Svartalfen
Celes und Link,
begleiteten die Einwohner Trialcons, von Alfheim, den ganzen Weg zurück, in
ihre Heimatstadt. Sie blieben bei ihnen als Garde. Auch Ramuh und ihr König
Zeza, reisten mit ihnen.
Das Staunen war groß, als
die Menschen den Frieden und das Licht um Trialcon sahen. Der Berg war
verschwunden und der Himmel blau. Die Stadt hatte man während der Rückkehr
allein gelassen und die Tore offen. Ramuh warf sich vor, nicht geblieben zu
sein, um das Tor zu bewachen. Das Gesindel der Svartalfen, hatte sich in der
Zwischenzeit über Trialcon hergemacht und hauste auch noch immer dort. Doch
vorerst war von ihnen niemand zu sehen, als die ersten Reiter durch das Tor
kamen. Sie verbargen sich vor dem Tageslicht und schliefen in Kellern und Kanalgewölben. Doch schnell
wurde den Reitern ihre Anwesenheit bewusst. Link und Celes rochen sie als
erstes und man konnte überall ihre Spuren sehen. Fenster waren zerschlagen und
die schönen weißen Wände und Mauern, waren hier und dort mit schwarzem Schlamm
beschmiert. Zeza ritt dem Trupp voran, ihm folgten Ramuh und die Alben.
„Sie sind noch immer
hier“, sagte Ramuh zu den Alben und sie nickten zustimmend.
Vom Stadttor aus, folgten
sie einige gewundene Wege durch die Stadtfeste hinauf, zu einem sonnigen Platz,
über der Stadtmauer. Dort saßen alle ab und versammelten sich um ihren König.
Zeza klärte sie, nach einer Unterredung mit Ramuh, darüber auf, dass sich
Svartalfen in ihrer Stadt niedergelassen hatten. Die Felder und Ställe waren
geplündert und alles Vie geschlachtet oder fortgebracht. Die Scheunen,
außerhalb der Stadtmauer, hatten gebrannt und noch immer stieg schwarzer Rauch
von ihnen empor.
Zeza zeigte zum blauen
Himmel hinauf und sprach:
„So lange die Sonne am
Himmel steht, haben wir eine Chance, Trialcon zurück zu gewinnen und dieses
Gesindel zu vertreiben, oder zu töten. Jagt sie aus ihren dunklen Löchern.
Unter der Sonne sind sie euch wehrlos ausgeliefert!“
Das Volk bejubelte seinen
König und schon trennten sie sich und suchten Waffen zusammen. Sie fanden
Schwerter, Äxte, Schaufeln und Heugabeln.
Celes, Link und Ramuh
verweilten noch ein wenig auf dem hohen Platz. Sie hatten alles bei sich, dass
sie für einen eventuellen Kampf benötigten. Ramuh beobachtete amüsiert, wie die
zwei Alben immer wieder die Köpfe zusammen steckten und miteinander tuschelten
und einander zustimmend zunickten. Sie diskutierten über die Natur der
Svartalfen.
„Die Svartalfen kommen aus
den Bergen“, unterbrach er sie, denn er hatte jedes Wort mitgehört, „nicht
unter den Baumwurzeln leben sie, vielmehr unter den Wurzeln der Berge. Ihre
Rasse ist älter, als ihre Verwandten im Waldgrund, schwärzer und
rücksichtsloser. Doch das Sonnenlicht schwächt sie nicht, es macht sie blind“.
Die Alben diskutierten
weiter und bald war es Mittag.
Nun wurde langsam
Kampfeslärm in den Strassen und Gassen und vorm Stadttor laut. Die Menschen
trieben die dunklen Wesen mit Hieben und Stichen aus ihren Häusern. Waren sie
erst ans Tageslicht getrieben, zeigten sie keine Gegenwehr mehr und flohen
schreiend in die Berge.
„Doch bald wird es
dunkel“, brummte Ramuh besorgt.
So ging bald die Sonne
unter, doch die Menschen schafften alles noch vor Nachteinbruch. Und wenn doch
noch irgendwo ein letzter Svartalf kroch, wurde er mit vereinten Kräften
besiegt.
Ramuh blieb besorgt und
als Zeza nach dem Grund seiner Sorge fragte, antwortete Ramuh ihm:
„Ich komme von den
Grenzbergen des Drachenreiches, dort gibt es genügend Svartalfen. Und wie
zahlreich sie geworden sind in vergangenen Zeiten! Ich weiß leider nur zu gut,
wie rachsüchtig ihre Art ist“.
Das genügte als Antwort
und Zeza wusste, die Svartalfen würden wiederkommen, eines nachts.
Die stinkenden, toten
Svartalfen wurden in einer einzigen Grube, weit weg, von Trialcon, verscharrt.
Auch nach fünf Tagen, war es noch immer ruhig geblieben, keine Anzeichen von
Racheplänen. Noch immer blieb Ramuh besorgt und wenn er sich sorgte, war das
nicht grundlos.
In der sechsten Nacht,
nach der Rückkehr, rief Ramuh die Alben zu sich, um mit ihnen die Lage
auszukundschaften. Er nahm sie mit ins Gebirge und sie brauchten nicht lange
suchen, bis sie die Fackeln der Svartalfen auf einem großen schlammigen Feld
sahen. Zwischen den Fackeln, liefen die schwarzhäutigen Alfen (auch Goblins
oder Menschenfresser genannt) aufgebracht hin und her und ihr Gebrüll hallte
bis weit über die Berghänge. Es wurden schwere Steine heran geschleppt,
geflucht wurde und gemurrt. Svartalfen waren zumal sehr groß und ebenso
kräftig.
„Was haben die nur vor?“,
flüsterte Link, doch bekam er keine Antwort, denn Celes und der Zauberer waren
längst näher heran gekrochen, an das Spektakel. Zu gerne hätten sie erfahren,
worüber die Goblins, so hitzig debattierten, doch verstand niemand ihre
garstige Sprache. Trotz dieses Missverständnisses, war es eindeutig, dass hier soeben
ein Rachefeldzug vorbereitet wurde, doch Ziele gab es mehr als nur Rache. Es
gab Menschenfleisch (denn das aßen sie mit Vorliebe) zu holen und eine schöne
mächtige Stadt einzunehmen, welche (mit schwarzem, öligem Lehm beschmiert) zum
Hausen, viel angenehmer war, als Erdlöcher und Stollen. Nie waren die
Svartalfen zuvor so zahlreich gewesen, so waren sie endlich einem offenen Kampf
mit den Menschen gewachsen und wenn nicht, gar überlegen.
„Das ist mehr als
fürchterlich“, seufzte Ramuh, „ich hatte nicht angenommen, dass es so viele
sein könnten.“
„Jetzt brauchen wir wohl
ein Wunder und was für eines“, meinte Celes betrübt.
Ramuh erhob sich von
seiner Lauer und sagte:
„Gehen wir schleunigst
zurück und melden es dem König.“
Ramuh berichtete Zeza in
der Thronhalle, von den Massen der Svartalfen am Berghang, ihren Hämmern,
Äxten, Bogen, Schwertern und Steinschleudern und Zeza murrte wiedereinmal nur
betrübt. Ramuh hatte nicht vergessen, wie krank sie alle waren von den vulkanischen
Auswürfen, keiner würde je wieder völlig gesund werden, doch er musste den
König und sein Volk dringend aufrütteln.
Schließlich musste Ramuh
es aufgeben und Zeza entließ ihn mit den Worten:
„Möge kommen, was immer
kommen mag.“
Draußen vor dem Tor zur
Halle stampfte der Zauberer wütend mit dem Fuß auf.
„Verdammte Narren, ich
muss Hilfe holen, bevor hier die Hölle los bricht“.
Vor dem geschlossenen
Stadttor hockten Celes und Link. Sie hatten freiwillig Wache gehalten. An sie
wandte sich Ramuh erneut, denn herzensgut wie sie wahren, würden sie ihm auch
dieses Mal jede Hilfe geben, die er verlangte. Ramuh bat sie nach Waldgrundheim
zurück zu gehen, um dort ein paar Alben zusammen zu trommeln, die bereit waren,
zu helfen.
„Es tut mir leid, so etwas
von eurem Volk zu erbitten. Ich wollte, es wäre nicht von Nöten“, entschuldigte
Ramuh sich.
„Doch für solche
Angelegenheiten, sind wir hier in Midgard geblieben, sonst wären wir längst in
Ljossalfheim, wo alle unseres Volkes hingegangen sind. Doch dauert es ein paar
Tage, bis sie hier sind, denn die Pferde können schließlich nicht fliegen.“
Ramuh bedankte sich vier
mal, bis auch er sich auf sein Pferd schwang, um seinerseits Hilfe aus dem
Süden zu holen. Die Alben ritten ihrerseits nach Westen, womit sie keine Sekunde
zögerten.
„Na ist das denn
möglich?“, sagte Link, als er Ramuhs Staubwalke in der fernen Dämmerung sah,
„unser Pferd Sturmwind, das jetzt seines ist, hat ihm das Reiten beigebracht
und wie gut er es nun kann.“
Die Alben freuten sich
sehr darüber und dann spornten sie ihre Pferde an und verschwanden bald in der
Ferne.
Sie hatte keine Ahnung,
was Ramuh im Süden wollte, das hatte er ihnen nicht gesagt, aber er hatte es
höchst eilig. Wahrscheinlich, holte auch er Hilfe, nur konnten sich die Alben
nicht vorstellen, um wem es sich dabei handeln mochte.
14 Alben waren sie am Ende
und das waren alle, die in der Menschenwelt noch übrig waren. Sie wirkten
vielleicht etwas lächerlich, mit ihren feinen Pferden und ihrem hübschen
Aussehen, doch waren Alben, die begabtesten im Fernkampf (Bogenschießen) und
mitunter sogar im Nahkampf. Meredith war auch bei ihnen. Ihr goldenes Haar war
wieder nachgewachsen und reichte ihr bis in den Schoß.
Die anderen Alben, welche
ja bekanntlich aus Alfheim stammten, hatten zumeist braunes- oder
haselnussfarbenes Haar, einige hatten auch Flachsfarbenes. Ihre edlen Pferde
allerdings, waren ausnahmslos weiß.
Der Alben Bogen, waren
alle lang und die Schwerter reich verziert.
Nach vier Tagen erreichten
sie Trialcon und fanden die Stadt friedlich vor.
Zeza nickte nur, als sie
ihn baten, auf den Mauern Posten aufstellen zu dürfen.
So standen die Alben zu
jeder Richtung blickend, die folgende Nacht, ringsum auf den Mauern verteilt.
Link und Celes standen beisammen über dem Stadttor. Sie hielten Ausschau nach
den Svartalfen, falls sie denn kamen und auch nach Ramuh, falls er recht bald
zurück kehren sollte.
Ramuh behielt Recht und
die Alben waren gerade rechtzeitig gekommen. Gegen Mitte der Nacht, kamen
Fackeln von den Berghängen, im Osten, neben der Stadt. Es waren mehrere Hundert
Feuer und mindestens genauso viele Goblins. Die Alben auf den Mauern, sahen sie
mit Schrecken, langsam heranrücken.
Bald hörten sie schlurfen,
knarren, stapfen, knurren und krächzen und manchmal das klingen von Metall.
Link wurde bange.
„Wo nur bleibt Ramuh?“,
seufzte er.
Zu ihrem einzigen Glück,
erschienen nun viele der Menschen auf den Mauern, um ihre Stadt zu verteidigen.
Die meisten hatten Bogen und Pfeile bereit, doch gab es auch ein paar
neumodischer Raketenfeuernde Vorrichtungen, welche ein Mann, ohne große Mühe,
allein bedienen und sogar heben konnte. Sie sahen aus wie Stahlrohre. Die
Menschen nannten sie Kanonenrohre. Die machten einen höllen Radau, doch noch
wurde nicht gefeuert.
Das schwere, dunkle Tor,
in der weißen Mauer war verschlossen.
Die Fackeln erreichten das
Grasland vor Trialcon und kamen jetzt zügig heran. Man hörte einige Svartalfen
brüllen, wie sie die übrigen ihrer Armee anstachelten. Oben auf der Mauer
wurden die Bogen gespannt, bereit für die erste Salve. Die erste Rakete ging
los. Sie zischte durch die Luft und explodierte schließlich, in mitten der
Feinde. Das war der Beginn. Nun hagelten Pfeile von beiden Seiten herab und ein
Zischen hing in der Luft.
Oger-Pfeile waren schwer
und dick und sie prasselten laut auf die Stadt nieder.
Die Goblins hatten
hölzerne Vorrichtungen mitgebracht. Steinschleudern! Die dicken Steine, die sie
schossen, schlugen krachend gegen Mauer und gegen das Tor, doch das Tor blieb
standhaft.
Viele Feinde fielen, doch
auch unter den Menschen gab es zahlreiche Tote. Wer von den Menschen, über die
Mauer viel, wurde von den Goblins hinfort getragen (waren ja ein feiner
Leckerbissen).
„Oh, wenn es doch bloß
bald hell würde“, jammerte Link.
Aber bis dahin, waren es
noch viele Stunden und die Zeit kroch langsamer, als es ihnen lieb war.
Ein riesiges Gestell aus
Baumstämmen, wurde von unten heran gerollt. Die Goblins schoben es mühsam bis
vor das Tor und unter den übrigen Goblins, wurde laut gerufen oder gejubelt,
oder wie auch immer man ihre Laute auffasste. Schnell erkannten die Alben, dass
es sich dabei um einen Rammbock handelte und sie riefen Warnungen aus. Ein Mann
schoss eine Rakete auf das Gerüst und es donnerte, als der Raketenkörper zerbarst.
Der Rauch, den die Explosion hervorgerufen hatte, verflog und das Gerüst stand
noch heil, nur ein Goblin war gefallen. Die Svartalfen schoben das Gerüst
unbeirrt weiter vor. Jeder, der das Gerüst bediente und erschossen wurde, wurde
sofort ausgewechselt, also herrschte ein ganzschönes Gedränge um es herum.
„Oh wo bleibt nur Ramuh,
wo ist er, wenn man ihn am dringendsten braucht!“, jammerten Link und Celes.
Nun geschah es auch noch,
dass etwas anderes, großes sich näherte.
Zuerst war es nur ein
Silberner Punkt, wie ein Stern, der sich aber schnell näherte und heranwuchs.
„Oh Vanadis!“, rief Link,
„was kommt da nun!“
Er sank in die Knie und
ihm wurde schon ganz elend, als er erkannte was es war.
„Ein Drache!“, jammerte
er.
Die Leute hielten inne und
alles sah zum Himmel im Süden. Laut riefen die Menschen vor Angst, als sie
ebenfalls den Drachen sahen. Alles lief kreuz und quer und dann dröhnte es
mächtig, dass die Mauern bebten. Das Tor war nun offen und hing in den
verbogenen Angeln.
„Ein Drache!“, oder, „die
Menschenfresser kommen herein!“, riefen alle Menschen durcheinander. Link und
Celes sahen unter sich in den Hof. Sie sahen, wie die hereinströmenden Goblins,
Menschen packten, die sich ihnen in den Weg stellten und sie lebend oder
erschlagen hinaus schleppten. Beide sprangen sie von der Mauer in den Hof, mit
gezogenen Schwertern und hieben auf die Feinde ein.
„Es tut mir leid, dass ich
Ramuhs Warnung nicht beachtet habe und lieber auf ein friedliches Ende gewartet
habe. Das würde ich eurem Freund gerne sagen!“, rief eine Stimme neben Link.
Link sah neben sich. Es
war der König. Zeza kämpfte an ihrer Seite, mit seinem langen Schwert.
Ein Schatten rauschte über
sie hinweg. Es war der Drache und dieser rief scheinbar ihre Namen.
Nein, das war Ramuhs
Stimme! Er saß auf dem Drachen und winkte ihnen zu. Der Alben Herzen hüpften
vor Freude, als sie ihn sahen. Ramuh war zurück, mit einem Drachen.
„Es muss Bahamut sein, der
König der Drachen!“, rief Link aufgeregt. Dabei vergaß er aber nicht seine
Paraden mit dem Lilienschwert. Der Drache ging hinter der Mauer nieder und
blitzte kurz hinter dem offenen Tor auf. Der Drache hatte Platinschuppen, die
wunderbar glänzten.
Draußen auf dem Feld,
wurden die Svartalfen mit Leichtigkeit in die Flucht geschlagen, wenn der Drache
zu ihnen hinab rauschte und nach ihnen schnappte, oder sie mit seinem
gewaltigen Flugwind umwarf.
So kamen bald keine neuen
Goblins mehr in den Stadthof hinzu, doch es waren noch genug darinnen.
Sturmwind kam zum Tor
herein getrabt, er erschlug einen dreckigen, schwarzen Goblin mit seinen Hufen
und wieherte laut, um die Alben zu begrüßen. Er musste Ramuh den ganzen Weg
zurück gefolgt sein, der kluge Hengst.
So kam es bald, dass die
Nacht vorüber war. Der Himmel rötete sicht und die letzten Svartalfen, ergriffen
die Flucht.
Der rote Feuerball der
Sonne, erschien am Horizont, als Bahamut vor dem Tor landete. Der Drache erhob
sich, nachdem Ramuh abgestiegen war, wieder sanft in die Lüfte und verschwand
gen Süden. Die Alben liefen zum Tor und blieben unter dem Torbogen stehen. Sie
sahen sehr glücklich und erleichtert aus. Ramuh aber, sah sie lange schweigend
und mit nachdenklicher Mine an.
Schließlich sagte er:
„Bevor hier wieder
aufgeräumt und aufgebaut wird, hab ich euch etwas mitzuteilen. Lange wart ihr
jetzt in Midgard und habt tapfer das Gleichgewicht aufrechterhalten, bis zur
Erfüllung der Prophezeiung. Nun sind die zwei Jahrhunderte bald um und ich
befürchte, Gott Yngves Ljossalfheim wird bald hinter dem Schleier der
Dimensionen verschwinden und das für immer.“
„Wir müssen jetzt gehen,
nicht wahr?“, seufzte Link.
Ramuh nickte und
antwortete:
„Ja. Und verweilt ihr noch
länger, werdet ihr für immer bleiben müssen und eure Väter nie wieder sehen.
Alles was bleiben wird, ist Sehnsucht und die wird sich in Schmerz verwandeln
und euch verzehren.“
Ramuhs Blick war tiefernst
und so wagten die Alben nicht zu wiedersprechen, oder mit ihm zu diskutieren.
In dreißig Jahren, wäre die Zeit des Wartens vorbei, dann würde sich zeigen, ob
Leasame richtig prophezeit hatte.
„Der Zauber wird mit euch
aus Midgard verschwinden. Jetzt beginnt die Zeit der Flugzeuge und Telefone.“
Celes und Link wussten nun
nicht, was Ramuh damit meinte, doch durch den Adaperion, den er ja mal
besaß, wusste er wohl mehr, als sie
sich vorstellen konnten.
„Seid froh, dass ihr schon
ein drittel des Weges, nach Osten zum Meer, hinter euch habt. Auch werde ich
euch bis zur Küste begleiten“.
Tief in seinem Herzen
fühlte Link eine seltsame Freude, Midgard nun hinter sich zu lassen, doch er
wusste nicht wieso. Er hatte seinen Wald geliebt und kannte für lange, lange
Zeit nichts anderes und nun würde er ihn nie wieder sehen. Er war das letzte
Mal dort gewesen.
„Nun ruht euch und eure
Pferde aus. In einer Woche werden wir aufbrechen“, sagte Ramuh noch, bevor er
an den Alben vorbei, durchs Tor ging und sich in ein Gasthaus begab.
Nach einer Woche, brachen
sie dann auf, die vierzehn Alben und Ramuh.
„Ich werde mich um eure
Pferde kümmern, wenn ihr fort seid“, hatte Ramuh gesagt.
Er gab ihnen sein
Versprächen.
Auf ihrer Reise sahen sie
viele Menschenstädte, eine schöner und größer als die andere. Obwohl Alben
natürlich nicht viel für sie übrig hatten, denn die waren ihnen einfach zu grau
und baumlos. Am Himmel sahen sie eines Tages einen weißen steiffliegenden
Drachen. Die Alben staunten, doch Ramuh hatte gelächelt und gesagt:
„Die Menschen nennen sie
Flugzeuge.“
So reisten sie gemütlich
weiter fort, durch den Wandel der Zeit und erreichten nach zwei Wochen den
östlichen Ocean. Hoch am Himmel konnten die Alben den schimmernden Leib der
Midgardschlange sehen, die ihren Bauch weit über die See erstreckte. Sie lag so
hoch in ihrer unauffälligen Farbe, dass nur Alben sie noch ausmachen konnten.
Sie ritten die Ufer
entlang, bis sie bald auf eine Hafenstadt trafen. Ohne ihre Pferde gingen sie
hinein.
Natürlich starrten die
Leute sie an, denn sie hatte noch nie Alben gesehen. Keiner glaubte überhaupt
daran, dass sie existierten. Das waren ja bloß Mythen. Alben sind ein schöner
Anblick und so waren die Menschen doch eher angenehm überrascht.
Ramuh führte seine Freunde
auf einen hölzernen Steg. Am breiten Steg, welcher weit in eine Bucht hinaus
reichte, waren viele große und kleine Schiffe und Bote angeleint. Es gab
insgesamt fünf Stege. Die Fischer und Angler, Matrosen und Kapitäne sahen alle
zu ihnen auf, als sie diese passierten.
„Lin anra esseya (Es sind
wirklich Alben)“, oder, „Tána lin nelmanve? (Kann es möglich sein?)“, hörten
sie die verwunderten Stimmen der Menschen. Ihre Sprache war anders, doch die
Alben und Ramuh verstanden sie, denn sie kannten alle Menschensprachen.
Am Ende des mittleren
Steges, stand ein Denkmal aus Stein. Es zeigte schlanke, schöne Männer und
Frauen, im Heck eines Schiffes stehend. Ihre Gewänder und ihr langes Haar
wehten im Wind. Sie hatten spitze Ohren und winkten in Richtung Stadt. Unten am
Sockel stand eingemeißelt, in zwei Sprachen: „Elvenshore“ und „Esseyakormare
(Albenufer).“
Ramuh wies zu dem
Standbild und rief:
„Seht, euer Volk, wie sie
Midgard Lebewohl sagten.“
Es war zwar erst vor 170
Jahren geschehen, dass die Alben hier ihre Reise antraten, aber die Menschen
hielten es für ein Märchen, bis heute.
Sie standen auf dem Steg,
gegenüber dem Standbild und Ramuh sprach, auf dessen Sprache, einen Mann an,
der bei einem großen Boot, am Steg saß. Das Boot hatte ein großes weißes Segel,
seine Wände waren hoch und dick, aus hellgrauen Planken. Es sah sehr seetüchtig
aus. Ramuh diskutierte einige Zeit mit dem Mann und schließlich sagte dieser:
„Die Alben können in
Edelsteinen bezahlen.“
Er sah die Alben
erwartungsvoll an, doch diese reagierten keines Falls.
Ramuh grinste und sagte zu
Celes:
„Was ist nun, Celes, Prinz
von Alfheim?“
Celes griff tief in seinen
Köcher und holte eine Handvoll weißer Diamanten hervor. Auch die anderen 13
Alben hielten Edelsteine empor, welche sie irgendwo versteckt hatten.
„Wie viel benötigt Ihr?“
Fragte Celes den
Bootbesitzer. Der wäre beinahe rücklings ins Wasser gefallen, als er all den
Reichtum sah. Es war nicht verwunderlich, dass die Alben, diese Steine, aus
ihrer Grotte, mit sich herum trugen, sie liebten alles was glitzert und
funkelt, wie ein Sternenhimmel oder Tau in der Sonne. Der Wert für sie lag nur
in ihrer Schönheit.
„Nicht doch“, rief Ramuh
lachend, „drei Diamanten sind mehr als genug, um den Mann mehr als zufrieden zu
stellen, also überlasst ihm drei besonders reine Steine.“
Der Mann war so dankbar
und erfreut darüber, Alben sein Boot zu überlassen, dass er sich mit
Verbeugungen bedankte. Er sagte immer wieder ein Wort:
„Nelyendis.“
Damit bezeichnete er die
Alben, als Engelsgleich.
Meredith bekam bei dieser
Zeremonie sogar einen Handkuss von ihm.
„Nun geht schon an Bord“,
unterbrach Ramuh sie schließlich. Als die Alben alle nacheinander an Bord
gingen, konnte Ramuh nicht anders, er musste seine Freunde, Link und Celes,
einmal fest an seine Brust drücken. Er musste sich selbst gestehen, dass ihre
Gegenwart, ihn mit Glück erfüllt hatte.
Die beiden gingen als
letzte an Bord und holten die Rampe ein. Viele Menschen waren im Hafen
erschienen. Sie alle hatten erstaunte Gesichter und sie begannen zu winken als
das Boot ablegte. Es fuhr langsam zur Bucht hinaus. Auch Ramuh winkte eifrig
und als die Alben winkten, war es dem steinernen Standbild gleich, wie sie im
Heck standen. Ein kräftiger Wind erfasste das leuchtendweiße Segel und dann
verschwand das Boot schnell am Horizont.
Ramuh kehrte an Land
zurück und mischte sich unters, noch immer winkende Volk.
„Behaltet sie gut in euren
Erinnerungen, denn dies ist das letzte Mal, dass Menschen Alben sahen“, sprach
er in ihrer Sprache. Bis nichts mehr von dem Boot zu sehen war, blieb er dort
stehen, dann stahl er sich davon.
Draußen vor der Stadt
sammelte er die 15 Pferde ein. Die Pferde folgten ihm und Sturmwind brav, bis
nach Trialcon zurück. Von dort ritt er dann nach Hause, mit den Pferden, zum
Drachenreich, wo er sein Haus hatte.
Drei Wochen war ihr Boot
auf See, getrieben vom Wind und gelenkt von der Sehnsucht. Es war eine frohe
Fahrt. Die Alben sangen und tanzten und erinnerten sich voller Glück an
Midgard. Der Leib der Schlange schimmerte stetig über ihnen und war in der
Nacht, ein blasses, silbernes Band, mit Schuppen wie Sterne.
Am Morgen des 22sten
Tages, machte die Schlange eine seltsame Krümmung nach unten, bis wenige Meter
über das Wasser. Dort verlief sie eine Weile um sich dann wieder hinauf zu
schlängeln. Nachdem die Alben sie passiert hatten, erstrahlte, unter der
niedrigen, gelben Sonne, im weiten Ozean, ein grünes Licht. Das Meerwasser war
hier klarer und so blau wie der strahlende Himmel darüber. Die Alben nahmen
sich bei den Händen, doch sie staunten nur und blieben sprachlos. Sie näherten
sich nun einer grünen Küste, die in ein bezauberndes Licht gehüllt war. Weiter
oberhalb der Küste, auf einem waldigen Hügel stand eine funkelnde weiße Stadt
mit hohen Türmen. Silberne Berge türmten sich hinter der Stadt auf, an dessen
Hängen silberne und goldene Bäume wuchsen. Die Bäume um die Stadt, trugen
Blüten und Früchte. Es war, als herrschten hier alle Jahreszeiten zur selben
Zeit. Keiner der Alben im Boot, hatte
Ljossalfheim jemals gesehen. Es war
schöner, als sie es sich je vorstellen konnten und mehr als nur eine Insel. Die
weiße Stadt aber, die alle Blicke auf sich zog, war Lichtstadt und ihr König
Yngve, war ein Gott aus alten Tagen.
Kaum hatten die Alben
einen Fuß auf das Land gesetzt, verschwand Ljossalfheim, für immer unerreichbar
für die Menschen.