Sirius = Stern (in Canis Major)

Sleipnir = Das achtbeinige Pferd von Odin

Bucephalus = Pferd von Alexander dem Großen

Sicherheitsschlosscode 481754

Phantasybilder

Kyuuka = Sommer

Yuumei = Hades, Licht und Dunkelheit, diese und die andere Welt.

Ryuukin = goldener Drache

Sokotsu = Gleichgültigkeit, Gemeinheit

Atsui = Liebenswürdigkeit, Ehrlichkeit

Akuma= Teufel

 

OK, das da oben sind nur ein paar Stichwörter bzw. Namen. Das mache ich immer bevor ich eine Geschichte anfange. Am Anfang waren die Namen.

 

 

~Yuumei~

 

Prolog

Atsui saß auf einer niedrigen Mauer des Schulhofes, im Schatten der Bäume. Er war in der 8. Klasse und hatte gerade Pause. Er war allein, wie in jeder Pause und zeichnete Phantasiewesen - auch wie in jeder Pause. Dieses Mal hatte er einen goldgelben Drachen gemalt, mit Hunderten von glänzenden Schuppen.

 

Er war so vertieft in seine Arbeit, dass er zusammenzuckte als jemand neben ihm fragte:

„Wer bist du denn?“

Atsui blickte erschrocken auf. Es war ein Junge, aus einer Klasse über ihm. Er hatte den Jungen schon oft auf dem Schulhof gesehen. Er kannte sogar seinen Namen: Sokotsu.

„Ich habe dich was gefragt.“

„Atsui“, antwortete Atsui etwas nervös.

Der ältere lachte und meinte:

„Was für ein bescheuertet Name!“

Er sah auf das Blatt Papier.

„Was ist das da? Ein Nilpferd? Zeig mal her!“

Atsui drückte die Hände auf das Papier und erwiederte:

„Nein, besser nicht...“

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund, fing Sokotsu an, in zu beleidigen. Atsui wusste nicht warum und er wusste auch nicht wie er darauf reagieren sollte, denn er hatte sich immer jeder Auseinandersetzung entzogen. Er saß nur da und sah auf seinem Schoß, mit dem Papier darauf. Er konnte die gehässige Stimme des Älteren verdrängen und hörte ihn nur noch von weit entfernt.

„Atsui!“

Die Stimme des anderen, klang plötzlich anders.

„Atsui... bitte hilf mir... !“, hallte es in Atsui’s Kopf.

Diese Stimme war klar und kräftig, sie war tiefer und freundlicher als die von Sokotsu. Er starrte noch immer auf das Bild und es erschienen Worte darauf, wie durch Zauberei.

„Der Code der Tür lautet 481754...“, las Atsui.

„Was?!“, schnaubte der Junge neben ihm.

Er hatte gehört, was sein kleines Opfer laut vorgelesen hatte.

„Was sagtest du gerade?!“

Atsui schüttelte den Kopf und bat:

„Ich weiß nicht, lass mich doch in Frieden.“

Sokotsu entriss ihm das Drachenbild. Er riss es zu Schnipseln und ließ sie mit dem Wind davon wehen. Dann wies er drohend mit dem Finger auf Atzui und sagte:

„Also, ich weiß nicht, woher du den Code kennst, aber du wirst noch von mir hören, verlass dich drauf.“

Damit, klaute Sokotsu, Atzuis Rucksack und verließ das Schulgelände.

 

Noch ein wenig verwirrt und eingeschüchtert, sammelte Atsui seine heruntergefallenen Stifte wieder ein. Er bekam Hilfe von einem Mädchen, aus seiner eigenen Klasse. Ihr Name war Kyuuka. Sie war sehr beliebt und immer freundlich zu ihm gewesen. Leider war sie die einzige, die ihn akzeptierte. Sie war sehr klug und immer hilfsbereit.

„Ich habe gesehen was er mit dir gemacht hat, mach dir nichts draus, du bist nicht der erste, den er aufzieht.“

Sie wies zur Mauer, welche den Schulhof abgrenzte.

„Deine Tasche ist in dem Papierkorb, am Eingang. Er hat sie nicht mitgenommen.“

„Danke Kyuuka.“

Sie lachte freundlich und antwortete mit einem lächeln:

„Schon gut. Ich begleite dich nachher nach Hause. OK?“

Atsui nickte und lächelte zurück.

 

 

 

 

 

 

Die Villa

Nach der Schule, trafen sich die Beiden an der Straße vor dem Schulhof, um gemeinsam nach Hause zu gehen. Und die darauffolgenden Tage auch.

Dann war es Freitag. Sie schlenderten die Straße entlang, zu Atsuis Zuhause. Kyuuka hatte fast den selben Weg nach Hause, wie er. Nach einer Weile bemerkte sie ein großes weißes Auto, welches ihnen folgte. Der Wagen überholte sie und stoppte am Straßenrand.

„Du meine Güte, das ist Sokotsus Vater. Was will der von uns?“, fragte Kyuuka und sah Atsui dabei an.

„Hast du auch sicher nichts angestellt?“

Er schüttelte nur nervös den Kopf.

Als die Zwei neben dem Wagen gingen, öffnete sich die Hintertür der Limousine und ein finster dreinblickender Mann fuhr sie an:

„Los, einsteigen!“

„Nichts da“, antwortete Kyuuka, „und wenn wir uns weigern?“

„Murphy“, brummte Sokotsus Vater. Mr. Ryuukuro.

Jetzt öffnete sich auch die Fahrertür und ein finster gekleideter Mann mit Sonnenbrille, drängte die Teenager auf die Rücksitzbank, neben Mr. Ryuukuro.

 

Die Tür wurde zugeworfen und der Wagen rollte los. Atsui sah noch das kleine Haus in dem er wohnte, an ihnen vorbeiziehen. Auch Kyuuka sah ihr Zuhause vorbeirauschen, als der Wagen den Vorort Tokios verließ und auf’s Land hinaus fuhr.

„Wissen sie, dass man so was Kidnapping nennt?!“, schimpfte sie.

Mr. Ryuukuro sagte kein Wort, bis sie in einen kleinen Wald fuhren und auf einem weißen Pflasterweg hielten. Sie sahen eine weiße Villa, durch die getönten Scheiben.

„Und kommt euch dieser Ort bekannt vor?“, fragte Ryuukuro.

Er drängte sie, auszusteigen und alle gingen die Stufen zur Veranda empor. Murphy baute sich neben dem Eingang auf und stand Wache, während Ryuukuro die zwei Schüler musterte.

„Und was sollen wir jetzt hier?“, fragte Kyuuka.

„Na schön“, begann Ryuukuro. „Wenn ihr es mir nicht selbst sagen wollt - mein Sohn war vor ein paar Tagen zu mir, in die Firma gekommen und sagte mir: Atsui wüsste aus irgendeinem Grund den Code, für das Türschloss der Villa. Jetzt ist er verschwunden und die Tür stand offen. Ich möchte wissen, was ihr damit zu tun habt.“

Kyuuka musterte skeptisch das Codeschloss.

„Ah, Sir. Das war bestimmt nicht Atsui.“

„Warum bist du dir so sicher Mädchen?“

„Na ja...“

Sie sah den kleinen Schlitz, unter dem Tastenfeld.

„Man braucht eine bestimmte Karte, um den Code einzugeben. Ich glaube nicht, dass ihre Firma die als Werbegeschenke verteilt.“

Atsui meinte kleinlaut:

„Vielleicht ist Sokotsu selbst hier gewesen. Ich auf jeden Fall nicht.“

 

Mr. Ryuukuro ging hinein und verschwand hinter einer schweren Tür, auf der: ‚Büro’ stand, während Kyuuka sich das Schloss genauer ansah. Es war keine Spur von Gewalteinwirkung zu finden.

Atsui betrat die große Vorhalle. Eine wunderschöne Kommode stand dort, auf der zwei Bronzedrachen standen. Atsui sah sie sich näher an und trat vor den großen Kommodenspiegel. Es schien plötzlich dunkler in der Halle zu werden und er hatte das Gefühl, allein zu sein.

„Hilf mir Atsui...“, hörte er wieder diese Stimme in seinem Kopf. Er sah auf und hoffte, sein Spiegelbild in dem Spiegel zu finden, doch dort herrschte Finsternis. Ein Schatten stand dort - vor ihm - und der hatte funkelnde Augen. Der Schatten reichte ihm etwas durch das Glas und rief kaum hörbar:

„Der Code Atsui...“

Atsui nahm es wie versteinert entgegen. Es war eine Karte, mit einem Logo drauf. Das Logo der Ryuukuro Firma. Schnell steckte er sie in die Hosentasche.

„Wer bist du?“, fragte er schließlich, doch er sprach mit seinem eigenen Spiegelbild. Der Spuk war vorbei.

 

Mr. Ryuukuro kam zurück.

„Es wurde anscheinend nichts gestohlen“, sagte er zu Murphy - seinem Chauffeur und Leibwächter.

„Mein Sohn ist auch nicht hier.“

Als alle draußen waren, schloss er die Tür wieder und ging mit Murphy zum Wagen. Die Kinder ignorierte er einfach.

Kyuuka wollte gerade noch etwas hinterher rufen - da wurden die Wagentüren geschlossen und der Wagen rollte davon.

„Er ist genau so ein eingebildeter Schnösel wie sein Sohn. Na vielen Dank!“, schimpfte Kyuuka.

 

 

 

 

 

 

Yuumei 

Nun mussten sie zu Fuß zurück laufen. Das war ein drei Stunden Marsch. Als sie den Wald verlassen hatten und zur Landstraße kamen, blieb Atsui plötzlich stehen und meinte:

„Es ist wahr...“

„Huh?“

„Ich glaube ich weiß wirklich den Türcode und ich weiß nicht mal, wieso.“

Er zog die Karte aus der Hosentasche.

„Ich weiß nicht mal, woher ich diese Karte habe. Es war so komisch. Da war jemand im Haus.“

Er versuche es ihr zu erklären, was er gesehen hatte, doch ob sie ihm glaubte, war unklar.

Sie hörte zu und nickte nur. Schließlich sagte sie:

„Weißt du was kleiner... ?“

Ihre Augen leuchteten neugierig.

„Wir gehen noch mal zurück und du versuchst, die Tür zu öffnen. Wenn’s klappt, glaube ich dir.“

„Du willst mich bestechen?“

„Nein, ich bin jetzt nur unglaublich neugierig. Und vielleicht ist dieser fremde Junge noch immer in dem Haus. Vielleicht hält Mr. Ryuukuro jemanden gefangen. Was’n Skandal!“

„Kyuuka, ich glaube nicht... .“

Sie packte seinen Ärmel und zog ihn mit sich, zurück zum Wald. Nach 10 Minuten, hatten sie die Villa wieder erreicht. Kyuuka drängte ihn, die Karte zu benutzen und dann gab er den Code ein, an den er sich seltsamerweise noch erinnern konnte.

„Ich bin ja so gespannt“, fieberte Kyuuka, obwohl ihr doch langsam mulmig wurde. Vor allem als das Schloss aufsprang. Sie begangen immerhin gerade einen Einbruch.

Vorsichtig öffnete Atsui die Tür und sah hinein. Es war dunkler als vorhin. Nur der Spiegel glänzte im Dunkeln. Sie gingen leise in die Halle und lehnten die Tür nur an.

„OK, Kyuuka. Lass uns wieder abhauen. Wir sollten hier nicht sein.“

„Augenblick noch“, bat Kyuuka.

 

Wieder erschien die finstere Gestallt wie ein Schatten im Spiegel, doch dieses Mal sahen sie ihn beide.

„Atsui!“, hörten sie die fremde Stimme rufen.

Der Glanz hinter dem Schatten wurde heller und wuchs an. Das Licht kroch über den Fußboden und an den Wänden entlang und hüllte schließlich auch die zwei Schüler ein. Im Licht konnte man nun sehen, dass die Halle sich verändert hatte. Sie war viel größer geworden. Die Holzstufen waren aus Stein und standen auf pastellfarbenen Säulen. Die Wände waren kahl und sandfarben.

„Ihr braucht euch vor mir nicht zu fürchten. Bitte kommt näher,“ sprach der Schatten.

„Wo sind wir jetzt?“, flüsterte Atsui.

„Keine Ahnung. Lass uns zu ihm gehen“, antwortete seine Freundin.

Der Schatten hielt etwas Glänzendes in seiner Hand und verbarg es, als die zwei näher traten.

Langsam konnten sie die Gestalt erkennen. Er schien ein normaler Junge zu sein. Ungefähr in ihrem Alter. Cirka 15-17 Jahre alt. Er sah ungewöhnlich schön aus und wirkte auf dem ersten Blick, älter als er sein mochte. Doch seine Stimme klang fast unwirklich und seine Augen schienen zu brennen,  als wären sie aus glühendem Gold.

Langsam wich ihre Furcht, denn der Junge lächelte, als sie kamen.

„Atsui. Kyuuka. Ich habe auf euch gewartet. Mein Name ist Yuumei.“

„Hi. Nett dich kennen zu lernen. Yuumei. Und was machst du hier? Oder was machen wir hier?“, fragte Kyuuka.

„Ihr seid in meiner Welt, in der mein Vater der König war, doch es ist etwas Schreckliches geschehen. Kommt mit. Ich führe euch zu meiner Mutter.“

Yuumei ging voraus und die zwei anderen, folgten ihm.

‚Was hatte er da gerade gesagt? Was für eine seltsame Art, sich vorzustellen’, dachte Kyuuka bei sich.

„Bitte erschreckt nicht. Meine Mutter ist ein Drache.“

„Ein richtiger Drache? Und du?“, fragte Atsui, der plötzlich ganz aufgeregt und interessiert war.

„Auch ich war ein Drache. Ein goldener Drache. Ein Drachenprinz. Doch dann... verlor ich neun meiner Goldschuppen und ich verlor meine Unsterblichkeit. 2000 Jahre bin ich erst alt.“

Kyuuka meinte mit einem Nicken:

„Erst! Ja, ja. Klar! Ein Drache. Uhu, sicher.“

„Kommt mit mir und ihr werdet es sehen.“

 

Sie folgten vielen Gängen, die alle gleich zu sein schienen. Das schwache Licht in ihnen, wurde immer heller. Der Gang wurde jetzt größer und höher. Bald war er riesengroß und an den Wänden, waren Verzierungen zu sehen.

„Das hier ist unser Palast, doch er zerfällt langsam, da das Geschlecht der Drachen ausstirbt“, erklärte Yuumei.

Jetzt kamen sie in eine wahrhaft große Halle. Am anderen Ende lag etwas großes, silbernes, auf den breiten Stufen. Es breitete - bei ihrem eintreffen - seine großen, silbernen Flügel aus und erhob sich.

Es war wahrhaftig ein Drache und dazu noch ein wunderschöner.

Sie traten vor die Stufen.

„Aaah ja“, brummte der Drache, mit einer weiblichen Stimme, “das ist also Atsui. Seid alle herzlich willkommen, in unserem Reich. Yuumei hat mir bereits gesagt, dass ihr kommen würdet. Er hat gesehen, dass du dich noch an sein früheres Aussehen erinnern kannst und ihn gezeichnet hast. Atsui. Er glaubt du könntest ihm helfen. Er hat von dir geträumt. Immer und immer wieder.“

Atsui erinnerte sich an die Zeichnung, welche Sokotsu zerrissen hatte.

„Wo ist Sokotsu?“, wollte er jetzt wissen, da ihm der vermisste Junge wieder einfiel.

„Er ist hier bei uns“ antwortete der Drache, „Yuumei hat auch von ihm geträumt und ihn hier her geführt. Doch er scheint sich hier nicht sehr wohl zu fühlen. Yuumei wird euch zu ihm bringen.“

Yuumei winkte den beiden zu und sie folgten ihm durch eine verhältnismäßig kleine Tür.

 

Sokotsu Ryuukuro hockte auf einer Mauer und stieß einen Becher Wasser um, als er die anderen kommen sah. Er sprang auf und rief:

„Verdammt noch mal, so etwas nennt sich Entführung. Bring mich endlich hier weg!“

Er erkannte Atsui und blickte ihn verächtlich an.

„Oh nein, nicht auch noch DER! Was soll das hier werden? Für den, bekommt ihr ganz bestimmt kein gutes Lösegeld.“

„Das ist keine Entführung. Du kannst gehen, wann immer du willst“, meinte Yuumei ruhig.

Sokotsu wollte gerade an ihnen vorbei, zum Ausgang gehen, als Atsui fragte:

„Hast du den Drachen, in der Halle gesehen?“

„Nein! So ein Schwachsinn! Belästige mich nicht! Klar?!“

Er öffnete die Tür und ging.

Stille.

Die Tür ging wieder auf und Sokotsu kam zurück. Er war bleicher geworden.

„Na schön! Da draußen ist ein Drache! Was für ein Trick ist das?“

„Kein Trick“, antwortete Yuumei, „wir sind wirklich Drachen.“

Er holte etwas Glänzendes unter seiner Jacke hervor. Es war golden und hatte die Form einer Muschelschale. Es war eine Drachenschuppe.

„Acht davon fehlen mir noch und ich könnte, wenn ich sie habe, wieder ein Drache sein. Doch allein kann ich sie nicht suchen, es wäre zu gefährlich. Darum habe ich euch drei, als meine Garde ausgewählt.“

„Schwachsinn!“, zischte Sokotsu.

Yuumei überreichte die Schuppe an Atsui und sagte:

„Damit du und deine Freunde, mich nicht vergesst, wenn ihr in eure Welt zurück kehrt. Sobald ihr bereit seid, kommt zu dem Spiegel zurück. Die Schuppe öffnet euch dann den Weg.“

Er nickte jedem zu, wobei er sagte:

„Es ist nun Zeit zurück zu gehen. Ich erzähle euch beim nächsten Mal mehr.“

 

 

Mit einem Mal, wurde es dunkel und sie standen alle Drei, wieder in der Eingangshalle, der Ryuukuro Villa.

Sokotsu schritt zur Tür und riss sie auf. Draußen war es bereits dunkel.

„Los! Macht, dass ihr raus kommt!“, befahl er.

Nach kurzer Zeit - nachdem die Tür wieder verriegelt war und Sokotsu verschwunden war - brauste ein Wagen vor die Veranda, mit blendenden Scheinwerfern. Kyuuka und Atsui waren doch etwas erschrocken und erwarteten einen äußerst wütenden Mr. Ryuukuro. Aber, es war Sokotsu. „Steigt ein! Aber hinten!“, rief Sokotsu.

Sie stiegen ein und wurden mit quietschenden Reifen, nach Hause gefahren.

 

 

 

 

 

 

Die Ryuukuro Firma 

Es war bereits eine ganze Woche vergangen und Freitag.

Atsui und Kyuuka gingen seither – seit Sokotsu das Bild zerrissen hatte - immer zusammen nach Hause.

Den ganzen Nachhauseweg hatte Kyuuka darüber nachgedacht, ob sie die Begegnung mit dem seltsamen Jungen nicht nur geträumt hatte. Aber es war so real gewesen.

Sie sah Atsuis fröhliches Gesicht an und fragte sich, ob er es wohl auch wusste.

Sie kamen bei Atsui’s Haus an und Kyuuka fragte ihn schließlich: „Vielleicht ist das jetzt eine komische Frage - aber ist dir in Ryuukuros Villa etwas seltsames aufgefallen? Ein Junge vielleicht, oder ein Schatten von jemandem?“

Atsui blieb stehen. Er griff unter sein Shirt und zog etwas goldenes, an einem Lederband hervor.

„Ich habe sie noch. Lass uns Yuumei besuchen.“

Jetzt war Kyuuka doch sehr beeindruckt. Also war alles real, was sie gesehen hatten. Es musste so sein.

„Aber zuerst müssen wir Sokotsu holen. Hast du heute Zeit?“, fragte er sie.

„Eh... ja klar. Ich sag meinen Eltern, ich bin zu einer Party eingeladen, dann komme ich mit.“

 

Eine Stunde später, standen sie vor dem Eingang des Ryuukuro Hauses. Es war direkt an die Firma angeschlossen, also ein einziges, riesiges Gebäude. Was dort eigentlich produziert wurde wussten sie nicht. Sie hatten auch nie ein Interesse dafür gehabt.

Ein finsterer Mann von knapp 2 Metern, öffnete die Tür und brummte uninteressiert, als er die Kinder sah.

„Hallo Murphy“, sagte Kyuuka mutig, „wir wollen zu Ryuukuro Junior. Ist er da?“

Murphy verschwand für 2 Minuten und öffnete ihnen dann die Tür und ließ sie eintreten.

„Mr. Ryuukuro Junior erwartet euch“, sagte er und fügte leise hinzu:

„Aber passt auf, dass ihr Mr. Ryuukuro Senior nicht über den Weg lauft. Er ist noch immer sehr wütend auf euch. Obwohl ich nicht glaube, dass IHR die Einbrecher wart.“

„Vielen dank Murphy“, antwortete Kyuuka.

Sie betraten den Raum, zu dem Murphy sie gewiesen hatte.

Sokotsu saß dort, auf einem Sessel, hinter einem Schreibtisch und tippte fleißig auf der Tastatur eines Computers. Den Geräuschen nach, spielte er irgendein Spiel. Er schob die Tastatur zur Seite und lehnte sich zurück. „Also? Was wollt ihr von mir?“

„Ich wollte... Ich meine... Ich... “, stammelte Atsui und wusste nicht recht, womit er beginnen sollte

 „Was denn nun?“, fragte Sokotsu ungeduldig.

Kyuuka griff nach dem Lederband, um den Hals ihres Freundes und zog die Schuppe hervor. Sokotsu’s Augen weiteten sich. Im Licht der Halogenlampen, sah sie noch viel schöner aus. Aus purem Gold war sie, aber nicht sehr schwer.

Sokotsu ging zur Tür und schloss ab. Dann setzte er sich wieder und faltete die Hände.

„Mein Vater hat den Code der Tür geändert. Ihr könnt nicht noch einmal dort eindringen“, sagte er unfreundlich. Doch dann fügte er hinzu:

„Es sei denn, ich begleite euch. Geht zurück zum Schultor. Ich werde euch dort abholen. Und zu keinem ein Sterbenswort! Ist das klar?!“

Die zwei anderen nickten und wurden von Murphy wieder hinaus gelassen.

Wie verabredet, holte Sokotsu sie vom Schultor ab. Allerdings mussten sie dieses Mal hinten, auf einem Motorrad sitzen und Sokotsu war ein rücksichtsloser Fahrer!

 

So waren sie heilfroh, als sie unversehrt bei der Villa ankamen.

Das weiße Haus stand völlig im Schatten der Bäume.

Sie traten an die codegeschützte, weiße Tür, auf der das Firmenlogo eines schwarzen, sich in den Schwanz beißenden Drachen prangte. Sokotsu benutzte seine Karte und den neuen Code, um die Tür zu öffnen und alle traten in die Eingangshalle, auf den Marmorboden.

„Und weiter?“, fragte Sokotsu.

Atsui ging zu dem Spiegel und sagte leise:

„Yuumei. Wir sind hier. Bist du da?“

Es kam keine Antwort, doch die Schuppe unter seinem Shirt begann zu vibrieren und es wurde dunkler im Raum. Nur die Schuppe leuchtete im Dunkeln, unter dem Stoff, und dann tauchten neue Wände und ein warmes Licht auf. Es war alles so, wie beim letzten Mal, nur, dass sie keiner erwartete.

Die Drei folgten den Gängen, so gut sie sich erinnern konnten und waren bald in der Großen Halle, wo der Drache auf den Stufen gelegen hatte.

Es war niemand dort und es herrschte absolute Stille.

 

 

 

 

 

 

 

König Yuumei

Nach einer Weile war das Grollen einer schweren Steintür zu hören und eine Gestallt kam die Stufen hinab. Sie wirkte winzig, in der riesigen Halle.

 

„Ihr habt mich nicht vergessen. Ich danke euch.“

Es war Yuumei und er kam ihnen nun entgegen, wobei es sprach:

„Gestern erhielt ich Nachricht vom Volk. Einige sahen eine Goldschuppe, bei einem einzelnen Reiter, in der Einöde. Er ist noch ganz in der Nähe. Aber bevor wir mit unserer Jagt beginnen, muss ich dem Volk noch erklären, was aus ihrem König geworden ist.“

Er senkte den Kopf.

„Ich hoffe, sie werden einen menschlichen König akzeptieren.“

Yuumei hielt anscheinend nicht viel von langem Drumherumgerede. Er überrumpelte sie förmlich mit seinen Vorhaben und den letzten Ereignissen. Bevor irgendjemand noch eine gezielte Frage stellen konnte, schob er sie die Treppe hinauf, durch die Tür. Im nächsten Korridor war ein Raunen von vielen Stimmen zu hören. Atsui warf einen Blick aus einem Fenster. Er konnte in einen riesigen Hof sehen, in dem sich Massen von Menschen und Kreaturen versammelt hatten. Ganz hinten an der Mauer standen berittene Drachen, in allen Farben und Formen und Reiter zu Pferden. Das mussten die Soldaten sein. Sie waren alle verhüllt und sahen unheimlich aus. Das allgemeine Volk war teilweise nur spärlich bekleidet, während andere Gold und Silber behangen waren und bunte Gewänder trugen.

Bei einem Torbogen, stoppte Yuumei seine Gefolgschaft und bat sie, dort zu warten. Er selbst trat zu seiner Mutter, dem Silberdrachen, auf einem Balkon. Die Menschen und Kreaturenmassen verstummten, als sie ihn sahen.

„Wie ihr alle sehen könnt, sind die Gerüchte war!“, hörten alle Yuumei sprächen.

„Euer König ist in einer Schlacht gefallen.“

Er schwieg für einen Moment und man konnte das Volk etwas lauter Raunen hören.

„Er fiel bei dem Versuch, mich vor dem Raub meiner Schuppen zu bewahren. So haben meine Soldaten es mir berichtet. Ich selbst allerdings, erinnere mich nicht mehr an diesen Vorfall.“

Seine Stimme begann zu stocken.

„Ich weiß nicht einmal, wer ihn tötete und mich beraubte. Niemand hat den Verbrecher gesehen. Keiner kennt sein Gesicht, oder hat auch nur eine Spur von ihm gesehen!“

Man konnte sehen, dass er zitterte. Vor Angst und vor Trauer.

„Es tut mir leid, so vor euch erscheinen zu müssen, doch mein Herz ist noch immer das selbe. Das Herz eines Drachens. Ich werde versuchen, euch trotzdem ein guter König zu sein. Meine Mutter... .“

Er erhob die Hand und wies mit der Handfläche auf den silbernen Drachen.

„ ...Wird mich dabei unterstützen, solange der Dieb nicht gefasst ist und die Schuppen nicht wiedergefunden sind. Ich danke euch allen!“

 

Yuumei kam zurück zum Torbogen. Er hatte Tränen in den Augen. Sokotsu packte ihn am Arm und drehte ihn zu sich.

„Verrate mir mal, was ICH mit der ganzen Sache zu tun habe!“

Yuumei sah ihn an und sagte mit gewohnt kühler Stimme:

„Es ist Schicksal. Du glaubst wohl nicht an das Schicksal.“

„Nein ganz und gar nicht.“

Damit ließ er wieder los.

„Aber du bist trotzdem zurück gekommen“, fügte Yuumei hinzu.  Er drehte sich zurück in die kleine Runde. „Nun denn. Ich bin bereit aufzubrechen. Ihr werdet als meine Soldaten, Pferde von mir bekommen. Ihr könnt sie euch aussuchen.“

Er schien wieder glücklich zu sein, obwohl er noch nie wirklich fröhlich ausgesehen hatte. Mann sah ihm immer die Sorgen, die Verantwortungen und die tausende von Jahre an, die er schon gelebt hatte.

 

Er brachte sie zu den Pferdeställen. Yuumei führte ihnen sein eigenes Pferd vor. Es war sehr groß und schneeweiß.

„Das ist Sleipnir. Ich kann es nicht ertragen, auf einem Drachen zu Reiten, darum nehmen wir nur die Pferde. Ich besitze die aller besten und schnellsten. Sie werden also ausreichend sein, für eine Verfolgungsjagd.“

Er saß auf. Es gab keine Sättel, nur Decken und Zaumzeug.

Atsuis Pferd sah genau so aus wie Sleipnir und hieß Bucephalus.

Kyuukas hieß Sirius und war etwas grauer, mit weißen Punkten.

Für Sokotsu war das Pferd egal. Er nahm irgendeines. Er nahm den roter Fuchs, mit dem Namen Diablo.

Alle stiegen auf.

Das Tor des Stalles öffnete sich und Yuumei ritt allen voran, im Galopp hinaus auf das Land, um den Palast. Atsui kam als letzter hinterher. Er war noch nie zuvor geritten und ließ sich von dem Pferd lenken. Kyuuka und Sokotsu, hatten keine Probleme mit Pferden umzugehen.

 

 

 

 

 

 

Grausamer Sand

Das Land war nicht besonders schön oder grün. Es war karg. Teilweise war felsig, teilweise sandig. Um Seen standen einige spärlich verteilte Bäume von seltsamer Art und ein paar Gräser. An einem Breiten Fluss gab es ein paar Äcker und viel Schilf. Die Häuser der Menschen waren von einfacher Art, doch es gab auch Paläste und Tempel zu sehen. Am Horizont zeichneten sich hohe Bergspitzen ab, doch bei genauerem Hinsehen, waren es riesige Sanddünen. Der Wind machte seltsame Geräusche, wenn er über den Sand fegte und auf die Felsen stieß.

 

„Yuumei!“, rief Atsui von ganz hinten, über die Köpfe der Anderen hinweg, „Brauchen wir denn keine Waffen oder so!?“

„Nein!“, gab dieser nur knapp zur Antwort.

Yuumei hatte längst die Fährte des Schuppendiebes, mit seinen Dracheninstinkten von 2000 Jahren, aufgespürt. Kyuuka fand den jungen (für einen Drachen war er noch jung) König, einfach umwerfend schön. Es war nur schwer, sich vorzustellen, dass er bald ein Drache sein würde. Wenn alles gut ging. ‚Es wäre zu schade um ihn’, dachte sie.

 

Sie folgten dem blauen Fluss. Immer weiter und immer dichter an die Dünen heran.  Der Anblick der Dünen, konnte jeden in Grauen versetzen.

„Ich hoffe... “, begann Yuumei, „ ...wir müssen ihm nicht durch den Sand folgen. Wer sich dort hin wagt, ist für immer verloren. Das Gebiet ist verflucht. Es ist wie ein Labyrinth ohne Ausweg!“

Die Dünen gaben ein unheilvolles Ächzen und Stöhnen von sich, welches bis Meilen weit zu vernehmen war.

 

Am letzten Tempel, vor dem Verfluchten Sand, machten sie halt.

„Es dämmert bereits und in der Nacht sieht man die Hand vor Augen nicht“, erklärte der junge König.

 

Als sie eintrafen, verließen gerade die Tempelpriester das hohe Gebäude. Es waren teilweise keine Menschen, doch man konnte ihre Art nicht bestimmen, da sie sehr verschleiert waren. Sie sahen aus wie Krokodiele oder Schlangen. Der Tempel war nun leer und die Reisenden legten sich im Eingangsraum zur Ruhe.

 

Die Nacht war kalt gewesen. Sie hatten unter den Pferdedecken geschlafen. Auf dem kühlen, harten Steinboden. Ihnen tat alles weh, nach dieser Nacht. Besonders Atsui hatte Schmerzen, da er allein schon vom Reiten Schmerzen hatte. Yuumei jedoch war es gewohnt, als Drache auf Stein zu liegen.

 

Sie sattelten die Pferde wieder und ritten weiter. Sie folgten Yuumei, der anscheinend genau wusste, wo er hin musste.

 

Yuumei, hielt nach einiger Zeit Sleipnir an und rief:

„Das hatte ich schon befürchtet. Der Dieb ist in die verfluchten Dünen geflohen. Aber wir werden ihm trotzdem folgen. Also los!“

Er trieb Sleipnir an und galoppierte auf die Sandverwehungen zu, welche unterhalb der Dünenspitzen tobten. Er war fast nicht mehr zu sehen. Der Sturm hüllte auch die restlichen Reiter bald ein und es wurde ohrenbetäubend laut.

„Werft euch die Pferdedecken um und verhüllt euer Gesicht!“, rief Yuumei so laut er konnte.

Mit den Decken um, war es etwas angenehmer und nicht mehr so laut.

Bald hielt der ganze Trupp an.

Yuumei sah sich in alle Richtungen um. Es sah überall gleich aus. Sand, am Boden und in der Luft, bis hinauf zum Himmel.

„Was ist?!“, rief Sokotsu.

„Ich habe die Spur verloren. Es ist, als sei der Dieb einfach vom Boden abgehoben. Ich vermute, es waren schwarze Sanddrachen, welche die Spur verwischten. Die leben hier nämlich!“

Atsui fragte ihn daraufhin:

„Ist er gefressen worden?!“

„Nein. Ich denke nicht. Es müssen Reittiere gewesen sein. Jemand hat ihn abgeholt!“

„Kehren wir um!“, rief Sokotsu, „das hier ist doch reiner Selbstmord!“

 

Alle stimmten ihm zu. Sie ritten die Selbe Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Sie brauchten dieses Mal länger, als auf dem Hinweg. Der Sturm wollte und wollte nicht aufhören. Die Sandwand wollte sich einfach nicht lichten. Bald machte sich Unmut breit.

„Da kommt kein Ende mehr“, jammerte Kyuuka vor sich hin.

Ihr Pferd entfernte sich immer mehr von den anderen, denn sie hatte aufgegeben, es zu lenken. Yuumei holte sie ein.

„Kyuuka! Wir müssen zusammen bleiben. Komm!“

Er führte sie zurück zu den Anderen. Jetzt merkte jeder, warum es die verfluchten Dünen hieß.

Zu allem Unglück, hörten sie nun auch noch ein schreckliches Geräusch. Ein Kreischen, aus einer mächtigen Kehle. Über ihnen kreiste ein großer Schatten und man konnte Flügelschläge hören. Kyuuka schrie, als sie den schwarzen Drachen über sich sah. Der Drache hatte nun ihre Aufmerksamkeit und kreiste in tieferen Bahnen. Die Pferde wurden unruhig.

Mit einem Schrei, stieß das Ungetüm hinab. Der Drache stieß direkt neben Kyuukas Pferd in den Sand und blieb halb vergraben, für einen Moment reglos liegen.

„Seid ganz ruhig. Sanddrachen können nicht sehen. Nur hören!“, rief Yuumei.

Der Drache zog seinen Körper aus dem Sand. Er war mit unglaublich vielen Dornen besetzt. Vor allem sein Kopf. Seine Zähne knirschten durch dem Sand, als er sich umsah - oder eher umhörte. Er schlängelte sich über den Boden und suchte ein Ziel. Das Tier wusste genau, dass jemand dort war. Jetzt kam der Drache direkt auf Atsui zu. Der Junge zitterte vor Angst und ebenso Bucephalus.

‚Wenn Bucephalus jetzt die Nerven verliert, wird er mich hören’, dachte Atsui.

Der Drache hatte seltsame, milchige Augen, ohne Glanz. Seine Zähne waren krumm und weiß. Ansonsten war er ganz schwarz.

Er kam immer näher. Atsui griff sich an seine Brust und fühlte sein Herz wie wild schlagen. Er berührte dabei die Schuppe unter seinem Shirt.

‚Ich wünschte, wir wäre wieder Zuhause’, dachte er bei sich.

 

Yuumei sah sich erschrocken um. Der Drache war davon geflogen, weil er nichts finden konnte. Yuumei sah nicht nur den Drachen verschwinden, auch seine Begleiter waren plötzlich fort.

„Atsui!“, rief er gegen den Sturm an, „Atsui! Kyuuka! Sokotsu! Wo seid ihr?!“

Es kam keine Antwort. Jetzt war es geschehen - er hatte seine Schützlinge aus den Augen verloren und auch ER war verloren. Er wusste nicht, in welche Richtung er reiten musste und er hatte kaum noch Kraft. Er fühlte sich müde und allein. Als Drache, wäre ihm so etwas niemals widerfahren. Langsam trieb er den erschöpften Sleipnir an. Egal welche Richtung er anstreben würde.

 

 

 

 

 

 

Ryuukuros Geheimnis

Atsui öffnete seine Augen. Er lebte noch und der Sturm war fort. Er hob den Kopf vom harten Marmorboden und sah Sokotsu neben sich, auf dem Rücken liegen. Er stupste ihn an und er erwachte ebenfalls.

Sie waren wieder in der Eingangshalle der Ryuukuro Villa. Kyuuka war auch bei ihnen und ebenfalls erwacht. Sie griff sich augenblicklich um die nackten Schultern, denn sie vermisste die Pferdedecke.

„Oh Gott! Wir haben Yuumei in der Wüste gelassen!“, rief sie erschrocken.

Sie sprang auf und sah zum Spiegel, an der Wand.

„Nein, wie sind wir hierher zurückgekommen?“, rief sie.

Atsui strich mit den Fingern über die goldene Schuppe um seinen Hals und überlegte, was als letztes geschehen war. Dann fiel es ihm ein und er sagte:

„Ich habe uns zurück gewünscht. Ich weiß nicht wie, aber als ich solche Angst hatte, dachte ich, es wäre jetzt schöner Zuhause zu sein. Da ist es einfach geschehen.“

Er sah hinunter zur Schuppe in seiner Hand.

„Es muss die Schuppe gewesen sein. Sie hat irgendwelche Kräfte.“

„Wie schrecklich,“ sagte Kyuuka zu dem Spiegel, „er wird da draußen sterben.“

Sie sah auf ihre Armbanduhr.

„Nanu, wir sind nur 10 Minuten weg gewesen. Es ist noch immer Freitag. Wir haben noch genug Zeit, um ihn zu suchen.“

Atsui nickte und meinte:

„Ja, helfen wir ihm.“

Er berührte die Schuppe und wünschte sich und die anderen zurück.

Der Raum verdunkelte sich wieder und die Wände verschob sich scheinbar. Von Sokotsu war nur ein klägliches:

„Nein!“, zu hören, da er nicht noch einmal zurück wollte.

Doch zu spät! Er hatte keine Wahl und fand sich am Boden kniend, im Drachenpalast wieder.

„Verdammt noch mal! Ich will hier nicht wieder her. Bring mich sofort zurück!“, brüllte er Atsui an. Dieser antwortete aber:

„Wie soll ich dich zurück bringen? Du brauchst dafür die Schuppe.“

Sokotsu zog an dem Lederband.

„Dann gib sie mir!“

„Nein lass das!“

„Gib sie schon her!“

Das Band riss und Sokotsu hielt sie in seiner Hand.

„Ha, ha, ha. Geht doch!“, lachte er schadenfroh.

Er drehte sich auf dem Absatz um und wandte sich der kahlen Wand hinter sich zu.

„Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie das Ding funktioniert. Etwas wünschen hast du gesagt?“

Er schloss seine Augen und die Schuppe begann zu glühen. Sokotsu verschwand vor den Augen der anderen und ließ sie einfach zurück.

Zurück an einem Ort, der eigentlich gar nicht existieren durfte.

 

Atsui und Kyuuka, kehrten in die Palasthalle zurück. Yuumeis Mutter - der silberne Drache - war dort und schwang ihren Schwanz hin und her. Sie sah besorgt aus.

„Drache!“, rief Atsui schon von weitem, „Was ist aus Yuumei geworden? Ist er wieder zurückgekommen!?“

Der Drache nickte langsam.

„Ist er. aber es geht ihm sehr schlecht. Man hat ihn am Rande der verfluchten Dünen gefunden. Wr war völlig ausgemergelt und hatte Fieber. Er liegt nun schon seit drei Tagen im Bett und hat keine eigene Kraft mehr.“

Atsui und seine Freundin liefen sofort zu ihm.

 

Sokotsu gelangte ohne Probleme in die Villa zurück. Er grinste über seine Verschlagenheit und polierte die Goldene Scheibe mit dem Ärmel.

„Sehr schön“, lobte er sich selbst zufrieden.

Sokotsu ging hinüber, in das Büro seines Vaters und öffnete eine Schublade, um den errungenen Schatz dort vorerst zu verstecken. Doch was war das? In der Schublade lagen bereits drei der Schuppen.

„Das gibt es doch nicht. Völlig unmöglich!“

Er dachte nach, doch er fand keine logische Erklärung dafür. Er beschloss, erst einmal zu seinem Vater zu gehen, um ihn zu fragen. Die vier Schuppen nahm er vorsichtshalber mit sich. Konnte es denn sein, dass sein Vater die andere Welt kannte? Ihm beschlich ein ungutes Gefühl. Was war, wenn er aus der Welt stammte? Was war er dann und was war mit Sokotsu selbst? Sokotsu fuhr sofort los.

 

Er suchte seinen Vater im Büro der Ryuukuro Firma auf.

„Hast du einen Moment Zeit Dad?“, fragte er und setzte sich seinem Vater gegenüber an den Schreibtisch.

„Jetzt nicht. Ich bin beschäftigt.“

„Nein sofort!“

„Ich habe wichtige Arbeit zu tun. Komm später noch mal.“

Mr. Ryuukuro sah nicht einmal von seinem Bildschirm auf.

„Na schön, Dad. Ich habe die Drachenschuppen in deiner Villa gefunden.“

Mr. Ryuukuro sah jetzt zu ihm auf und unterbrach seine Arbeit augenblicklich. Er sah nicht sehr begeistert aus. Er nahm den Telefonhörer und wies seine Sekretärin an, niemanden zu ihm rein zu lassen. 

„Wie kommst du dazu, in meinem Privatbüro herum zu stöbern? Du weißt, dass ich es dir strengstens untersagt habe.“

„Das ist jetzt nebensächlich.“

Sokotsu lehnte sich über den Schreibtisch und fragte:

„Was bist du?“

Sein Vater schüttelte den Kopf und sagte lachend:

„Was ist das für eine alberne Frage Junge?“

„Ich meine das tod-ernst. Was bist du?“

„Dein Vater“, war die spärliche Antwort.

„Na schön. Wenn du es mir so nicht sagen willst, fangen wir anders an.“

Mr. Ryuukuro rollte mit seinem Drehstuhl bis ans Fenster zurück und faltete die Hände vor der Brust.

„Was soll das werden? Ein Verhör?“

„Wo hast du diese Drachendinger her? Bist du dort gewesen? Oder vielleicht kommst du sogar von dort.“

Sie schwiegen sich eine Weile an. Sokotsu erwartete mit Spannung die Antwort. Sein Vater stand auf und sah zum Fenster hinaus, wobei er sprach:

„Vielleicht ist es an der Zeit, dass du die Wahrheit erfährst.“

Er stand völlig unberührt da und begann seine Erklärung abzuliefern:

„Es stimmt. Ja. Ich komme aus der anderen Welt. Ich habe dort bis vor 20 Jahren gelebt. Als ich deine Mutter hier kennen lernte, beschloss ich hier, bei ihr zu bleiben. Es war auch aus dem Grunde, dass sie mit dir schwanger war. Für dich bin ich hier geblieben, als sie nach deiner Geburt starb. Sie war eine wunderbare Frau.“

„Was ist mit den Schuppen? Wie bist du an sie heran gekommen?“

„Ich wüsste nicht, dass es dich etwas angeht“, antwortete Mr. Ryuukuro im gewohnt kaltem Ton.

„Das war schon immer dein Standartspruch. Sagtest du nicht gerade was von Wahrheit?“

Ryuukuro sah seinem Sohn wieder in die Augen.

„Das ist alles, was du zu wissen hast. Die Unterhaltung ist beendet.“

Damit setzte er sich wieder und nahm seelenruhig seine Arbeit wieder auf.

„Nein das war noch nicht alles! Ich bin noch nicht fertig!“

Sokotsu wurde eiskalt ignoriert.

„Bin ich auch so eine Kreatur und kein richtiger Mensch?“

Die Reaktion blieb aus. Sokotsu schlug mit den Fäusten auf den Schreibtisch und brüllte:

„Verdammt noch mal! Antworte mir!! Das geht mich Sehrwohl etwas an!“ Noch immer keine Reaktion, nicht mal ein Zucken. Sokotsu trat einen Schritt zurück und zeigte wütend mit dem Finger auf ihn.

„Ich wette, du bist nicht mal mein richtiger Vater!“

Er wandte sich um, schritt zur Tür und riss sie auf.

„Ganz genau!“, rief sein Vater noch hinterher.

Sokotsu war so enttäuscht und wütend, dass er nicht noch einmal zurück kam. Er hatte auch seinen Stolz.

Mit den Schuppen in der Jackentasche, begab er sich mit dem Motorrad zur Villa zurück.

 

 

 

 

 

 

Sokotsus Einsicht

Warum wusste Atsui eigentlich nicht genau, aber es schien ihn von Anfang an so, als hätte er Yuumei schon immer gekannt. Atsui kniete vor Yuumeis Bett. Der Drachenjunge sah sehr schwach aus.

„Yuumei, es tut mir so leid. Ich wusste nicht, dass das passiert, wenn ich etwas wünsche.“

Atsui brach in Tränen aus.

„Es ist alles meine Schuld.“

Yuumei drehte seinen Kopf zu ihm und sah ihn mit seinen glühenden Augen an. Ganz ruhig sagte er dann:

„Es ist nicht deine Schuld. Ich hätte es dir sagen sollen.“

„Aber du hättest sterben können. Ich fühle mich wie ein Feigling.“

Kyuuka kniete zu ihm und nahm ihn in die Arme um ihn zu trösten.

„Nein Atsui. du warst sehr mutig. Du bist nun mal unerfahren mit meiner Welt“, brummte Yuumeis Drachenstimme ruhig.

„Ich fühle mich so klein und schwach. ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann. Ich würde dich ja gerne bei deiner Suche unterstützen, aber...“

„Mach dir keine Gedanken, Atsui. Es war mir schon eine große Unterstützung, dass du an meiner Seite warst. Ich glaube an dich und ich bin froh, dass ich nicht allein bin.“

Yuumei schloss die Augen und schlief sofort ein.

 

„Atsui, Kyuuka!“, rief der Silberdrache aus der Halle.

Die Zwei gingen zu ihm.

„Seht mal wer da kommt.“

Der Drache wies mit dem Kopf auf eine Gestallt am anderen Ende der Halle, welche eilig auf sie zu gestakst kam. Sokotsu kam schnellen Schrittes heran. Er griff in die Tasche seiner feinen, weißen Jacke und warf die vier Schuppen vor dem Drachen, auf den Steinboden.

„Ich bin zu dem Entschluss gekommen, mit euch zusammen zu arbeiten. Allerdings, tue ich das nur für mich. Mein Vater hat die hier in seiner Villa versteckt. Er ist wahrscheinlich euer Dieb. Ich kann den Mistkerl nicht ausstehen!“, rief er.

Kyuuka sammelte die Schuppen ein und fragte:

„Was ist passiert? Warum bist du zurückgekommen?“

Sokotsu verdrehte die Augen.

„Meine Privatangelegenheiten gehen niemanden etwas an!“

Seine Antwort versetzte ihm selbst einen Stich. Er hörte sich an wie sein Vater. Was für ein Herzloses Wesen hatte er nur aus ihm gemacht und wie es aussah, war er nicht einmal sein richtiger Vater. Sokotsu schluckte und fügte hinzu:

„Ich bin hier um mich an meinem Vater zu rechen! Ich bin mir sicher - er hat den Drachenkönig getötet!“

„Das sind interessante Neuigkeiten, Sokotsu“, sagte der helle Drache.

Sie sah das Emblem, auf der Jacke des zornigen Teenagers.

„Gehört dieses Wappen deinem Vater?“, fragte sie.

Sokotsu sah auf das schwarze, aufgenähte Emblem.

„Das ist meines Vaters Firmenlogo. Warum?“

„Es sieht aus, wie das Wappen von Akuma.“

„Wer ist das?“

„Akuma war ein grauenvolles Wesen, welches jenseits der verfluchten Dünen gelebt hatte. In der schwarzen Wüste. Er verlangte von uns viele Opfer und begehrte unser Land. Er sorgte dafür, dass das Geschlecht der Drachen mehr und mehr ausstarb. Auf der anderen Seite, vermehrten sich dafür die blinden Sanddrachen zunehmend. Akuma verschwand irgendwann. Ich glaube das war vor 200 Jahren.“

Sokotsu zog die weiße Jacke aus.

„Na schön. Ich habe genug gehört.“

Er warf sie zu Boden.

„Verbrennt sie! Ich will mit meinem... Stiefvater nichts mehr zu tun haben!“

 

Sokotsu hatte letztendlich seine Jacke selber verbrannt. Er hatte sich wieder etwas beruhigen könne und saß nun mit einem Mantel der Soldaten zusammen mit Atsui und Kyuuka, bei Fackelschein an Yuumeis Bett. Er saß weiter abseits und vertiefte sich immer mehr in Gedanken, wären die anderen mit dem jungen König sprachen. Yuumei ging es an diesem Abend besser und er hatte sich aufrecht an die Bettkante gesetzt. Er trug nur eine dünne, weiße Tunika.

Aus der Palasthalle ertönte aufgeregtes Geschrei. Eine besonders erregte Stimme, stammelte etwas in einer fremden Sprache und man konnte Hufschläge, auf steinernem Boden hören.

„Akuma! Akuma!“, konnte man Rufen hören.

Yuumei sprang von seinem Bett auf. Schnell zog er sich eine Robe über und bat seine Freunde, mit zur Halle zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

Der Dieb Scepter

In der Halle stand eine Reihe von 15 berittenen Soldaten und in ihrer Mitte kniete ein verwahrloster Mann, in einer zerrissenen Hose. Seine hellen Haare hingen in dicken Strähnen über seinem Gesicht. Er war an den Handgelenken gefesselt und ein Reiter hielt ihn an einem Seil. Um den Hals des Mannes, baumelte eine glänzende, goldene Scheibe. Einer der Soldaten stieg vom Pferd und riss die Drachenschuppe von seinem Hals. Mit einer tiefen Verbeugung, reichte er sie dann Yuumei.

„Ich habe ihren Vater nicht getötet, Herr. Ich war nur ein Zeuge. Ihr müsst mir glauben!“, jammerte der Gefangene nun in ihrer Sprache.

Er beugte sich untertänig über den Fußboden und senkte seinen Kopf, während er weiter sprach:

„Herr, wir waren Drachenritter der Schwarzen Wüste. Akuma tauchte eines Tages wieder auf und zwang uns zur mitarbeite. Er bedrohte unsere Familien und sagte, er wolle den Tot der Königsfamilie. Er tötete den König mit seinen eigenen Händen und entfernte eure goldenen Schuppen. Eure Soldaten konnten nur noch Euer Leben retten. Für den König kam jede Hilfe zu spät.“

Yuumei hörte ihm ruhig und geduldig zu und fragte dann:

„Wie bist du an diese Schuppe gekommen?“

„Es tut mir aufrichtig leid, Herr. Ich und meine Leute, wir haben von Akuma nicht den versprochenen Lohn bekommen. Einige von uns - mich eingeschlossen - haben ihn dann eines Nachts beraubt. Sein Zorn war furchtbar, doch Dank unseres Geschicks, konnten wir seinem Zorn entkommen.“

„Eure Leute sind keine Soldaten, es ist ein Volk von Dieben und Mördern,“ antwortete Yuumei, „doch ich werde dich trotzdem gehen lassen, wenn du mich durch die verfluchten Dünen bringst. Wie ist dein Name?“

„Scepter, Herr.“

Scepter sah jetzt auf und bedankte sich. Dann wurde er vorerst abgeführt und eingesperrt.

 

„Was denkst du, will Akuma mit deinen Schuppen?“, fragte Atsui.

„Ich denke, er ist auf ihre Nebenwirkung aus. Sie können das Leben verlängern. Umso mehr Schuppen man besitzt, um so länger wird das Leben. Es nützt nur leider niemanden etwas, denn dazu müssten die Schuppen direkt ins Fleisch gesteckt werden.“

Er ließ die Robe, mit samt der Tunika fallen und stand völlig nackt vor ihnen. Kyuuka warf sich die Hand vor die Augen.

„Oh Gott, tu mir das nicht an“, sagte sie leise zu sich selbst.

Yuumei drehte sich um und man konnte tiefe Kerben in seinem Rücken sehen.

„Das sind die Narben, in denen ich meine Schuppen trug. Sie zu entfernen war äußerst schmerzhaft.“

Kyuuka war errötet, doch sie riskierte einen scheuen Blick auf diesen ‚delikaten’ Rücken. Ihr Blick schweifte weiter hinab und sie drehte sich rasch um. War das peinlich! Der Junge schien gar kein Scharmgefühl zu haben und dann sah er auch noch so verdammt gut aus und diese Wahnsinns Stimme… Kyuuka atmete tief durch.

„Was für eine fiese Bande“, sagte sie rasch.

„Was hast du, ist dir schlecht?“, fragte Yuumei verdutzt.

„Uh… nö. Alles bestens.“

Yuumei zog Tunika und Robe wieder über.

Atsui lachte - er wusste genau was los war. Sie war immerhin ein Mädchen und Yuumei männlich.

„Du kannst wieder gucken, Kyuuka“, sagte er, noch immer lachend.

Sie sah die beiden wieder an, obwohl sie genau wusste, dass sie noch immer rot war.

‚Er trägt nicht mal was drunter’, dachte sie weiter.

‚Er trägt selbst beim Reiten nur eine Tunika. Hat er dann etwa auch nichts drunter?’ 

Kyuuka warf die Hände vor ihr glühendes Gesicht und rannte aus der Halle.

 

Sie setzte sich auf Yuumeis Bett.

„Du bist so bescheuert. Wie kannst du nur solche Gedanken haben.“

Sie atmete den Geruch des Bettes ein. Es roch angenehm. Es roch nach Yuumei.

„Oh Gott, was ist nur los mit mir? Ich möchte mich am liebsten in dieses Bett legen. Was soll Atsui nur von mir denken?“

Sie legte sich einfach hin und schlief bald ein.

Yuumei kam spät am Abend, leise an das Bett und setzte sich vor sie auf einen Hocker. Er wusste nicht, warum er das tat, aber ihm gefiel es, sie schlafen zu sehen. Kyuuka öffnete die Augen und sah ihn etwas sprachlos an.

„Du liegst in meinem Bett“, sagte Yuumei mit einem Lächeln, „aber ist schon gut. Schlaf, wenn du müde bist.“

„Was machst du hier?“

„Ich weiß nicht, aber ich bin glücklich wenn ich dich ansehe.“

Kyuuka setze sich auf.

„Yuumei“, sagte sie, aber sie hatte vergessen was sie sagen wollte. Wollte sie überhaupt etwas sagen? Yuumei zuckte plötzlich zusammen und stöhnte auf. Er schien Schmerzen zu haben.

„Yuumei!“, rief Kyuuka besorgt, „was hast du?“

Yuumei stützte sich auf die Bettkante.

„Ist schon gut. Es ist nur der Verlust meiner Drachengestallt. Ich fühle mich eingesperrt und unbeweglich. Als wäre dieser Körper zu klein für mich.“

Kyuuka zog ihn sanft zu sich in das Bett und hielt ihn umarmt.

„Mach dir keine Sorgen. Wir werden dir helfen. Du wirst sehen - du wirst wieder ein Drache sein.“

 

 

 

 

 

 

 

Der Verräter

Der Gefangene wurde am nächsten Morgen schon früh dem König vorgeführt. Yuumei ließ ihn, mit sich und seinen Freunden am selben Tisch Frühstücken und stellte ihm Kleidung und ein Pferd zur Verfügung. Scepter schien durchaus loyal dem König gegenüber zu sein, jedenfalls machte er keine Fluchtversuche, als er als erstes mit dem Pferd auf das Land ritt. Yuumei hatte einen Beutel um den Hals hängen, in dem er seine wiedererhaltenen Schuppen aufbewahrte. Die fünfte allerdings trug noch immer Atsui. als Schlüssel zur anderen Welt.

Die fünf Reiter folgten eine Weile dem breiten Fluss, durch Wiesen, Schilf und über Äckern. Doch nach einiger Zeit - sie waren schon dicht bei den unheilvollen Sanddünen - überholte Scepter, Yuumei plötzlich im Galopp. Er verließ den Flusslauf und hetzte sein geliehenes Pferd in die Einöde hinaus. Yuumei rief ihm hinterher und er winkte alle zu sich.

„Was soll das werden Scepter? Die Dünen liegen in Südlicher Richtung!“, rief Yuumei ihm hinterher.

„Nein, Herr. Ich kenne einen anderen Weg - einen besseren. Die Dünen sind ohne Drachen unüberwindbar!“

Scepter führte den Trupp hinein in eine Steinwüste. Das Land wurde Schritt für Schritt immer zerklüfteter und unbegehbarer, doch Scepter folgte unbeirrt einem schmalen Pfad. Der Pfad schlängelte sich in südwestliche Richtung aufwärts, immer entlang einer tiefen Schlucht. Atsui sah nach unten und es graute ihm. Er konnte den Boden nicht sehen! Es war stockfinster dort unten. Die Pferde konnten hier nicht nebeneinander hergehen, nur in einer Reihe hintereinander.

 

Kyuuka drehte sich nach einer ganzen Weile zu Atsui um und zischte: „Weißt du. Irgendwie traue ich diesem Kerl nicht.“

Sie zeigte auf die andere Seite der Schlucht, wo ein sandiger, ebener Weg zu sehen war.

„Siehst du, da drüben? Wir hätten vorhin auch den Weg nehmen können.“

„So etwas hatte ich befürchtet“, antwortete Atsui.

„Was ist denn los!?“, rief Sokotsu, hinter Atsui

 Er ritt als letzter in der Karawane. Atsui zeigte noch einmal zur anderen Seite der Schlucht.

„Warum hat dieser Verbrecher ausgerechnet diesen Weg genommen? Dort drüben ist ein richtiger Weg.“

„Was weiß ich. Vielleicht ist der gesperrt.“

„Ach, so ein Blödsinn.“

„Was fragst du mich?

 „Ob Yuumei davon weiß?“

„Ich frag ihn mal“, mischte Kyuuka sich wieder ein.

Sie ritt dichter hinter Yuumei auf und sagte leise, so dass Scepter sie nicht hören konnte:

„Yuumei, findest du das nicht auch seltsam?“

Yuumei drehte sich um und Kyuuka zeigte ihm den anderen Weg.

„Warum nimmt dieser Typ nicht den Weg da drüben? Er scheint zum selben Ziel zu führen.“

Yuumei hielt an

 „Du hast Recht. Irgendwas geht hier vor.“

Auch Scepter hielt sein Pferd an. Die ganze Karawane kam zum stoppen. Scepter drehte sich um und grinste und es war kein freundliches Grinsen. „Ihr habt es also bemerkt. Ich bin beeindruckt!“, rief er.

Er pfiff durch seine Finger und lachte.

„Es ist an der Zeit, dass du mir all deine Schuppen gibst, König. Leider endet euer Weg hier und ich denke nicht, dass eure Pferde den Weg rückwärts zurückgehen können!“

Ein Flügelschlagen war zu hören. Es kam aus der Tiefe der Schlucht.

Aus der Dunkelheit erhob sich ein riesiger, schwarzer Sanddrache.

„Einen Mucks und er wird euch alle mit sich reißen!“

Scepter lachte wieder.

„Ein schnuckeliges Tierchen. Nicht wahr? Na ja, aber nur wenn es einem gehorcht!“

Er streckte die Hand nach Yuumei aus und befahl grinsend:

„Her mit dem Beutel, mein König.“

Yuumei griff nach dem Beutel und zog das Band über seinen Kopf. Keiner sagte etwas, selbst die Pferde waren erstarrt. Yuumei reichte den Beutel zu Scepter hinüber und sah ihn wütend dabei an. Scepter nahm das unfreiwillige Geschenk an sich und sagte sarkastisch:

„Es tut mir wirklich aufrichtig leid, aber ich denke, ich sollte euch jetzt beseitigen.“

Yuumei sah ihn erschrocken an. Was würde er jetzt mit ihnen machen? Scepter nahm einen Felsbrocken von der Felswand neben dem Pfad und holte damit aus, um ihn zu werfen.

„Lebt wohl!“

Er warf den Brocken gegen den Kopf von Sleipnir, auf dem Yuumei saß. Sleipnir schrie und bevor Yuumei ihn beruhigen konnte, bäumte er sich auf und trat fehl. Er rutschte mit einem Hinterbein in den Abhang und sein zweites Bein wurde hinterher gerissen. Sleipnir schrie verängstigt und konnte keinen Halt mehr finden. Auch die anderen Pferde schrieen aufgeregt und tänzelten. Yuumeis Pferd stürzte haltlos hinab in die Schlucht und man konnte ihn noch im Sturz schreien hören. Yuumei selbst, konnte noch abspringen und klammerte sich an die spitzen Felsen am Pfadrand. Der Drache war vorerst noch etwas verwirrt von dem Lärm der Pferde, doch nun attackierte er Kyuuka und Atsui, die besorgt nach Yuumei riefen.

Der Drache krallte sich an den Hals von Bucephalus und dem Hinterteil von Sirius, auf dem Kyuuka saß, und biss nach Atsui. Atsui rutschte auf der anderen Seite vom Pferd und duckte sich hinter seinem Leib. Doch Bucephalus litt Qualen und ging in die Knie. Atsui wurde zwischen Pferd und Felsen eingequetscht und konnte sich nicht mehr rühren, während Bucephalus auf ihm starb. Der Drache riss dem Tier gierig das Fleisch aus dem Rücken.

Kyuuka konnte Sirius ein Stück fortbewegen und der Drache lies ihn mit seinen Scharfen Krallen los.

Sie sah, dass Scepter sich davon gemacht hatte. Er war nicht mehr zu sehen.

„Kyuuka!“, rief Yuumei unter ihr.

Sie stieg ab und legte sich auf den Pfad, um ihm die Hand zu reichen.

„Bitte, sei ganz ruhig, Yuumei. Der Drache!“, schluchzte sie.

Sie wusste genau, dass sie Yuumei nicht helfen konnte. Er war viel zu schwer für sie. Yuumei nahm ihre Hand mit der einen Hand - hielt sie aber nur zaghaft.

„Yuumei“, ächzte Kyuuka, „du musst dich festhalten.“

Doch Yuumei lächelte plötzlich. Das machte ihr noch mehr Angst.

„Kyuuka“, sagte er ruhig, „Atsui hat noch die fünfte Drachenschuppe bei sich. Sag ihm, er soll einen Drachen herbeirufen.“

„Was denn für einen Drachen? Yuumei!“

„Sag es ihm einfach. Und sorg dich nicht um mich.“

Widerstrebend ließ sie seine Hand los und er klammerte sich wieder an den Felsen. Sie vertraute ihm. Doch wie sollte sie es Atsui sagen, er lag unter dem Pferd, welches von dem Drachen gerissen wurde.

„Atsui!“, rief sie kleinlaut und lies die Bestie nicht aus den Augen.

Atsui sah sie an, doch er konnte sich kaum rühren.

„Atsui, wünsch einen Drachen herbei! Du hast noch die Schuppe um den Hals!“

Atsui versuchte, mit der rechten Hand an seine Brust zu gelangen. Er grub mit ihr unter dem Pferdekadaver und bekam die Schuppe zu fassen. Einen Versuch war es wert! Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf seinen Wunsch. Ein Drache, der möglichst schnell bei ihnen sein konnte. Ein Drache aus Yuumeis Palast.

Der schwarze Drache ließ von dem Pferd ab und keifte Sokotsu an, der die ganze Zeit versucht hatte, sein Pferd zum Rückwertsgehen zu bewegen. Sokotsu hielt augenblicklich und hielt den Atem an, doch sein Pferd schnaubte nervös. Er war schon einige Meter von dem Drachen entfernt und dieser kroch nun am schmalen Pfad entlang, auf ihn zu.

Kyuuka, half Atsui unter dem toten Bucephalus heraus. Der Junge war voller Pferdeblut, doch er war unverletzt. Als Kyuuka und er, nach Yuumei sahen, blickte dieser sie noch einmal mit großen Augen an, bevor ihm seine Kraft verlies und er loslassen musste.

Sie sahen Yuumei in der Dunkelheit verschwinden, er hatte nicht einmal mehr Kraft, zu schreien. Doch Kyuuka und Atsui schrieen ihm nach! Sie starrten in die Tiefe, doch sie konnten nichts mehr von ihm sehen.

 

Aus der Tiefe der Schlucht kam ein grauenvoller, keifender Laut. Atsui und Kyuuka schreckten zurück. Noch ein Drache! Aus der Dunkelheit erhob sich nun etwas helles. Der Drache der dort kam hatte glänzende, perlmutfarbene Schuppen und war noch ein ganzes Stück größer, als der Sanddrache. Noch einmal brüllte er, bis er auf gleicher Höhe mit dem Pfad war. Der Sanddrache bekam es mit der Angst und flog unbeholfen – so wie Fledermäuse starten - endlich davon.

Auf dem Rücken des hellen Drachen lag Yuumei. Er war sehr erschöpft, doch er raffte sich wieder auf und rutschte vom Drachenrücken, auf den Pfad. Er umarmte den Drachenkopf und bedankte sich bei dem Tier. Auch entschuldigte er sich dafür, dass er von ihm getragen werden musste. Der helle Drache schnaubte und flog einfach davon.

„Es sieht nicht sehr gut für uns aus, nicht wahr?“, sagte Yuumei schließlich zu seinen Freunden.

„Ich habe noch mein Pferd“, rief Sokotsu.

Yuumei sah den toten Bucephalus und schloss traurig die Augen.

„Bucephalus. Sleipnir“, murmelte er.

 

 

 

 

 

 

 

Im Dorf der Diebe

Sie mussten den toten Bucephalus in die Schlucht hinab werfen, damit Sokotsu’s Pferd vorbei konnte. Außerdem mussten sie nun zu zweit auf einem Pferd sitzen, was Sokotsu nun überhaupt nicht gefiel - es sei denn er könne mit Kyuuka reiten. So setzte sie sich hinter ihm auf Diablo und Atsui saß hinter Yuumei auf Sirius. Es war einstimmig beschlossen, dass sie jetzt nicht aufgaben, sondern ihren Weg zur Schwarzen Wüste fortsetzten. So folgten sie weiter dem Pfad, auf dem Scepter geflohen war.

Die Schlucht nahm ein Ende und das Land wurde immer grauer. Bald war es schiefergrau. Sie hatten die Verfluchten Dünen hinter sich gelassen und waren nun in der Schwarzen Wüste.

In einem weiten Tal, konnte man von weitem Zelte und kleinere Steinhütten sehen.

„Das muss das Dorf der Diebe sein“, meinte Yuumei.

Im Dorf schien sich nichts zu rühren. Man konnte nur ein Pferd, bei einem Zelt stehen sehen.

 

„Was machen wir jetzt?“, fragte Sokotsu, „in dem Dorf scheinen mindestens 20 Männer zu leben.“

„Dann wird Atsui mindestens 20 Drachen rufen“, antwortete Yuumei trocken.

Drei Kinder spielten vor dem Dorf und rannten zu den Hütten, als sie die Reiter sahen. Man konnte sie etwas rufen hören, doch ihre Sprache war fremd. Ein Mann trat aus einem Zelt. Es war Scepter! Er sah ziemlich erstaunt aus.

„Hätte nicht gedacht euch wieder zu sehen! Aber wie ich sehe habt ihr Pferde verloren!“

Scepter grinste wieder, nachdem er das gerufen hatte.

Yuumei ritt nah an ihn heran und stellte Sirius, ihm quer in den Weg.

„Ich werde nicht eher gehen, bis ich alle Schuppen von euch zurück bekommen habe. Die, die du mir gestohlen hast und die, die ihr alle von Akuma gestohlen habt.“

„Warum sollte ich?“

„Weil ich sonst ein paar wütende Drachen herauf beschwören werde.“

Scepter lachte und antwortete gelassen:

„Dann werde ich eben ein paar mehr Drachen rufen. Ich brauche nur zu pfeifen.“

Er schüttelte den Beutel mit den Schuppen.

„Na komm schon Drachenjunge, hol sie dir doch.“

Als Yuumei sich umschaute, musste er feststellen, dass man sie umzingelt hatte. Um sie standen mindestens 15 Männer und hielten lange Speere auf sie gerichtet. Scepter, drückte Yuumei den Beutel in die Hand und fragte dann:

„Und was willst du nun machen?“

Er lachte laut und Yuumei ließ den Beutel einfach fallen. Scepter hob die Hand und rief:

„Los Männer! Bringt sie in die Kaverne!“

Die vier Freunde mussten absitzen und ihnen wurden die Hände mit Seilen gebunden. Dann führten sechs Mann - Scepter eingeschlossen - sie durch das Tal, auf einen Schwarzen Berg zu. Vor dem Berg ragten zwei mächtige Säulen gen Himmel. Solche Säulen kündigten immer einen, in der Nähe gelegenen Tempel an.

„Was macht ihr mit uns?“, fragte Sokotsu.

Scepter ging neben ihm her und antwortete:

„Ihr werdet dem Gott Thorak geopfert.“

Er grinste breit.

„Das bedeutet, ihr müsst in einen Lavapool steigen.“

„Das ist grausam“, murmelte Kyuuka müde.

 

In der so genannten ‚Kaverne’, war es stickig und die Wände waren rot beschienen. Die Kaverne war in dem schwarzen Berg, direkt zwischen den beiden Säulen. Man konnte den kleinen Lavasee in der Mitte der Kaverne knirschen und knistern hören.

Scepter warf sich einer riesigen Statue zu Füssen und rief aufgeregte Worte in ihrer seltsam anmutenden Sprache. Die Statue war hässlich. Sie stellte einen Mann mit ungewöhnlich großen Füßen und einer langen Krokodilsschnauze dar. Nachdem er mit seinem Gebet fertig war, wandte er seine Aufmerksamkeit an Yuumei. Er öffnete seine Handfesseln und führte ihn dann zu einer geraden Wand. Er legte Yuumeis Beine in Ketten, welche an der Wand befestigt waren. Danach tat er das selbe mit seinen Armen.

„Ich möchte meinen Lieblinkskönig, noch etwas leiden sehen, bevor ich auch ihn erlöse“, flüsterte Scepter in sein Ohr.

 

Die anderen drei Gefangenen, wurden dicht an den Lvapool geführt. Es war unangenehm heiß.

„Wem nehme ich zuerst?!“, fragte Scepter mit einem Grinsen an Yuumei.

Yuumei sah wütend und ängstlich zugleich aus. Er zog an seinen Ketten, aber das war natürlich vergebens. Scepter lachte nur umso mehr. Er ging zu dem Pool und zog Atsui am Jackenärmel zu sich.

„Sieh einer an. Ich habe meine Wahl getroffen. Der hier wird der erste sein.“

Scepter packte Atsui nun am Kragen hinter dessen Kopf und drückte ihn in Richtung Lavapool. Atsui biss die Zähne zusammen. Er wollte nicht weinen, aber er konnte die Tränen kaum zurück halten.

„Atsui!“, rief Yuumei, „Atsui, es tut mir leid. Bitte... verzeih mir!“

Jetzt konnte Atsui seine Tränen nicht länger zurück halten und auch Kyuuka weinte.

„Thorak, mein Herr“, begann Scepter mit lauter Stimme, „nimm dieses Opfer und schenke mir... .“

Doch er wurde unterbrochen.

„Endlich begegnen wir uns wieder, Scepter!“, rief eine raue Stimme, vom Kaverneneingang. Eine in Anzug gekleidete Person kam in die Kaverne.

„Vater!“, rief Sokotsu, doch dann hielt er inne und sah ihn nicht mehr an.

Es war tatsächlich Ryuukuro. Scepter hielt Atsui gefährlich nahe am Ufer der Lava und brach seine Zeremonie ab. Die Männer aus dem Dorf sahen entrüstet aus und starrten Ryuukuro an, als er näher trat.

„Ihr wisst, weshalb ich hier bin?“, fragte Ryuukuro.

„Akuma“, stammelte Scepter, als er das Logo auf Ryuukuros hellem Jackett sah.

Er warf Atsui zu Boden und wich zwei Schritte zurück.

„Ah... Meister... Akuma... Ihr wollte sicher den König, nicht wahr?“

Er stolperte zu Yuumei und löste eilig seine Fesseln. Als er fertig war, fauchte Ryuukuro:

„Scepter, ich weiß längst Bescheid. Versuch nicht, mich für dumm zu verkaufen!“

„Eh... Was meint ihr Herr?“

Plötzlich verwandelte sich Sokotsus Stiefvater! Er wurde größer und hässlicher. Bald war er nicht mehr der selbe. Er hatte dämonische Gesichtszüge und glühende Augen.

„Unmöglich“, flüsterte Sokotsu fassungslos.

Er war völlig verwirrt, dass das der Mann sein konnte, der sich jahrelang als seinen Vater ausgegeben hatte. Ryuukuro war in Wirklichkeit ein abscheuliches Monster.

Das Monster, Akuma kam auf Scepter und Yuumei zu. Er packte Scepters Hals und hob ihn in die Luft.

„Wo sind die Drachenschuppen, Dieb?“, grollte Akumas schreckliche verzerrte Stimme.

Scepter konnte weder atmen noch sprechen und zappelte nur wild unter dem Würgegriff. Akuma schmetterte ihn gegen die Wand neben Yuumei und Scepter brach bewusstlos zusammen. Dabei fiel der Beutel zu Boden und Akuma hob ihn auf. Er prüfte seinen Inhalt und brummte:

„Nur fünf? Hu? Wo ist der Rest?!“

Er fuhr herum und knurrte das restliche Diebesvolk an, die nur da standen und um ihr Leben zitterten. Er kam auf sie zu und grollte wütend.

„Nein nicht!“, rief Yuumei, „sie haben die Schuppen nicht!“ Akuma wandte sich wieder in Yuumei’s Richtung.

„Und du Drache, solltest längst tot sein! Ich werde dich ein für alle Mal erledigen!“

Er wollte sich auf den König stürzen, doch Sokotsu stellte sich zwischen sie. Mit ausgestreckten Armen rief er:

„Halt, Vater! Oder was immer du bist. Du wirst ihn in Frieden lassen!“

Sokotsus Miene war ernst. Akuma lachte. Er knetete den Beutel mit den Schuppen, so, dass sie wie Goldmünzen klimperten.

„Ich verbrachte eine lange Zeit mit dir, deiner Mutter und der Firma. Hast du eine Ahnung, warum ich mich mit euch und eurer Welt abgegeben habe? Eure Welt verfügt über überaus fortgeschrittene chemische und technische Mittel und Kenntnisse. Ich habe sie alle studiert und angewandt, um endlich hinter das Geheimnis der Drachenschuppen zu kommen. So viele Jahre, doch es hat mich nicht weitergebracht.“

Sokotsu bleckte die Zähne und knurrte wütend:

„Und nebenbei hast du ‚Security Module’ produzieren lassen, um deine Aktivitäten zu verbergen.“

„Das Selbe gilt für dich und deine Mutter, Sohn.“

Akuma lachte wieder, doch über Sokotsus Augen legte sich ein Schatten. Er ballte die Fäuste  bis sie weiß wurden.

„Wir waren nur ein billiger Vorwand. Ich hasse dich du Monster. Ich habe dich immer gehasst und mir gewünscht du würdest sterben!“

„Dir gewünscht!“, spottete Akuma und lachte lauter; er lachte ihn aus.

Doch schlagartig brach er sein Lachen wieder ab und sagte:

„Es gibt nur einen, der mir sagen kann, was das Geheimnis ist und wie man ihre Kräfte nutzen kann und zugegeben, bin ich sehr froh darüber, ihn hier lebend, vor mir zu sehen.“

Er sah zu Yuumei herüber.

„Nur der Drache kann es wissen!“

„Aber der Drache wird es dir nicht sagen!“, rief Yuumei zurück.

„Das wird sich zeigen!“

Akuma setzte seinem Stiefsohn, seine finstere Hand auf den Kopf und Sokotsu fiel in einen unruhigen Schlafzustand.

„Was hast du mit ihm gemacht!“, rief Atsui besorgt, als er sah wie Sokotsu zu Boden sank und sich auf dem Boden wand.

Akuma lachte nur.

Atsui kroch zu Sokotsu und prüfte seinen Zustand. Der Junge reagierte auf keine seiner Bemühungen, ihn aufzuwecken.

„Gib es auf, Junge“, meinte Akuma.

Er griff mit der Hand nach Atsuis Kopf, um mit ihm das Selbe zu machen. Doch Atsui sprang auf und wich ihm aus. Er griff nach der goldenen Schuppe um seinen Hals, um nach den Drachen zu rufen. Akumas Augen funkelten, als er das ungewöhnliche Schmuckstück sah. Er entriss sie dem Jungen und grinste zufrieden, als sie in seiner Hand glänzte. Atsui stand wie angewurzelt dar.

Alles aus...

Er konnte so schnell keinen Kontakt zu den Drachen des Königreiches aufnehmen.

Verzweifelt in dieser Situation, stürzte Atsui sich auf Akumas Hand und versuchte ihm die Schuppe zu entreißen. Doch Akuma stieß ihn mit Leichtigkeit von sich und schleuderte ihn einige Meter weit zu Boden.
„Her mit den anderen Schuppen, ihr Diebe!“, polterte Akuma ungeduldig.
Das Diebesvolk warf sich auf der Stelle vor ihm zu Boden und zitterte aus Furcht vor seinem Hass und seiner Rache. Sie jammerten für ihr Leben. Akuma aber rief:

„Wo haltet ihr sie versteckt!?“
Unterdessen war Yuumei zu Atsui geschlichen und flüsterte ihm zu:

„Atsui, ist alles in Ordnung mit dir?“

„Ja, geht so.“

„Dann hör mir zu. Wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet, stehst du auf und rennst so schnell du kannst zu dem dunklen Schacht dort hinten.“

Yuumei zeigte bedacht auf ein Schwarzes Loch in der Wand, an der er vor kurzem noch gebunden war. Atsui nickte.

„Renn auf mein Zeichen.“, erklärte Yuumei.

„Was wird aus Sokotsu?“

Yuumei schüttelte traurig den Kopf.

„Ich kann ihm nicht helfen. Ein böser Bann lastet auf ihm, den ich nicht zu brechen vermag.“
Yuumei wandte sich an Kyuuka, welche nur ein paar Meter weiter an der Wand kauerte. Auch ihr berichtete er seinen Plan und sie willigte ein.

 

 

 

 

 

 

 


Die Flucht
Ein furchtbares und lautes Geschrei brach vor dem Höhleneingang los und etwas prallte mit unglaublicher Macht gegen die Pfeiler, welche den Eingang flankierten. Das Getöse hallte in der Kaverne wieder und Schutt rieselte von der Decke. Akuma drehte sich um und sah zum Eingang. Dort war irgendetwas, womit er nicht gerechnet hatte und es war ziemlich groß!

„Ein Drache!“, meinte er erstaunt zu sich selbst.

Plötzlich schoss das Tier in die große Halle hinein. Yuumei atmete erleichtert auf, denn es war der selbe Drache, welcher ihm vor dem sicheren Tod bewart hatte, als Yuumei in die Schlucht stürzte.
Das schillernde Tier flog knapp an den Wänden entlang, eine Runde und landete dann fauchend vor Akuma. Doch Akuma hatte keine Furcht und lachte das große Tier an.

Da schoss ein zweiter Drache in die Halle und stürzte sich auf den Perlmutt-Drache. Von Anfang an hatte Akuma einen schwarzen Sanddrachen auf der Bergspitze postiert, um sein Vorhaben vor solchen Zwischenfällen zu bewahren. Doch der Perlmutt-Drache hatte sich so lautlos dem Berg genähert, dass der blinde Schwarze ihn zu spät entdeckt hatte.
Unter lautem Getöse stritten die zwei Drachen miteinander und sie schienen gleichstark zu sein.
„Lauft!“, brüllte Yuumei so laut er konnte, um das Kampfgetose zu übertönen.

Kyuuka und Atsui folgten ihm in die Dunkelheit des kleinen Schachtes und stolperten in das Ungewisse hinein, welches sich - gehüllt in undurchdringlicher Dunkelheit - vor ihnen auftat. Sich gegenseitig an den Kleidern zerrend, irrten sie immer tiefer in den Berg hinein, bis der Lärm der Drachen langsam verstummte und eine Grabesstille sie umgab.

Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Finsternis und sie mussten feststellen, dass sie an einer Gabelung mit 6 Gängen standen. Einer war dunkler und grauenerregender als der Andere.
„Yuumei“, flüsterte Atsui ängstlich, „was ist das für ein Geruch?“

Yuumei antwortete ihm nicht gleich, sondern schwieg eine Weile, um seinen schrecklichen Verdacht genauestens zu überdenken. Schließlich brach er das bedrückende Schweigen und antwortete:

„Es ist Leichengeruch.“

Die kämpfenden Drachen brachten Teile des Gewölbes zum einstürzen, so dass die Diebe von herabstürzenden Felsen erschlagen und begraben wurden. Doch Akuma blieb unbeirrt stehen und betrachtete entzückt den Kampf. Er hatte keine Angst vor dem Perlmutt-Drachen, denn er war sich sicher, der Schwarze war stärker. Der weiße Drache peitschte den Schwarzen mit seinem mächtigen Schwanz zu Boden,  so, dass dieser betäubt aufstöhnte und liegen blieb.

Danach suchte er mit seinen klaren Augen nach Akuma und fand ihn. Noch immer in der Mitte der Halle stehend, mit einem Grinsen im Gesicht.

„Worauf wartest du!?“, rief Akuma.

Der Weiße biss ihm den Kopf ab.
Akumas Kopfloser Körper fiel leblos zu Boden und das Blut floss in Strömen aus seinem Hals.
Der Weiße flog hinaus in die Abenddämmerung und wenig später verließ auch der Schwarze etwas angeschlagen, die Kaverne.
Nachdem Akuma gefallen war, erwachte Sokotsu wieder aus seinem Bann. Er betrachtete anteillos den toten Leib Akumas, stich sich durch die dreckigen Haare, betastete sein dreckiges Gesicht, lächelte verschmitzt und sah sich dann in der Halle - welche einmal ein Tempel gewesen war - um. Den Eingang hatten die Drachen beim verlassen völlig verschüttet hinterlasen und nur noch die Glut der Lava beleuchtete das hohe Gewölbe mit ihrem roten Licht. Sokotsu entdeckte den dunklen Schacht, in den Yuumei seine Freunde geführt hatte. Er begab sich ebenfalls hinein.

 

 

 

 

 

 

 

 


Das Grauen in der Finsternis
Kyuukas Augen suchten angewidert den Höhlenboden ab, doch es waren keine Leichen zu sehen. Sie hielt sich die Hand vor die Nase, in der Hoffnung sie könne sie vor dem süßlich, beißenden Geruch bewahren.
Immer weiter führte Yuumei sie, ohne, dass er selbst wusste wohin er ging. Er folgte seiner eigenen Eingebung, doch damit führte er seine Freunde immer näher zu dem Uhrsprung des Gestankes. Unbeirrt folgte der junge König einem Pfad, den er zu kennen schien, doch er kannte ihn nicht. Jedenfalls nicht aus seiner gegenwärtigen Erinnerung.

Der Pfad führte bergaufwärts und war teilweise sehr eng. Wasser rann an dem Boden hinab.
Schließlich konnte man einen leichten Luftzug verspüren, welcher den Leichengeruch mit sich führte. Der Luftzug war immer deutlicher zu spüren und langsam wurde der Gang wieder breiter und die niedrige Decke höher.

Der Gang war plötzlich zuende. Vor ihnen lag eine unendliche Finsternis, in der man weder Wände noch Decke sehen konnte. Doch am Ende gegenüber, leuchtete nachtblau ein Loch in den Felswänden. Der Gestank war unerträglich stark geworden.
Gegen das Licht des Nachthimmels konnten die drei nun die Umrisse menschlicher Körper erkennen. Ihre Gesichter waren eingefallen und ebenso ihre Körper. Ihr Fleisch war vertrocknet. Sie wirkten dürr, doch beinahe noch lebendig und sogar ihre Haare waren noch am Kopf.

„Das ist ein Grab!“, keuchte Kyuuka und presste ihre Hand fester vor die Nase.

Sie wagte es kaum noch zu atmen, und auch Atsui kämpfte gegen aufkommende Übelkeit. Yuumei aber ließ sie stehen und stolperte in die Halle. In der Mitte lag etwas, dass größer als die Menschen war. Atsui und Kyuuka hielten es anfangs nur für einen Felsen. Yuumei aber taumelte nun auf diesen großen Schatten zu. Seine Kraft schien ihn zu verlassen und er landete auf Knien und Händen, als ihn seine Erinnerungen einholten. „Vater!“

Er rutschte mit dem Gesicht zu Boden. Der Dreck und der Gestank waren ihm gleichgültig. Der große Schatten aber, war der versteinerte Leichnam des Drachenkönigs - Yuumeis Vater. Yuumei weinte - überwältigt von den schrecklichen Erinnerungen - der ihm zugefügten Schmerzen und dem Verlust seines geliebten Vaters.

Atsui und Kyuuka war auf der Stelle klar, dass sie sich auf dem Schlachtfeld befanden, auf dem Akuma mit dem Diebesfolk die Schuppen gewaltsam geraubt hatten. Behutsam legten Atsui und Kyuuka dem jungen König ihre Hand auf die Schultern. Sie sagten nichts, denn es war sein gutes Recht über seinen Schmerz zu weinen, und sie wussten dass es ihm letztendlich gut tun würde.


 

 

 

 

 

 

 

Akuma lebt!
Sie konnten Schritte hören, welche aus dem Gang - durch den sie gekommen waren - zu hören waren.

„Akuma!“, quiekte Kyuuka automatisch.

Sie bedeckte ihren Mund augenblicklich mit der Hand, um sich nicht noch mehr zu verraten. Doch aus dem dunklen Schacht erklang nun Sokotsus Stimme und er rief:

„Freunde! Seid ihr da!?“

„Sokotsu, wir sind hier!“, antwortete Kyuuka.

Sie wollte aufspringen, doch Atsui hielt sie zurück und flüsterte:

„Sokotsu nennt uns seine Freunde? Das ist nicht Sokotsu!“

Als Sokotsu im Licht der Sterne auftauchte, das auf ihn schien, war es auch Atsui klar, dass er tatsächlich wieder zu sich gekommen war und er leibhaftig Sokotsu war.