui und Kyuuka, kehrten in die Palasthalle
zurück. Yuumeis Mutter - der silberne Drache - war dort und schwang ihren
Schwanz hin und her. Sie sah besorgt aus.
„Drache!“, rief Atsui schon von weitem, „Was
ist aus Yuumei geworden? Ist er wieder zurückgekommen!?“
Der Drache nickte langsam.
„Ist er. aber es geht ihm sehr schlecht. Man
hat ihn am Rande der verfluchten Dünen gefunden. Wr war völlig ausgemergelt und
hatte Fieber. Er liegt nun schon seit drei Tagen im Bett und hat keine eigene
Kraft mehr.“
Atsui und seine Freundin liefen sofort zu ihm.
Sokotsu gelangte ohne Probleme in die Villa
zurück. Er grinste über seine Verschlagenheit und polierte die Goldene Scheibe
mit dem Ärmel.
„Sehr schön“, lobte er sich selbst zufrieden.
Sokotsu ging hinüber, in das Büro seines
Vaters und öffnete eine Schublade, um den errungenen Schatz dort vorerst zu
verstecken. Doch was war das? In der Schublade lagen bereits drei der Schuppen.
„Das gibt es doch nicht. Völlig unmöglich!“
Er dachte nach, doch er fand keine logische Erklärung
dafür. Er beschloss, erst einmal zu seinem Vater zu gehen, um ihn zu fragen.
Die vier Schuppen nahm er vorsichtshalber mit sich. Konnte es denn sein, dass
sein Vater die andere Welt kannte? Ihm beschlich ein ungutes Gefühl. Was war,
wenn er aus der Welt stammte? Was war er dann und was war mit Sokotsu selbst?
Sokotsu fuhr sofort los.
Er suchte seinen Vater im Büro der Ryuukuro
Firma auf.
„Hast du einen Moment Zeit Dad?“, fragte er
und setzte sich seinem Vater gegenüber an den Schreibtisch.
„Jetzt nicht. Ich bin beschäftigt.“
„Nein sofort!“
„Ich habe wichtige Arbeit zu tun. Komm später
noch mal.“
Mr. Ryuukuro sah nicht einmal von seinem
Bildschirm auf.
„Na schön, Dad. Ich habe die Drachenschuppen
in deiner Villa gefunden.“
Mr. Ryuukuro sah jetzt zu ihm auf und
unterbrach seine Arbeit augenblicklich. Er sah nicht sehr begeistert aus. Er
nahm den Telefonhörer und wies seine Sekretärin an, niemanden zu ihm rein zu lassen.
„Wie kommst du dazu, in meinem Privatbüro
herum zu stöbern? Du weißt, dass ich es dir strengstens untersagt habe.“
„Das ist jetzt nebensächlich.“
Sokotsu lehnte sich über den Schreibtisch und
fragte:
„Was bist du?“
Sein Vater schüttelte den Kopf und sagte
lachend:
„Was ist das für eine alberne Frage Junge?“
„Ich meine das tod-ernst. Was bist du?“
„Dein Vater“, war die spärliche Antwort.
„Na schön. Wenn du es mir so nicht sagen
willst, fangen wir anders an.“
Mr. Ryuukuro rollte mit seinem Drehstuhl bis
ans Fenster zurück und faltete die Hände vor der Brust.
„Was soll das werden? Ein Verhör?“
„Wo hast du diese Drachendinger her? Bist du
dort gewesen? Oder vielleicht kommst du sogar von dort.“
Sie schwiegen sich eine Weile an. Sokotsu
erwartete mit Spannung die Antwort. Sein Vater stand auf und sah zum Fenster hinaus,
wobei er sprach:
„Vielleicht ist es an der Zeit, dass du die
Wahrheit erfährst.“
Er stand völlig unberührt da und begann seine
Erklärung abzuliefern:
„Es stimmt. Ja. Ich komme aus der anderen
Welt. Ich habe dort bis vor 20 Jahren gelebt. Als ich deine Mutter hier kennen
lernte, beschloss ich hier, bei ihr zu bleiben. Es war auch aus dem Grunde,
dass sie mit dir schwanger war. Für dich bin ich hier geblieben, als sie nach
deiner Geburt starb. Sie war eine wunderbare Frau.“
„Was ist mit den Schuppen? Wie bist du an sie
heran gekommen?“
„Ich wüsste nicht, dass es dich etwas angeht“,
antwortete Mr. Ryuukuro im gewohnt kaltem Ton.
„Das war schon immer dein Standartspruch. Sagtest
du nicht gerade was von Wahrheit?“
Ryuukuro sah seinem Sohn wieder in die Augen.
„Das ist alles, was du zu wissen hast. Die
Unterhaltung ist beendet.“
Damit setzte er sich wieder und nahm seelenruhig
seine Arbeit wieder auf.
„Nein das war noch nicht alles! Ich bin noch
nicht fertig!“
Sokotsu wurde eiskalt ignoriert.
„Bin ich auch so eine Kreatur und kein richtiger
Mensch?“
Die Reaktion blieb aus. Sokotsu schlug mit den
Fäusten auf den Schreibtisch und brüllte:
„Verdammt noch mal! Antworte mir!! Das geht
mich Sehrwohl etwas an!“ Noch immer keine Reaktion, nicht mal ein Zucken. Sokotsu
trat einen Schritt zurück und zeigte wütend mit dem Finger auf ihn.
„Ich wette, du bist nicht mal mein richtiger
Vater!“
Er wandte sich um, schritt zur Tür und riss
sie auf.
„Ganz genau!“, rief sein Vater noch hinterher.
Sokotsu war so enttäuscht und wütend, dass er
nicht noch einmal zurück kam. Er hatte auch seinen Stolz.
Mit den Schuppen in der Jackentasche, begab er
sich mit dem Motorrad zur Villa zurück.
Sokotsus Einsicht
Warum wusste Atsui eigentlich nicht genau,
aber es schien ihn von Anfang an so, als hätte er Yuumei schon immer gekannt.
Atsui kniete vor Yuumeis Bett. Der Drachenjunge sah sehr schwach aus.
„Yuumei, es tut mir so leid. Ich wusste nicht,
dass das passiert, wenn ich etwas wünsche.“
Atsui brach in Tränen aus.
„Es ist alles meine Schuld.“
Yuumei drehte seinen Kopf zu ihm und sah ihn
mit seinen glühenden Augen an. Ganz ruhig sagte er dann:
„Es ist nicht deine Schuld. Ich hätte es dir
sagen sollen.“
„Aber du hättest sterben können. Ich fühle
mich wie ein Feigling.“
Kyuuka kniete zu ihm und nahm ihn in die Arme
um ihn zu trösten.
„Nein Atsui. du warst sehr mutig. Du bist nun
mal unerfahren mit meiner Welt“, brummte Yuumeis Drachenstimme ruhig.
„Ich fühle mich so klein und schwach. ich weiß
nicht, wie ich dir helfen kann. Ich würde dich ja gerne bei deiner Suche unterstützen,
aber...“
„Mach dir keine Gedanken, Atsui. Es war mir
schon eine große Unterstützung, dass du an meiner Seite warst. Ich glaube an
dich und ich bin froh, dass ich nicht allein bin.“
Yuumei schloss die Augen und schlief sofort
ein.
„Atsui, Kyuuka!“, rief der Silberdrache aus
der Halle.
Die Zwei gingen zu ihm.
„Seht mal wer da kommt.“
Der Drache wies mit dem Kopf auf eine Gestallt
am anderen Ende der Halle, welche eilig auf sie zu gestakst kam. Sokotsu kam
schnellen Schrittes heran. Er griff in die Tasche seiner feinen, weißen Jacke
und warf die vier Schuppen vor dem Drachen, auf den Steinboden.
„Ich bin zu dem Entschluss gekommen, mit euch
zusammen zu arbeiten. Allerdings, tue ich das nur für mich. Mein Vater hat die
hier in seiner Villa versteckt. Er ist wahrscheinlich euer Dieb. Ich kann den
Mistkerl nicht ausstehen!“, rief er.
Kyuuka sammelte die Schuppen ein und fragte:
„Was ist passiert? Warum bist du
zurückgekommen?“
Sokotsu verdrehte die Augen.
„Meine Privatangelegenheiten gehen niemanden
etwas an!“
Seine Antwort versetzte ihm selbst einen
Stich. Er hörte sich an wie sein Vater. Was für ein Herzloses Wesen hatte er
nur aus ihm gemacht und wie es aussah, war er nicht einmal sein richtiger
Vater. Sokotsu schluckte und fügte hinzu:
„Ich bin hier um mich an meinem Vater zu
rechen! Ich bin mir sicher - er hat den Drachenkönig getötet!“
„Das sind interessante Neuigkeiten, Sokotsu“,
sagte der helle Drache.
Sie sah das Emblem, auf der Jacke des zornigen
Teenagers.
„Gehört dieses Wappen deinem Vater?“, fragte
sie.
Sokotsu sah auf das schwarze, aufgenähte
Emblem.
„Das ist meines Vaters Firmenlogo. Warum?“
„Es sieht aus, wie das Wappen von Akuma.“
„Wer ist das?“
„Akuma war ein grauenvolles Wesen, welches jenseits der verfluchten Dünen gelebt hatte. In der schwarzen Wüste. Er verlangte von uns viele Opfer und begehrte unser Land. Er sorgte dafür, dass das Geschlecht der Drachen mehr und mehr ausstarb. Auf der anderen Seite, vermehrten sich dafür die blinden Sanddrachen zunehmend. Akuma verschwand irgendwann. Ich glaube das war vor 200 Jahren.“
Sokotsu zog die weiße Jacke aus.
„Na schön. Ich habe genug gehört.“
Er warf sie zu Boden.
„Verbrennt sie! Ich will mit meinem...
Stiefvater nichts mehr zu tun haben!“
Sokotsu hatte letztendlich seine Jacke selber
verbrannt. Er hatte sich wieder etwas beruhigen könne und saß nun mit einem
Mantel der Soldaten zusammen mit Atsui und Kyuuka, bei Fackelschein an Yuumeis
Bett. Er saß weiter abseits und vertiefte sich immer mehr in Gedanken, wären
die anderen mit dem jungen König sprachen. Yuumei ging es an diesem Abend
besser und er hatte sich aufrecht an die Bettkante gesetzt. Er trug nur eine
dünne, weiße Tunika.
Aus der Palasthalle ertönte aufgeregtes
Geschrei. Eine besonders erregte Stimme, stammelte etwas in einer fremden
Sprache und man konnte Hufschläge, auf steinernem Boden hören.
„Akuma! Akuma!“, konnte man Rufen hören.
Yuumei sprang von seinem Bett auf. Schnell zog
er sich eine Robe über und bat seine Freunde, mit zur Halle zu kommen.
Der Dieb Scepter
In der Halle stand eine Reihe von 15
berittenen Soldaten und in ihrer Mitte kniete ein verwahrloster Mann, in einer
zerrissenen Hose. Seine hellen Haare hingen in dicken Strähnen über seinem
Gesicht. Er war an den Handgelenken gefesselt und ein Reiter hielt ihn an einem
Seil. Um den Hals des Mannes, baumelte eine glänzende, goldene Scheibe. Einer
der Soldaten stieg vom Pferd und riss die Drachenschuppe von seinem Hals. Mit
einer tiefen Verbeugung, reichte er sie dann Yuumei.
„Ich habe ihren Vater nicht getötet, Herr. Ich
war nur ein Zeuge. Ihr müsst mir glauben!“, jammerte der Gefangene nun in ihrer
Sprache.
Er beugte sich untertänig über den Fußboden
und senkte seinen Kopf, während er weiter sprach:
„Herr, wir waren Drachenritter der Schwarzen
Wüste. Akuma tauchte eines Tages wieder auf und zwang uns zur mitarbeite. Er
bedrohte unsere Familien und sagte, er wolle den Tot der Königsfamilie. Er
tötete den König mit seinen eigenen Händen und entfernte eure goldenen
Schuppen. Eure Soldaten konnten nur noch Euer Leben retten. Für den König kam
jede Hilfe zu spät.“
Yuumei hörte ihm ruhig und geduldig zu und
fragte dann:
„Wie bist du an diese Schuppe gekommen?“
„Es tut mir aufrichtig leid, Herr. Ich und
meine Leute, wir haben von Akuma nicht den versprochenen Lohn bekommen. Einige
von uns - mich eingeschlossen - haben ihn dann eines Nachts beraubt. Sein Zorn
war furchtbar, doch Dank unseres Geschicks, konnten wir seinem Zorn entkommen.“
„Eure Leute sind keine Soldaten, es ist ein
Volk von Dieben und Mördern,“ antwortete Yuumei, „doch ich werde dich trotzdem
gehen lassen, wenn du mich durch die verfluchten Dünen bringst. Wie ist dein Name?“
„Scepter, Herr.“
Scepter sah jetzt auf und bedankte sich. Dann
wurde er vorerst abgeführt und eingesperrt.
„Was denkst du, will Akuma mit deinen
Schuppen?“, fragte Atsui.
„Ich denke, er ist auf ihre Nebenwirkung aus.
Sie können das Leben verlängern. Umso mehr Schuppen man besitzt, um so länger
wird das Leben. Es nützt nur leider niemanden etwas, denn dazu müssten die
Schuppen direkt ins Fleisch gesteckt werden.“
Er ließ die Robe, mit samt der Tunika fallen
und stand völlig nackt vor ihnen. Kyuuka warf sich die Hand vor die Augen.
„Oh Gott, tu mir das nicht an“, sagte sie
leise zu sich selbst.
Yuumei drehte sich um und man konnte tiefe
Kerben in seinem Rücken sehen.
„Das sind die Narben, in denen ich meine
Schuppen trug. Sie zu entfernen war äußerst schmerzhaft.“
Kyuuka war errötet, doch sie riskierte einen
scheuen Blick auf diesen ‚delikaten’ Rücken. Ihr Blick schweifte weiter hinab
und sie drehte sich rasch um. War das peinlich! Der Junge schien gar kein
Scharmgefühl zu haben und dann sah er auch noch so verdammt gut aus und diese
Wahnsinns Stimme… Kyuuka atmete tief durch.
„Was für eine fiese Bande“, sagte sie rasch.
„Was hast du, ist dir schlecht?“, fragte
Yuumei verdutzt.
„Uh… nö. Alles bestens.“
Yuumei zog Tunika und Robe wieder über.
Atsui lachte - er wusste genau was los war.
Sie war immerhin ein Mädchen und Yuumei männlich.
„Du kannst wieder gucken, Kyuuka“, sagte er,
noch immer lachend.
Sie sah die beiden wieder an, obwohl sie genau
wusste, dass sie noch immer rot war.
‚Er trägt nicht mal was drunter’, dachte sie
weiter.
‚Er trägt selbst beim Reiten nur eine Tunika.
Hat er dann etwa auch nichts drunter?’
Kyuuka warf die Hände vor ihr glühendes
Gesicht und rannte aus der Halle.
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