Masamune tritt erneut ans
Licht
'Gefallen aus den Wolken,
gemacht von den vier Winden,
wird ein Krieger kommen,
den selbst die Götter fürchten.
Er ist halb Mensch, halb
Gott und er wird Katzen seine Eltern nennen.
Er wird die heilige
Masamune führen und den Himmel stürmen.
Unsterblichkeit wird er
erlangen und sich selbst König nennen'
Irgendwo, weit weg
zwischen Hohen Bergen, lebte ein friedfertiges Volk, das sich die Sphinx
nannte. Sie lebten ganz und gar abgeschieden vom Rest der Welt. Aber das war nicht
immer so. Erst seit 300 Jahren, regierte eine Dämonin über die Berge. Sie
scherte sich keineswegs um das Schicksal der Sphinx und errichtete ihr Haus
inmitten dem einzigen Zugang zu dem kleinen Dorf. Ihr Haus war ein weiterer
Berg. Ein Feuerspeiender Berg. Die fette Dame, wie die Sphinx sie nannten, war
riesig und brauchte für ihre brodelnde Behausung viel Platz. Somit hatte sie
das Tal der Sphinx versiegelt. Ein Sphinx hatte begonnen, alles was er über die
äußere Welt wußten, aufzuschreiben, um sein Wissen weiter zu vererben. Nach 300
Jahren wirkten diese Geschichten aus dem „Buch der äußeren Welt von Dithlit
Samtohr“, wie Legenden und niemand
wußte, ob es diesen Ort wirklich gab. Doch die Sphinx hatten nicht aufgehört,
um Erlösung zu Beten. Sie beteten zu ihren Göttern, den vier Winden und baten
sie, ihnen einen Führer zu schicken. Einen König, wie in der Prophezeiung, der
sie in die ‚Äußere Welt’ führte. Einen Krieger, der die Dämonin bezwingen
konnte.
Nagarasi, die fette Dame,
lachte die Sphinx aus. Sie erzählte ihnen, wie sinnlos ihre Gebete währen. Es
gäbe noch viel mächtigere Götter, Geister und Dämonen, als die vier Winde. Und
diese Götter hatten Nagarasi das Nördliche Bergland geschenkt.
„Niemandem kümmert euer
Schicksal!“, lachte sie.
‚Was müssen das für
grausame Götter sein, die wir nicht kennen’, dachten die Sphinx, ‚nur die vier
Winde sind auf unserer Seite, doch sie erreichen uns kaum, über die hohen
steilen Berge.’
Dreihundert Jahre waren
vergangen. Alle sieben Tage hatten die Sphinx in der Mitte ihres Tals, auf
einer geschliffenem Felsplattform gebetet. Nachdem sie von ihren Gebeten zurück
in ihr Dorf kamen, verdunkelte sich der Himmel und ein Sturm brach los. Zum
ersten Mal nach den 300 Jahren, hatte der Wind sie erreicht. Die Sphinx sahen
zu ihrer Gebetsstätte zurück, als der Himmel sich öffnete und Lichtstrahlen
entsandte. Die Sphinx rannten zurück zu ihrer Plattform, auf die, die Sonne nun
schien. Die Wolken verschwanden wieder und ein Wimmern war nun zu vernehmen.
Auf der kalten Plattform lag ein Baby. Aus der Reihe der Sphinx trat eine junge
Sphinxfrau hervor und nahm das Baby in den Arm. Sie waren alle ganz still und
sahen die Frau und das Kind erwartungsvoll an.
„Es scheint ein Mensch zu
sein“, sprach die Frau mit Namen Sita, schließlich.
Der kleine Mensch wuchs
bei der Familie von Sita auf. Er hatte fünf Geschwister und einen Vater. Seine
Mutter Sita, gab ihm den Namen Maki, was in der alten Sprache der Sphinx,
soviel wie Himmel bedeutete.
Es störte niemanden, daß
Maki kein Merkmahl der Sphinx besaß. Ihm fehlte der Katzenschwanz und die
Katzenohren. Auch sein Haar war nicht grau, wie das der Sphinx, sondern
goldbraun. Als Maki älter wurde, unterschied er sich immer mehr von seinem
Volk. Er war nicht so scheu wie sie, sondern vorlaut und frech. Auch besaß er
eine menge Mut.
Maki war jetzt 11. Er
spielte mit seinen fünf Geschwistern in der nähe des feuerspeienden Berges. Sie
tobten wild und unbeschwert auf den felsigen Wiesen. Langsam bemerkten die
Sphinxkinder, dass Maki sie beim Spielen und jagen immer näher an Nagarasis
Behausung heran führte. Lino, der Jüngste, bemerkte es als erster.
„Wir sollten Nagarasi
nicht stören, Maki. Sie kann wirklich grausam sein“ bat Lino.
„Ist das wahr?“
Mit dieser Antwort wandte
Maki sich dem Berg zu.
„Ist das Wahr?!!“
Die Kinder zuckten
zusammen als Maki schrie. Maki ging nahe an die Felswand des Berges, von dem
ein Strom von geschmolzenem Gestein, in ein Flussbett floss. Die Kinder folgten
ängstlich.
„Nagarasi, du riesige
fette Kuh, warum baust du dein Haus nicht woanders!!“
Er grinste seine
Geschwister an und fügte noch frecher und lauter hinzu:
„Da wo der Pfeffer
wächst!!“
Der Berg brodelte stärker
und Nagarasis Stimme ertönte:
„Verschwinde du lästiges
Kind. Ich will meine Ruhe haben!!“
Etwas leiser fügte sie
hinzu:
„Ich kann Kinder nicht
ausstehen.“
Plötzlich begann Maki zu
schreien. Er kreischte, dass es von den Bergen hallte und die Vögel
verstummten. Der Berg brodelte heftiger und der Boden begann zu beben, als
Nagarasi rief:
„Wer bist du, dass du es
wagst mich an zu schreien? Wie kann ein ängstlicher Sphinx nur so kreischen?!“
„Las mich rein, fette
Dame, dann siehst du es.!“ „Verschwinde!!!“
Die Kinder wagten es
nicht, sich zu rühren - sie wagten es nicht davon zu laufen - sie waren wie
gelähmt. Maki kreischte weiter. Keiner verstand warum er das tat und woher er
den Mut hatte.
Nach einer Weile öffnete
sich der Vorhang aus fließendem Gestein und Nagarasi sprach mit ihrer
bedrohlichen, lauten Stimme:
„Dann trete ein, wenn du
dich traust, damit du endlich still bist!“
Maki winkte seinen
Geschwistern zu, sie sollen mit ihm kommen, doch sie schüttelten die Häupter.
„Wir werden zurück ins
Dorf gehen und von deinem Mut berichten“ , sprach der Älteste.
Maki nickte und verschwand
hinter dem Vorhang.
Im Inneren des Berges war
es heiß. Überall brodelten Lava Seen. Maki ging durch eine riesige Höhle, bis
er an ein gigantisches Tor gelangte. Maki drückte dagegen, doch es blieb
verschlossen.
„Nagarasi, wenn du mich
nicht hinein lässt, werde ich weiter schreien. Ich werde jeden Tag kommen und
für dich schreien!“
Er bekam keine Antwort.
Dafür wurde er von zwei finsteren Gestalten angegriffen. Sie packten ihn und
zerrten ihn mit sich.
Maki erwachte und fand
sich gefesselt auf einer steinernen Bank wieder. Zum ersten Mal bekam er
Nagarasi zu Gesicht. Sie war wirklich riesig und wirklich fett. Neben ihr stand
ein kleiner, hagerer Mann mit langem Bart.
„Also was sagt Ihr, Herr
der Unterwelt. Sollte dieser Rebell nicht bestraft werden dafür, dass er es
wagt, sich den Göttern zu wiedersetzen?!“, polterte Nagarasi los.
„Aber, aber... Es ist doch
nur ein kleiner Junge“, antwortete der Herr der Unterwelt.
„Und was ist, wenn er der
Krieger aus der Überlieferung ist. Der aus den Wolken gefallen ist und den
selbst die Götter fürchten. Weiter heißt es, er soll ein Mensch sein und von
Katzen aufgezogen worden sein.“
Nagarasi sah plötzlich
verängstigt aus und stammelte:
„Er muss derjenige sein.
Er wird uns alle vernichten, wenn wir nichts tun.“
„Ihr seit selbst schuld,
wenn euch eines Tages jemand stürzen wird. Ob ich das sein werde, oder jemand
anderes, was macht das dann noch für einen Unterschied, wenn es doch vorher
bestimmt ist.“
Der Herr der Unterwelt
hörte sich die frechen Sprüche des Jungen eine Weile an und kam zu dem
Entschluß:
„Ihr habt recht Prinzessin
Nagarasi. Wir sollten sicher gehen und das Kind in die ewige Hölle verbannen.
Und versiegeln.“
Maki wurde nach diesem
Urteil, von den zwei finsteren Männern abgeführt. Auf dem Weg zum
Höllenschlund, in den er nun geworfen werden sollte, begann Maki, sich zu
wehren. Er tobte und schrie und riss sich schließlich los. Er begann zu rennen,
wie er noch nie gerannt war. Die zwei Schergen folgten ihm durch ein
Höhlenlabyrinth. Makis Flucht endete vor einem weiteren schweren Tor. Maki
schloss die Augen und rannte unaufhaltsam auf das Tor zu. Er stieß mit ihm
zusammen. Das Tor sprang auf. Maki stürzte dahinter, einen steilen Abhang
hinunter. Er überschlug sich ein paar Mal und blieb schließlich liegen.
„Habe ich sie abgehängt?“
Maki öffnete seine Augen
wieder. Vor ihm lag der feuerspeiende Berg. Er klopfte den Staub von seiner
Kleidung und sah sich um.
In der Ferne leuchtete
eine riesige orange Kugel. Aus diesem
Blickwinkel, hatte er die Sonne nie zuvor gesehen. Er hatte ohnehin noch nie so
weit sehen können. Vor ihm erstreckte sich ein schier unendliches Tal, mit Seen
und Flüssen und weit entfernt, glitzerte der Horizont.
Maki stieg den Rest des
Berges hinab. Als er unten ankam, war es Nacht geworden und er legte sich unter
einem Baum zum schlafen.
„Da bin ich wohl dem Tod
noch einmal von der Schippe gesprungen“, sagte Maki beim erwachen.
Er streckte sich und sah
zu den Baumkronen empor.
„Vielleicht bin ich im
Paradies gelandet.“
Maki horchte plötzlich
auf. Irgendwo schien jemand zu weinen. Er stand auf und folgte dem Wimmern. In
einem Sumpf entdeckte er schließlich die arme Kreatur, die da weinte. Es war
ein großes, weißes Tier, mit einem Horn auf der Stirn. Es steckte mit allen
Vieren im Morast fest.
„Bist du ein Dämon?“,
fragte Maki es.
Das Tier seufzte:
„Dummkopf, siehst du
nicht, dass ich ein Einhorn bin?“
„Was ist ein Einhorn?“
„Ich, ich bin eines.
Komischer Kerl.“
„Egal wer du bist, du
scheinst in Schwierigkeiten zu sein.“
Das Einhorn seufzte
nochmals und sagte sarkastisch:
„Ach nein!“
„Ich hol dich da raus.“
Maki rannte davon und kam
mit einer Pflanzenschlinge zurück. Er warf sie dem Einhorn um den Hals.
„Wie kommst du darauf,
dass du mich heraus ziehen kannst, Knirps?“
„Ich schaffe das schon.
Keine Angst. Aber beiß die Zähne zusammen, es könnte etwas weh tun.“
Maki stemmte die Füße in
den weichen Boden und begann zu ziehen. Nach vier Anläufen, konnte das Einhorn
aus dem Sumpf steigen.
„Ich bin dir zu Dank
verpflichtet. Warum rettest du mich, wo du geglaubt hast, ich sei ein Dämon?
Vor allem war ich nicht sehr nett zu dir. Ich habe dich unterschätzt.“
„Wenn ich dich nicht
gerettet hätte, hätte ich nie erfahren, ob du gut oder böse bist.“
„Dann hattest du Glück.
Lass mich dir vorstellen. Ich bin Mido das Einhorn.“
„Ich heiße Maki und komme
von den Sphinx.“
Mido war erstaunt.
„Du bist aus ihrem Tal
entkommen? Wie das? Der einzige Weg hinaus, führt durch den Vulkan der Dämonen
Prinzessin.“
„Ich bin der fetten
Nagarasi einfach entwischt. Beinahe hätte sie mich in die Hölle werfen lassen.
Jetzt will ich mein Volk retten und Nagarasi besiegen. Doch ich weis nicht
wie.“
„Dan lass mich dir einen
Rat geben, besorg dir die heilige Waffe, vom König des Ozeans, Leviathan. Sie
steckt angeblich in seinem Schlund. Jedenfalls hat es mir ein Vöglein so
gezwitschert.“
„Klar, und wo finde ich
den?“
„Nahe der Salzwüste, im
Großen Ozean. Dort liegt das Land der Drachen. Aber willst du das wirklich
wagen?“
„Ja.“
„Du bist wirklich sehr
mutig. Ich werde dich zum Dank für meine Rettung, dorthin bringen. Du kannst
dich auf meinen Rücken setzen.“
Es war ein fünf Tagesritt
und bald erreichten sie die karge Salzwüste.
„Bis zum Meer sind es noch
zwei Tage“, erklärte Mido.
Maki sprang von Midos
Rücken und meinte darauf hin:
„Machen wir erst einmal
eine Pause. Ich habe Durst.“
Beide saßen sie nun am
Ufer des letzten Flusses, vor der großen Salzwüste. Sie sahen, wie kleine und
größere Sandstürme über das trockene Land fegten.
„Es wird hart werden, zum
Ocean zu gelangen, so ganz ohne Wasser“, erklärte Mido.
„Dann solltest du besser
zurück bleiben. Das ist meine Reise. Ich will dich nicht in Gefahr bringen.“
„Das ist schon in Ordnung.
Ich verdanke dir immerhin mein Leben.“
Sie sahen sich weiter
schweigend die Sandtürme an, wie sie breiter wurden, um schließlich wieder
zusammen zu fallen. Eine Sandsäule war besonders mächtig. Sie wuchs und wuchs
und kam immer näher.
„Das hatte ich
vergessen...“, flüsterte das Einhorn.
Der Sturm stoppte
schließlich und viel zusammen. Er gab nun den Blick frei, auf eine riesige,
schlangenähnliche Echse.
„...in der Wüste lebt
Bahamut, der Drachenkönig“, erklärte Mido und schluckte.
Der Drachenkönig schwebte
nicht weit von ihnen entfernt, über dem Boden. Er richtete mit seinen Krallen
besetzten Klauen einen Kranz, von weißen Federn zurecht, den er um seinen Kopf
trug.
„Ich sehe er hat sie noch,
die Federn des Pegasus.“
„Was sind das für Federn?
Sie glänzen hell wie die Sonne.“
„Er hat sie dem fliegendem
Ross aus seinen Flügeln gerissen. Sie verleihen ihm die Fähigkeit zu fliegen.“
„Mit diesen Federn kann
man fliegen, sagst du? Das währe doch sehr vorteilhaft für mich, wenn ich gegen
die Dämonen Prinzessin kämpfen will.“
„Sicher, aber wie willst
du sie ihm ab nehmen?“
Maki klopfte dem Einhorn
auf die Schulter.
„Hier trennen sich unsere
Wege. Ich danke dir für deine Treue. Aber den Rest muss ich allein schaffen.“
„Kann ich dich einfach so
gehen lassen? Was bin ich dir schuldig, ist es nicht mein Leben?“
„Du sagst schon manchmal
komische Sachen, Mido. Soll ich dich vielleicht noch einmal retten? Was
schuldest du mir dann?“
Maki begab sich in die
Wüste, direkt auf Bahamut zu, während Mido sich auf seinen Heimweg machte.
Vor dem riesigen
Drachenkönig, blieb Maki stehen und rief: „Das sind wirklich schöne, magische
Federn, die du da hast, großer Drachenkönig!“
Der Drache brummte und sah
sich nach allen Seiten um.
„Wer spricht da? Wo bist
du?“
Bahamuts Kopf war so groß,
wie das Haus eines Sphinx und sein Leib so lang, wie ihr Tal.
„Hier unten bin ich!“
Bahamut erblickte den
Jungen und schnaubte so heftig, dass es Maki fast umhaute.
„Was für eine
Überraschung, ein Mensch. Ein kleiner, lebensmüder Mensch. Was will einer wie
du vom großen Drachenkönig?“
„Schenk mir zwei deiner
Federn!“
Bahamut grinste.
„Fressen werde ich dich,
du Wicht.“
„Nur zu, versuch es doch!“
Bahamut holte mit seinem
Kopf weit aus und schnappte, mit aufgerissenem Maul, nach Maki. Seine Kiefern
schlugen mit gewaltiger Kraft auf den Sandboden und er ächzte.
Maki war im letzten
Augenblick zur Seite gesprungen. Er konnte nun dem Drachenkönig auf den Kopf
springen. Maki riss zwei der Federn aus und steckte sie an seine Stiefel.
„Jetzt habe ich ja doch
bekommen, was ich wollte!“, rief er trumpfirend.
Bahamut brummte und erhob
sich wieder. Er stieß in den Himmel hinauf, während Maki sich an seinen Hörnern
festklammerte. Bahamut begann Schrauben in der Luft zu drehen, wobei er sich
überschlug, doch er konnte den Jungen nicht abschütteln.
„Was ist los, großer
Drachenkönig? Was willst du jetzt tun, um mich los zu werden?!“
Bahamut versuchte mit
seinen Krallen den Jungen zu erwischen, doch seine Arme waren zu kurz, um an
seine Hörner zu fassen.
„Irgendwann musst du ja
herunter kommen und dann werde ich dich mit einem Hieb erledigen!“, grollte er.
Der Drachenkönig flog
zurück zur Erde hinab und stieß durch die Wolkendecke, über die er geflogen
war. In den Wolken sprang Maki ab.
Seine zwei Federn reichten
nicht zum Schweben, wohl aber um durch den Himmel zu laufen. Er durfte nur
nicht aufhören, seine Füße zu bewegen, sonst würde er abstürzen. Maki rannte in
die dichtesten Wolken hinein, um sich dort zu verstecken. Bahamut bemerkte auf
seinem Flug nach unten, dass er den Jungen verloren hatte. Er blieb stehen und
suchte mit seinen Blicken den Wüstenboden ab.
„Wo ist er hin?!“
Bahamut flog nach unten
und begann die Wüste zu durchsuchen.
Maki jedoch, verließ sein
Wolkenversteck. Er lief über den Wolken durch den Himmel, bis unter ihm,
zwischen den Wolken, glitzernde, silberne Flächen auftauchten.
„Ob das der Ocean ist?“,
fragte Maki sich.
Er lief hinunter, auf die
Silberne Scheibe zu. Seine Füße berührten sie und versanken im Wasser.
„Hier kann ich nicht
landen.“
Große silberne Fische
sprangen um ihn herum, als er zum Strand lief. Am Strand landete er und lief
zurück zum Wasser, um mit den Fischen zu sprächen.
„He, ist einer von euch
Leviathan?!“
Die Fische lachten.
„Leviathan ist nicht so
schnell wie wir, nicht so schön wie wir, er kann nicht tauchen wie wir und ist
nicht so klug wie wir!“, schnatterten sie im Chor.
„Kennt ihr ihn? Lebt er
auf dem Grund dieses Sees?“
Die Fische lachten lauter
und verhöhnten ihn:
„Das ist doch kein See, du
Dummkopf... “
„ Hör am besten gar nicht
auf die Delphine, sie sind eingebildet und frech,“ hörte Maki plötzlich eine
alte Stimme neben sich sagen. Maki sah hinunter und rief verwundert:
„Oh, ein sprechender
Stein!“
„Ich bin eine Schildkröte,
Kind.“
Sie schwieg lange und
bedächtig.
Schließlich fragte sie:
„Du suchst den König des
Ozeans, hab ich gehört. Was willst du von ihm?“
„Er soll mir eine gewisse
Waffe geben.“
„Du meinst die Masamune.
Von geben kann gar keine Rede sein, du wirst sie dir schon holen müssen.“
„Ich wieß, sie steckt in
seinem Schlund.“
„Genau, und er ist kein
sehr freundlicher Geselle. Masamune steckt zwar wie eine Gräte in seinem Hals
fest, aber verleiht sie ihrem Träger auch unglaubliche Kräfte. So kann er mit
ihrer Kraft, tauchen wie ein Fisch.“
„Ihr lebt in einer
Merkwürdigen Welt. ein Drache, der nicht fliegen kann. Ein Seeungeheuer, das
nicht tauchen kann und der König des Himmels, der nicht auf Wolken stehen
kann?“
„Und ob er das kann. Also
gut, ich kann ihn für dich ausfindig machen und dich dann zu ihm führen. Du
tätest uns Meeresbewohnern einen großen Gefallen, wenn du ihn von der Masamune
befreist. Ich kann mich erinnern: Früher war ihm viel leichter zu entkommen,
als er noch nicht tauchen konnte.“
Die Schildkröte wandte
sich dem Ocean zu.
„Warte hier“, bat sie.
Sie bewegte sich langsam
vorwärts und kroch über den Sand. Maki hatte fast das Gefühl, als würde sie
rückwärts laufen, so langsam war sie.
„Wie viele Jahre werde ich
hier warten müssen?“
„Sei nicht so frech,
Junge. Im Wasser bin ich ein begnadeter Schwimmer.“
Die Delphine lachten und
machten sich dann davon. Die Schildkröte erreichte endlich die Fluten. Sie
kroch weiter und weiter, bis sie plötzlich, schnell wie ein Pfeil hinaus
schwamm. Maki wartete wie abgemacht. Er übte solange mit seinen gefiederten
Stiefeln, durch die Luft zu laufen.
„Es kann los gehen. Ich
habe Leviathan gefunden. Du kannst mir mit deinen Pegasusstiefeln folgen..“
„Oh, dass ging ja doch
schnell, Schildkröte.“
„Das habe ich dir doch
gesagt, dass ich gut schwimmen kann.“
Maki folgte der
Schildkröte übers Wasser. Er kam ihr kaum hinterher. Er rannte so schnell er
konnte und bemühte sich, die Schildkröte unter ihm, im Wasser, nicht aus den
Augen zu verlieren.
Schließlich erreichten sie
eine kleine Insel. Ein riesiger Kopf lag an ihrem Strand und man konnte ein
lautes Schnarchen hören. Der Kopf gehörte zu einem türkisen Drache, mit
silbernen Schuppen. Er war so groß, wie der Drachenkönig. An seinem Kopf hatte
er große Flossen, die hin und her wedelten.
„Viel Glück Kleiner, du
kannst es gebrauchen“, wünschte die Schildkröte.
„Danke Schildkröte.“
Maki betrat die Insel und
ging bis zum Maul des Drachen. „Wach auf, König des Ozeans!!“
Leviathan stöhnte,
schmatzte und schlief weiter. Maki trat gegen sein Maul und er rührte sich
endlich. Träge erhob er seinen langen Hals. Er bekam vor Schläfrigkeit kaum
seine Augen auf. Maki lief mit Hilfe der Federn, bis zu seinem Kopf empor und
Leviathan beäugte ihn träge.
„Hast du mich geweckt?“,
fragte er.
„Ganz recht!“
„Wie kannst du es wagen,
ein Mensch...“
Leviathan begann zu Gähnen
und atmete dabei tief ein, so, dass Maki von ihm eingesogen wurde. Maki
versuchte auf seinen Pegasusstiefeln dagegen an zu rennen, doch vergeblich -
der Sog war zu stark.
Maki fiel in sein
aufgerissenes Maul und noch weiter in seinen Schlund hinein. Bei seinen Sturz
in dessen Kehle hinunter, bekam Maki schließlich etwas zu fassen, woran er sich
festhalten konnte.
Leviathan hatte endlich
zuende gegähnt und sah, dass der Junge verschwunden war.
„Was denn, schon wieder
weg? Hat wohl Angst bekommen“, wunderte er sich.
Leviathan legte seinen
Kopf wieder an den Strand der Insel und nickte ein.
Maki konnte sich jetzt
aufrecht hinstellen. Es war ziemlich dunkel und feucht im Hals des
Seeungeheuers. Er untersuchte den Gegenstand, an dem er sich festgehalten
hatte. Es war ähnlich einem Schwert, mit zwei Klingen, einem roten Griff in der
Mitte und goldenen Ringen, aus denen die Klingen ragten. Maki war sicher, dass
dies Masamune sein musste. Er packte sie mit beiden Händen und zog sie aus dem
Fleisch. Sie war unglaublich schwer.
Leviathan riss seine Augen
auf, als er den Schmerz fühlte. Er erhob sich wieder.
Maki rutschte ein Stück
tiefer, doch dann hielten ihn seine verzauberten Stiefel in der Luft und er
lief Leviathans Hals hinauf, bis in sein Maul.
„Leviathan, öffne dein
Maul und lass mich heraus!“
Leviathan war doch etwas
erschrocken darüber, das Kind in seinem Maul zu haben, doch er fragte:
„Warum, warum sollte ich
das tun?“
Maki kitzelte seinen
Gaumen mit der Masamune.
„Wie sieht’s aus? Wird’s
bald? Oder soll ich dir dieses Schwert, direkt in dein Gehirn stoßen?!“
Leviathan öffnete
wiederwillig sein Maul, nachdem Maki ihm gedroht hatte.
„Jetcht will ich dir mal
wach chagen, Gürchchen. Chogald du herauch kommcht, werde ich dich in Chtücke
reichen, alcho chei nicht cho Krech.“ (ch=s, g=b/d k=f r=l, Lvi. Spricht mit offenem Maul^.~)
„Aber wie willst du das
tun, wenn ich dich zuerst töte? Wenn du tot bist, werde ich schon einen Weg
hinaus finden!“
„Ung wach wenn du nicht
richtig trikcht? Dann werge ich noch genug Cheit hagen, dich mit meinen Krahen,
auch meinem Maul chu reichen.“
Maki hielt die Masamune
weiterhin gegen seinen Gaumen und überlegte laut:
„Hm, verzwickte
Situation.“
„Ich kann gir einen
Korchlag machen“, meinte Leviathan schließlich, „wenn gu gie Machamune churück
an ihren Klatch chteckcht, cherchkräche ich gir, gich lauchen chu lachen.“
„Das kann ich nicht tun.
Ich brauche diese Waffe, um Nagarasi zu besiegen!“
„Du wagcht ech, gich mit
unch Göttern anchuregen?“
„Du hast einen
Sprachfehler, Leviathan!“
„Ja, kein Kunder. Ager
rangcham wirk mir mein Maur chteich. Archo mach chon.“
“Ich kann nicht!”
„Kut gir nicht rangcham
ger Arm weh?“
„Ja, Masamune ist wirklich
unglaublich schwer. Also gut, beweg dich nicht. Ich bring sie zurück!“
„Gut.“
Maki nahm einen Knochen
von den Essensresten in Leviathans Maul mit. Er glitt mit den Stiefeln hinab
bis zu der Stelle, an der Masamune gesteckt hatte. Dort schob er den Knochen in
die vorhandene Wunde und lief wieder zum Maul empor. Leviathan hielt es noch
immer offen.
Maki lief hinaus und
landete am Strand.
Leviathan grinste nun und
rief:
„Ha, ha, ha, reingelegt! Jetzt
werde ich dich fressen!“
Er schnappte nach Maki.
“Tja, selber reingelegt!“,
gab Maki zurück.
Er war mit einem Satz im
Wasser verschwunden und tauchte tiefer und tiefer. Er merkte, wie Masamune ihm
Kraft verlieh. Er konnte schneller schwimmen und fast ewig die Luft anhalten.
Leviathan tauchte pfeilschnell hinterher und holte ihn ein. „Weiter kommst du
mir nicht, Bürschchen!“, grollte das Seeungeheuer.
Leviathan öffnete sein
Maul und wollte ihn beißen, da merkte er, dass ihm die Luft ausgegangen war und
er schnellstens zurück an die Wasseroberfläche musste. Der Rückweg war jedoch
weit und Leviathan schaffte es nicht mehr rechtzeitig. So, musste er in seinem
eigenen Element ersticken.
Maki erreichte den Strand
der Salzwüste, wo die Schildkröte auf ihn wartete.
„Bravo kleiner. Du bist
ein richtiger Held, weißt du das?“, fragte sie.
„Was bedeutet das?“
„Ach, sei nicht so
bescheiden. Dank dir, können wir Meeresbewohner wieder in Frieden Leben.“
Die Schildkröte breitete
etwas goldenes vor ihm aus.
„Hier, dies ist eine
goldene Weste. Sie soll dir Schutz bieten. Ein Dankbarkeitsgeschenk der
Meeresbewohner an dich.“
Maki zog die schimmernde
Weste über.
„Sie ist ganz weich“,
bemerkte er sogleich.
Die Schildkröte nickte und
sagte:
„Obwohl sie aus Gold
gesponnen ist.“
Nachdem sie sich
verabschiedet hatten, begab Maki sich auf den Heimweg, durch die Wüste. Bald zog
er die schwere Waffe, völlig erschöpft hinter sich her.
„Was ist nur mit dir?“,
beschimpfte er sie, „solltest du mir nicht Kraft geben?“
Maki zog sie noch bis ans
Ende der Wüste, wo er schließlich in ein felsiges, aber doch grünes Land kam.
Dort legte er Masamune gegen einen Felsen und sprach seufzend:
„So geht das nicht weiter.
Ich schaffe das einfach nicht.“
Er trat wütend gegen sie
und sie fiel schallend zu Boden.
„Jetzt, wo ich so weit
gekommen bin. Verdammt!“
„Na, Na, Junge. Wenn du
die große Masamune nicht willst, dann gib sie mir. Ich nehme sie gerne.“
Zwischen den Felsen
kletterte ein Mann hervor, der dies offensichtlich gesagt hatte. Er trug bunte
Gewänder mit Goldstickereien und einen Goldreif auf seiner Glatze.
„Bitte! Wenn du willst?“,
bot Maki an.
Er lehnte sich an den Fels
und beobachtete den Fremden, wie er sich daran machte, Masamune aufzuheben. Der
Fremde packte den Griff und zog. Er bekam sie nicht ein Stück vom Boden hoch.
„Nanu... Ach ja... genau!
So müßte es gehen“, brummte er dabei.
Der Fremde drehte sich
einmal um seine Achse und versuchte es nochmals, mit einer anderen Stellung. Er
musste sich scheinbar wahnsinnig anstrengen, so, dass ihm das Blut ins Gesicht
schoss. Dann erhob er sich wieder und lachte.
„Ha, Ha, Ha, nur ein
kleiner Scherz“, meinte er etwas verunsichert.
Maki sah ihm die
Verlegenheit im Gesicht stehen.
„So schwer ist die doch
gar nicht“, behauptete der Maki.
Der Fremde trat nach dem
Schwert und sein Gesicht verzog sich, als es nicht nachgab. Er bagann zu
schreien und hüpfte auf einem Bein umher. Maki hob Masamune auf.
„Du musst sie schon in die
Hand nehmen, wenn du, sie haben willst“, vorderte der Junge ihn auf.
Maki reichte ihm die Waffe
und der Fremde schreckte zurück. „Ich... ich will sie ja gar nicht.“
Hecktisch zog der Fremde
ein kleines Büchlein aus seinem Gewand und blätterte darin herum, während er
immer wieder Maki musterte. Dann begann er laut zu lesen:
“Mal sehen, wo haben wir
es denn... ? Ah ja, hier. Hm... Masamune ist allein den Göttern vorbehalten,
darum wird es einem Sterblichen nie gelingen, sie zu halten. So ist das also!
Na dann ist ja gut.“
Er musterte Maki weiter,
dann fragte er vorsichtig:
„Du... du bist doch kein
Gott oder? Ich meine, n’bißchen mickrig.“
„Ich weiß nicht, was ich
bin.“
Maki wurde traurig, doch
er erklärte weiter:
„Meine Eltern sehen eher
aus wie Katzen. Sie haben gesagt, ich währe aus den Wolken gefallen. Sie
sagten, ich wäre ein Kind der Götter. Aber die Götter sagten, ich wäre ein
Mensch.“ „Vielleicht bist du ja ein Halbgott. Das ist sehr schlecht für
dich...“
Der Fremde wandte sich ab
und ging. Maki folgte ihm und fragte neugierig:
„Warum ist das schlecht?“
„Weil es da eine alte
Prophezeiung gibt, die besagt, dass ein Halbgott kommen wird, der die Götter
stürzt, oder so. Das bedeutet Krieg!“
„Aber ich will doch nur
Nagarasi beseitigen, um mein Volk zu befreien.“
„Was habe ich gesagt? Du
beschwörst einen Krieg herauf!“
Maki folgte ihm, bis zu
dessen Haus.
Das Haus war aus Felsen
gebaut und mit Gras bewachsen. Die Tür bildete eine einfache Leinendecke.
„Vielleicht hast du Recht.
Ich meine, ich habe schon mehr angerichtet, als ich wollte. Ich habe Leviathan
besiegt, Bahamut bestohlen und bin dem Herrn der Unterwelt entkommen.“
Der Fremde setzte sich auf
einen Felsen, vor seinem Haus und grübelte. Schließlich meinte er:
„Ich habe gesehen, du
kannst Masamune zwar halten, aber dir fehlt es noch an Geschick. Etwas mehr
Kraft wäre auch von Vorteil.“
Er hob den Finger und sein
Gesicht hellte sich auf.
„Ich werde dich im
Schwertkampf unterrichten. Man bekommt schließlich nicht jeden Tag die
Gelegenheit, einen Halbgott zu unterrichten. Und wenn du dann die Götter
vertrieben hast und Gottkaiser bist, kann ich sagen: Ich war dein Meister.“
Maki setzte sich vor ihm
auf den Boden und sah zu ihm auf. „Ich verstehe das alles nicht. Das sollen
Götter sein? Sie sind alle gemein und ungerecht.“
„Tja, es soll früher
einmal anders gewesen sein, aber seit dem Kajade Gottkaiser im Himmelspalast
ist, ist einiges aus den Fugen geraten. Kajade verachtet die Sterblichen und
steckt alle mit seiner Boshaftigkeit an. Sie sind alle Raffgierig geworden.“
„Kajade heißt also der
König des Himmels.“
„Gottkaiser, will er
genannt werden, aber im Grunde hast du recht: früher hieß er König des
Himmels.“
Maki stand auf und sagte
entschlossen:
„Gut, wenn du ein großer
Schwertmeister bist, dann will ich von dir lernen.“
„Aber ich verlange von
dir, mindestens drei Jahre zu bleiben, damit du auch wirklich gut wirst. In der
Zeit bringe ich dir auch ein paar nützliche Zauber bei.“
Nun stellte der Mann sich
ihm als Ramuh vor. Ramuh der Zauberer.
Drei und ein halbes Jahr
später, war Makis Ausbildung beendet. Er war jetzt 15 Jahre alt und größer war
er geworden. Masamune beherrschte er perfekt. Zu alle dem, kannte er nun einige
äußerst wirksame Zauber. Sein liebster Zauber hieß ‚kleiner Teufel’. Mit dem
konnte er das Böse in einem Wesen schrumpfen lassen, bis es körperlich winzig
klein war. Allerdings war der Zauber nicht einfach und brauchte seine Zeit, bis
er wirkte. Theoretisch beherrschte Maki diese Zauberkünste, aber praktisch,
konnte er bis jetzt nur einige wenige ausprobieren.
Maki lief mit Hilfe seiner
Pegasusstiefel über Berge und Flüsse, richtung Norden, wo sein Volk, die
Sphinx, auf ihn warteten, um endlich befreit zu werden. Auf seinem Weg, in
einem Wald, begegnete er Mido, dem Einhorn. Mido war überrascht und rief froh:
„Wenn das nicht der
kleine, tapfere Maki ist! Du hast es also wirklich geschafft, die Masamune zu
holen! Und groß bist du geworden!“
„Schön, dass es dir gut
geht, Mido. Aber ich muss weiter. Mein Volk erwartet mich.“
Maki winkte noch, als er
weiter lief und er verschwand dann über den Baumkronen.
Mido nickte zufrieden und
sprach zu sich selbst:
„Ich wünsche dir viel
Erfolg, Junge. Ich bin sicher, du schaffst es.“
Maki landete auf dem
Vorsprung des Vulkans, wo sich das große Tor befand, durch welches er Damals
geflohen war. Er erhob vor dem Tor seine Hand und rief:
„Öffne dich Tor!“
Das Tor begann durch Makis
Zauberkraft zu leuchten und zu beben und ging dann langsam auf.
Jetzt konnte er sich
endlich auf die Suche nach Nagarasi machen.
Er schlich durch die
dunklen Gänge und kam am brodelnden Höllenschlund vorbei. Maki wusste, dass er
den Vulkan nicht beseitigen konnte, aber er würde sein Volk, durch ihn hindurch
führen, um irgendwo neu anfangen zu können.
Er blieb schließlich
stehen und schrie lauthals:
„Nagarasi~i!!“
Echos hallten in allen
Gängen.
„Zeig dich!!“
Steine vielen von der
hohen Decke, als die Erde zu beben begann.
Nagarasi, die so groß, wie
zwei Elefanten war, erschien in einem der finsteren Gänge. Sie schnaubte wütend
und stieß noch wütender hervor:
„Wer ist da?! Wer schreit
hier so herum?!“
Sie erblickte Maki vor
sich, in der Höhle stehend. Sie erschrak immerhin etwas.
„Dich kenne ich doch. Ja,
du bist der Mensch, aus der Prophezeiung, der mir damals entwischt ist.“
Maki drehte Masamune in der
Hand und schlug drohend, mit ihr auf den Boden.
„Und du besitzt die
Masamune!“, rief Nagarasi und erschrak noch mehr.
Maki erhob seine Masamune
und rief:
„Heute werde ich die
Sphinx befreien und dich besiegen!“ Nagarasi grinste. Sie schien plötzlich
wieder neuen Mut gefasst zu haben. Sie erhob ihre mächtige Hand und rief mit
ihrer mächtigen Stimme:
„Ich rufe dich, Ifrit,
Bestie aus dem Höllenfeuer!!“
Flammen loderten vor Maki
empor und ein großes Wesen, halb Mensch, halb Rind, erschien in ihnen. Das
Wesen, Ifrit, brüllte wild und Nagarasi befahl dem gewaltigen Dämon:
„Töte ihn, Ifrit!“
Maki schwang die Masamune,
während Ifrit sich grollend näherte. Er hörte, wie Nagarasi lachend davon
stampfte. Sie war sich sicher, Ifrit würde ihn erledigen.
Ifrit brüllte entsetzlich,
holte mit seiner krallenbesetzten, gewaltigen Klaue aus und versetzte Maki
einen kraftvollen Hieb, so, dass der Junge gegen eine der Höhlenwände prallte.
„Uff... .“
Er rutschte an der
gewölbten Wand hinunter, richtete sich jedoch wieder auf.
„Oh je, was für eine
Kraft!“, stöhnte er.
Ifrit brüllte abermals. Er
griff nach Maki, der sich gerade wieder gefangen hatte. Maki sprühte ihm mit
seiner Hand, auf magische Weise, Eis in die Augen. Ifrit schrie auf und wich
von ihm. Er hielt aber dann inne und rieb sich die Augen. Das war eine gute
Chance für Maki, doch der stand da, unfähig Ifrit anzugreifen. Er hatte noch
nie jemanden getötet. Ein Hieb mit der Masamune und es währe vorbei gewesen.
Ifrit nahm die Klauen
wieder runter und sah zu Maki nieder, der ihn nur anstarrte. Ifrit brüllte NOCH
lauter und NOCH wütender. Wieder Schlug er nach dem Jungen. Er schlug ihm
Masamune aus der Hand, so, dass sie im hohen Bogen durch die Luft wirbelte.
Angsterfüllt sah Maki, die
Bestie Ifrit, auf sich zu stürzen. Jetzt würde er ihn zu Brei verarbeiten. Maki
duckte sich, als Ifrit seine riesigen Klauen um ihn legte, um ihn zu
zerquetschen. Masamune wirbelte in diesen Sekunden, noch immer in der Luft.
Maki stöhnte auf, als Ifrit ihn drückte. Jetzt war alles aus, glaubte er.
Dieser Kraft, hatte er nichts entgegen zu setzen. Masamune kam wieder herunter,
sie hatte beinahe wie ein Bumerang ihre Runde gedreht. Sie kam zischend, wie
ein Pfeil herunter und schnitt sich tief in Ifrits Rücken. Er ließ den
zappelnden Maki fallen.
Ifrit begann unsichtbar zu
werden und gab einen lautlosen Schrei von sich. Sein schwerer Körper fiel auf
Maki, doch bevor er ihn berührte, verschwand seine Gestalt völlig. Glitzernder
und leuchtender Staub stieg empor, von der Stelle, wo gerade noch die Bestie
stand. Masamune landete direkt vor Makis Füssen und blieb aufrecht im Boden
stecken. Maki berührte sie vorsichtig. An ihr klebte kein Blut, sie war absolut
sauber. Langsam erhob er sich und zog Masamune aus dem Steinboden.
„Diese Waffe besiegt
Götter und ist absolut rein. Sie ist so scharf, dass sie durch Stein schneiden
kann“, flüsterte er ehrfürchtig, „ich werde dich töten, Nagarasi. Verlaß dich
drauf.“
Durch noch mehr Gänge,
gelangte Maki schließlich in Nagarasis Gemach. Sie saß an einem riesigen
Bottich und rührte darin herum. In dem Bottich brodelte es. Sie griff nach
einer Flasche. „So, noch etwas duftenden Schwefel für mein Bad, das hält jung
und schön,“ so sag sie vor sich hin. Aber ihr Singen klang grässlich. Maki
fröstelte es - schön war sie sicher nie gewesen. Er schlich sich an und hob
hinter ihr, beide Hände. Sie zitterten. Maki schloss die Augen für einen Moment
und konzentrierte sich. Er öffnete sie wieder, war nun bereit und schrie mit
allem Mut:
„Kleiner Teufel!!“
Er beschrieb einen Kreis
mit seinen Armen und ein Glitzern senkte sich über Nagarasi nieder. Wie kleine
Blitze, verschwand das Glitzern in ihrem Körper.
Nagarasi fuhr erschrocken
herum und erblickte Maki.
„Du schon wieder!“
Sie ergriff sogleich eine
Keule (oder es war doch eher ein Baumstamm). Damit ging sie auf Maki los. Sie
zerschlug alles, was sich ihr in den Weg stellte, während Maki über Tische und
Töpfe vor ihr floh. Bald hatte sie ihre komplette Einrichtung zertrümmert.
Wirkte denn der Zauber bei
ihr nicht? Lange konnte Maki nicht mehr laufen.
Wärend er durch die Luft
lief, blieb er plötzlich stehen, um sich für eine Sekunde zu erholen. Er hatte
völlig vergessen, dass er so herunterfallen würde.
Maki plumpste in einen der
herumliegenden Töpfe hinein. Nagarasi schnappte sich den Topf sogleich und sah
hinein. Sie grinste breit.
„Na, kleiner, was willst
du jetzt machen?!“
‚Poff’ machte es und der
Topf fiel zu Boden. Maki sah nach oben. Nagarasi war klein wie ein Frosch
geworden und fiel zu ihm, in den Topf.
„Jetzt bin ich an der
Reihe!“, rief Maki zu ihr.
„Nein, nein, tu mir
nichts!“, piepste Nagarasi, die nun viel kleiner als er war. Maki holte mit der
Masamune aus und teilte Nagarasi in der Mitte durch. Sie verschwand auf die
selbe Weise, wie Ifrit verschwunden war.
Geschafft. Maki erhob sich
mit seinen Pegasusstiefeln, aus dem Topf. Er hatte es endlich geschafft! Nun
würde er gehen und die Sphinx hinaus
führen, hinaus in die ‚Äußere Welt’.