Masamune - Der Waldgrund/Feuerdämon
 
Mit Celes und Meredith und noch ein paar anderer Alben, kehrte Link nach einigen Tagen nach Waldgrundheim zurück. Von den Svartalfen war keiner mehr zu sehen, wohl aber zu riechen. Auch roch es nach verbranntem Holz. Die Bäume hatten nicht all zu sehr unter dem Brand gelitten, denn sie waren zäh, doch waren die meisten Behausungen niedergebrannt, oder herab gefallen.
Die Alben begannen, die hölzernen Bauten wieder zu erneuern. Meredith sah sich im Grottentempel um. Er wurde durchwühl doch es wurde nichts entwendet. Die Svartalfen hatten es damals nur auf die Masamune abgesehen. Nach dem Schwert würden sie nun nicht mehr suchen, doch diese Wesen waren so böse, wie kein anderes. Jemand hatte sie aus der Erde geholt und nun waren sie da und bedrohten alles, was gut und schön war.
Vor hundert Jahren noch, gab es in Midgard keine Svartalfen. Sie lebten verborgen im Erdinneren, dem Svartalfheim. Nicht auszudenken, was noch aus der Tiefe empor gestiegen sein mochte.

Link und Celes standen auf der neuen Plattform vor Link’s altem Haus. Hell war sein Holz und leuchtend seine Fenster. Sie überblickten die Arbeiten an den übrigen Bauten ringsum. Die Erneuerungsarbeiten waren fast abgeschlossen und alles war schöner als zuvor.
Ein kleiner Vogel ließ sich vor den Beiden auf der Balustrade nieder. Er piepste aufgeregt. Link schenkte ihm Beachtung und kniete vor ihm.
Der Vogel sprach mit zarter Stimme:
„Ich bringe Kunde vom Himmelspalast. Kajade ist nun sein Herrscher. Streben tut er nach finsterer Macht Dämonen hat er heraufbeschworen. Nun sollt ihr ihn Gottkaiser nennen und alles soll sich ihm beugen. Was gut und mächtig ist, steht ihm im Wege. Gebt also acht Alben-Volk.“
Der kleine Vogel flatterte flink davon. Dass er die Göttin der Weisheit gewesen war, hatte niemand bemerkt.
„Kajade“, murmelte Link.
Nun konnte er das Übel endlich beim Namen nennen. Auch Celes hatte die Worte des Vogels gehört.
„Er sieht viel von da oben“, meinte er.
Celes sah zu den Baumkronen empor und fügte noch hinzu:
„Doch uns sieht er hier nicht, zu dicht ist der Wald.“

Bald kam der Abend, der dreiundzwanzigste, seit sie zum Waldgrund zurückkamen.
Überall ringsum leuchteten die kleinen Fenster auf und es dämmerte. Celes saß auf der Schwelle des Einstieges, auf der Veranda seines neuen Heimes. Seines und Links Heim, waren mit einem schmalen Steg verbunden und Link kam zu ihm herüber, über den Steg. Celes rührte sich nicht und lauschte in die Ferne.
„Seltsam ruhig ist es“, sagte Link. „Wo sind der Kauz und die Nachtigal?“
„Einhorn!“, rief Celes plötzlich und erhob sich.
Er zeigte auf ein schimmerndes Licht im dunklen Gehölz. Es war absolut still. Das Schimmern kam auf die Lichtung zu und trat zwischen den mächtigen Bäumen ins Freie. Es war ein kräftiges, weißes Pferd, mit einem gedrehten, langen Horn auf seiner Stirn. Es war grau im Zwielicht, doch seine Mähne und sein Schweif leuchteten auf, wenn es sich bewegte, als würden sie Funken sprühen. Seine Hufe gaben keinen Ton, als schwebte es dahin, mit kräftigen Tritten.
Auf dieselbe lautlose Art, verließen Celes und Link die Plattform und liefen auf die Kreatur zu. Das Einhorn blieb reglos stehen und ließ sich von Link berühren. Sachte strich er dem Tier über den Brustkorb.
„Es ist verletzt“, sagte er, „eine Rippe ist ihm gebrochen.“
„Fenriswolf“ schnaubte das Einhorn, „viele von uns sind ihm schon erlegen. Auch Svartalfen, streifen nachts durch den Waldgrund und machen Jagt auf uns. Sie essen unser Fleisch mit vorliebe.“
„Oh weh, ein Fenriswolf ist im Waldgrund“, wiederholte Link atemlos.
Er sah Celes besorgt an.
Dieser sprach:
„Dann werden wir ihn jagen gehen. Bleib du hier Einhorn, im Schutz von Waldgrundheim.“
Die zwei Alben nahmen ihre Bogen zur Hand liefen in das dunkle Gehölz hinein. Stockdunkel war es jetzt und nur ein vernebelter Mond schien.
„Nicht wohl ist mir dabei“, meinte Link zu seinem älteren Begleiter, „etwas kreiste am Himmel, im Dämmerlicht. Es war kein Vogel. Viel zu groß war es. Groß wie Fafnir, aber schwarz wie ein Schatten.“
Je tiefer sie in den Wald kamen, desto lauter wurde ein Fauchen und Knurren, welches sie schon eine ganze Weile vernommen hatten. Etwas bewegte sich, nur schemenhaft zu erkennen, zwischen den Baumstämmen und dem Farn. Holz knackte und knarrte. Celes und Link spannten die Bogen und harrend auf das, was da kam.
Eine Hand griff jäh nach Links Arm und drückte ihn runter, dass er nun auf den Boden zielte.
„Keine Pfeile können einen Fenriswolf töten,“ hörten die Alben hinter sich eine Stimme.
Sie drehten sich um.
„Menschen!“, rief Celes überrascht.
Zwei Männer standen da. Der eine hatte einen goldenen Reif um seine Glatze, einen grauen Bart und trug farbenfrohe Gewänder. Er stellte sich als Ramuh vor. Der andere war rundlicher, hatte einen langen schwarzen Bart und trug rot, mit einem grauen Mantel darüber. Sein Name lautete Tuledin, so erfuhren die Alben, als Ramuh sich verstellte.
„Es ist meine Schuld“, sagte Tuledin, „er ist mir aus einer Höhle entkommen, in die er einst gesperrt wurde.“
„Was ich nicht verstehe“, schimpfte Ramuh, „er war gut angekettet und hätte sich nie allein befreien können.“
„Und doch ist es geschähen. Und kein Zauberspruch hatte ihn halten können. Mit Zauber kommen wir hier nicht weit.“
„Oh weh“, jammerte Link, „hier haben wir zwei Zauberer und dennoch können sie den Fenriswolf nicht bezwingen.“
Celes sah besorgt zu dem Wolf zurück. Er war jetzt nahe bei. Eine Bisongroße, graue Bestie mit einem Schwarzbeharrten Buckel und gelben Fangzähnen. Seine Augen leuchteten wie gelbe Glaskugeln. Sicher sah er gut im Dunkeln.
„Wir sollten schleunigst etwas tun“, meinte Celes.
Die beiden Zauberer verschwanden im Dickicht und Link und Celes folgten ihnen. Der Fenriswolf kam nah an ihnen vorbei, doch bemerkte sie nicht.
„Ihr solltet ihn schleunigst wieder in Ketten legen, er gehört nicht in diesen Wald“, zischte Celes.
„Was glaubst du, was ich versucht habe“, gab Tuledin zur Antwort, „leider ist die Kette verschwunden, die ihn hielt. Eine Kette, die einen Fenriswolf halten kann, ist eine von Zwergen gefertigte Kette. Zwerge leben nicht mehr in Midgard, die Kette war unersetzlich.“
Ramuh murmelte irgendetwas Unverständliches in seinen Bart und sah dabei grimmig drein.
„Da ist noch etwas gewesen“, bemerkte Link, „ein lautloser Schatten am Himmel.“
Ramuh schüttelte sich, dann sagte er: „Wenn die Herren Alben nichts dagegen haben, verfolgen wir den Fenriswolf so lange wir können und so lange wir Einhörner vor ihm bewahren können. Wenn dem so ist, dann folgt mir.“
Ramuh ging voraus und die anderen folgten ihm.
Bald holten sie dem Fenriswolf auf. Sie versteckten sich im Gebüsch, als der Wolf stehen blieb.
„Wesen tauchen aus den Schatten auf, welche nicht hierher gehören“, flüsterte Ramuh den Alben zu, so dass Tuledin ihn nicht hörte, „gar einen Ifrit hab ich schon in den Bergen gesehen. Ihr seid ein gutes Volk, von großem Verlass. Ich werde euch etwas anvertrauen. Mein Bruder Tuledin, ich befürchte er lügt. Ich sah ihn eines Nachts auf einem Drachen zum Palast des Himmelskaisers fliegen. Ich frage mich, was mein Bruder mit diesem Unhold zu schaffen hat. Das Fenrir, der Fenriswolf entkam, war sicher kein Unfall.“
Jetzt starrten die beiden Alben, Tuledin abschätzend an, doch er merkte es anscheinend nicht.
„Der Fenriswolf ist der schlimmste Feind der Einhörner“, bemerkte Link.
Er zeigte auf eine Baumlose Stelle, direkt vor Fenrir und sagte: „Seht ihr die Einhörner? Noch schlafen sie, doch wenn sie erwachen, wird er sie sehen.“
Tuledin erhob sich jetzt aus dem Gestrüpp und sagte energisch:
„Soll einer der Alben mir seine magische Kraft leihen. Dann werde ich einen besseren Bann bewirken, als ich es zuvor konnte. Ich werde dem Untier eine elektrische Schlinge umlegen.“
Er packte Links Arm und beide begannen zu strahlen als wären sie Heilige. Link wehrte sich natürlich dagegen. Ramuh hieb mit einem Stock dazwischen und Tuledin ließ Link wieder los.
„Selbst mit all der Lebenskraft, die dieser Alb besitzt, würdest du diesen doch nur töten, während du den Wolf nicht bezwingen kannst!“, rief er.
„Ein Opfer müssen wir bringen. was bleibt uns anderes übrig“, antwortete Tuledin.
Link wich von seiner Seite und trat ein Stück hinter Ramuh, der sich aufplusterte wie ein Pfau.
„Ich weiß nicht was in dich gefahren ist. Aber... seht!“, rief Ramuh plötzlich und wies zum Himmel hinauf. Dort sahen nun alle einen gewaltigen Vogel fliegen.
„Dieser Schatten dort, ist ein hungriger Drache auf Nahrungssuche. Wenn wir ihn auf Fenrir aufmerksam machten, er wäre eine feine Mahlzeit für ihn.“
„Ja“, sprach Link erstaunt, „das ist ein wirklich großer Drache.“
Tuledin schwieg und es sah nicht so aus, als würde ihn das interessieren. Nein, er wandte sich ab und verschwand in der Dunkelheit.
Ramuh schüttelte den Kopf über ihn:
„Ich weiß nicht was er sich erhofft, aus der Hand des Himmelskaisers, noch was sein Auftrag ist, aber ich bedaure ihn, meinen Bruder. Sicher war der Fenriswolf nicht sein erster Streich, aber ein wirksamer, um alles was gut und mächtig ist zu vertreiben. Doch ihr Alben seid tapfer und so gibt es noch Hoffnung.“
Der Wolf hatte inzwischen seelenruhig sein Revier markiert und kam nun auf die schlafenden Einhörner zu. Eines hob seinen Kopf und horchte, als es Fenrirs Schritte hörte. Fenrir hatte es bereits gesichtet. Es erhob sich, doch es war schon zu spät.
Mit einem Prankenhieb stieß Fenrir das arme Tier gegen einen Baum und es brach schreiend zusammen. Er zerfetzte es und verschlang es dann.
Die anderen Einhörner kamen auf ihre Beine und Fenrir biss in ihre Mitte, dass sie sich vor Angst kaum rühren konnten.
Celes’ Geduld war am Ende, er legte einen Pfeil auf und schoss auf den riesigen Wolf. Fenrir drehte sich um, mit einem Einhorn im Maul. Der Pfeil steckte (aber nicht sehr tief) in seinem Hinterteil. Seine Augen glühten wie Feuerkohlen. Celes senkte seinen Bogen. Er und Fenrir starrten sich in die Augen.
„Der Drache, Alb, schieß auf den Drachen!“, rief Ramuh ihm zu. Link übernahm diese Aufgabe, da Celes mit Blicken beschäftigt war. Ein gezielter Schuss und man sah ein kurzes Schwanken des schwarzen Drachen, als der Pfeil ihn am Himmel traf. Der Drache spähte, auf Rache sinnend, nach unten in den Waldgrund und kreiste nun über ihnen.
Fenrir knurrte wütend. Er ließ den Kadaver fallen und fletschte die dreckigen Zähne. Seine Blicke waren tödlich und Celes wäre auch fast gestorben vor Angst.
„Oh nein, nein, bitte nicht“, jammerte er nun.
Fenrir machte einen riesigen Satz. Mit aufgerissenen Kiefer, sprang er auf Celes zu. Der Wolf sackte jedoch unerwartet zu Boden und winselte auf, als riesige Schwingen über ihm, den Mond und die Sterne verdunkelten. Der Drache hatte seine Klauen in Fenrirs Flanken geschlagen und nun rangen beide miteinander. Zwei ebenbürtige Gegner, wie es schien.
Die Einhörner rannten wiehernd davon. Auch Ramuh und die Alben traten zurück. Es war ein lautes Getose zu hören, als sie kämpften. Zwei riesenhafte Geschöpfe. Doch der Drache war dreimal so groß wie der Fenriswolf und so überwältigte er ihn schlißlich.
„Lasst uns lieber jetzt gehen, bevor der Drache auch uns bemerkt“, sagte Ramuh.
So entfernten sich die drei von dem Schlachtfeld und verbargen sich in den Schatten der Bäume.
Mit Ramuh zusammen, kehrten Celes und Link, nach Waldgrundheim zurück.
„Ich denke“, sagte Ramuh, „Tuledin weiß nun, für was ich ihn verdächtige. Sollte er also zurückkommen, dann als unser Feind.“

Im Verlaufe der Nacht, hörte die drei schreckliche Schreie vom Gebirgskamm hallen. So laut waren sie, dass sie gewiss bis in den Ring des Sphinxentales zu hören waren.
Oben auf den Gipfeln loderte hin und wieder ein Feuer auf, welches seine Position wechselte. Irgendwann verhallten die Schreie und auch das Feuer verschwand.
„Ich möchte gar nicht wissen, was das war“ sagte Celes.
„Das ist Ifrits Feuer“, sagte Ramuh, „und ich bleibe so lange im Waldgrund, bis keine Gefahr mehr von ihm ausgeht.“
„Was ist ein Ifrit?“, wollte Link nun wissen und Ramuh erklärte:
„Ein Feuerdämon. Sicher ist er aus dem Feuerberg aufgestiegen, welcher das Tal der Sphinx verschließt. Noch so eine Teufelei des Himmelskaisers.“

Ramuh war nun schon seit fünf Tagen in Waldgrundheim. Er erzählte dem kleinen Völkchen viel über sich und Tuledin. Er erzählte, dass er ein Haus aus Felsen, am Rande des Drachenreiches hatte. Dass einen Zauberer ein Leben von Tausend Jahren erwartete, denn ihre Magie stärkte sie. Er erzählte auch, dass auch er viel von den Sphinx wusste. Was sie gerade durchmachten und wo sie lebten. Und, dass auch er von Kajade wusste. Sein Wissen bezog er aus einer seherischen Kristallkugel, welche, so sagte Ramuh, vor einigen Monaten verschwunden ist. Die Schuld für ihr Verschwinden, steckte er Tuledin in die Schuh. Ob Ramuh auch von der Masamune und der Prophezeiung wusste, darüber verlor er kein Wort. Aber es war gewiss so, da er alles zu wissen schien.

In jeder Nacht tauchten die Leuchterscheinungen und die Laute wieder auf. Ramuh fragte, ob Celes und Link ihn begleiten wollten. Er wollte zum Berg hinauf gehen und sehen was der Ifrit trieb.
Link rief Sternenglanz herbei, Celes sein Pferd Silberregen und für Ramuh holten sie ein weiteres, schönes weißes Pferd, das sie Sattelten, da Ramuh nicht sattellos reiten konnte.

Sie ritten durch den nächtlichen Wald und kamen bald an einen Weg, welcher sich langsam bergauf schlängelte. Auf ihm setzten sie ihren Ritt fort. Die Bäume lichteten sich langsam, als sie höher kamen. Ifrits Gebrüll wurde immer lauter, je näher sie kamen. Der Hang wurde felsiger und der Weg steiler. Bald hatten sie den halben Gipfel erstiegen. Es würde bald dämmern.
„Mir reicht es schon, den Ifrit zurück in das Loch zu treiben, aus dem er gekommen ist“ meinte Ramuh.
Er klang verärgert, doch die Alben sagten nichts und ritten schweigend neben ihm her. Eine Weile sahen sie nichts von dem nervösen Licht, doch schließlich loderte es wieder auf, ganz in ihrer Nähe. Sie stiegen von ihren Pferden, denn die wollten nicht weitergehen. Die Pferde warteten geduldig da, wo ihre Herren abgestiegen waren.
Als die Drei ein Stück hinauf geklettert waren, über einige Felsen, sahen sie endlich seine Gestalt. Die Gestalt des Ifrit. Aufrecht auf zwei Beinen lief er und hoch wie zwei Männer war er. Sein Leib war Menschenähnlich, der Kopf glich einem Wolf. Am Rücken und an Armen und Beinen hatte er statt Mähnen, Flammen und am Hinterkopf trug er Mächtige Steinbockshörner. Sein aufgerissenes Maul glühte feurig von innen.
Als wäre ein Jagdinstinkt in Link erwacht, sprang dieser auf die Spitze eines Felsens und rief:
„Den erwische ich!“
Er schoss drei oder vier Pfeile auf den Feuerdämon ab, doch der reagierte nicht. Er drehte sich ohne Hast in seine Richtung, weil er ihn gehört hatte. Link spannte einen weiteren Pfeil, doch plötzlich griff eine kleine Stichflamme auf die Pfeilspitze über und der ganze Bogen ging in Flammen auf.
„Nicht doch, komm runter da!“, rief Ramuh.
Link warf das brennende Holz von sich, doch den Pfeil hatte er noch abgeschossen. Er sprang wieder herunter.
„Nicht schon wieder“, rief er, „wie können wir den Wald beschützen, wenn Pfeile nichts ausrichten können.“
Neben dem Ifrit erschien eine graue Gestalt und sie schien sie auszulachen.
„Tuledin!“, schimpfte Ramuh.
„Mein lieber Ifrit“, sprach Tuledin, „so lange musstest du warten, endlich auf Erden herrschen zu dürfen. Die dämlichen Götter sahen nur guten Geistern vor, auf Midgard wandeln zu dürfen,“ seine Mine wurde finster, „zu denen gehören die Alben. Garstige Geschöpfe, Ifrit, vernichte sie und ihren albernen Wald mit deinem Feuer!“
Noch hielt er Ifrit jedoch zurück.
„Ich frage dich, Tuledin, weshalb hetzt der Kaiser, solch üble Kreaturen auf sein Reich?“
Tuledin beantwortete Ramuhs Frage:
„Weil sie einen absoluten Herrscher dulden. Im Gegensatz zu den Naturgeistern und den hohen Göttern. Die legen es so auf Harmonie an. Kajade kommt jede Hilfe recht, die ihn von diesen Plagegeistern befreit. Zum Lohn erhalten seine Helfer, Teile von Midgard, um sie zu regieren.“
„Und so auch du. Wie elendig. Stell dich mir Bruder und komm herunter!“, brauste Ramuh ihn an.
Tuledin sagte grinsend:
„Ich habe leider wichtigeres zu tun.“
Damit verschwand der Zauberer vom Fleck weg.
Ifrit stand es nun frei, zu handeln.
Der Himmel wurde langsam grau und blass, als es zu dämmern begann.
Celes klammerte sich an seinen Bogen, obwohl er wusste, dass der ihm nicht helfen würde. Link stand erstarrt neben ihm und Ramuh hatte sich wie eine Mauer vor ihnen aufgebaut. Ihre Gesichter waren erhellt durch den Schein von Ifrits Mähnen. Ifrit brüllte und pfiff dabei durch seine Zähne.
„Gebt Acht, Alben!“, rief Ramuh.
Er schwang seine Arme und rief: „Ihr Arsen aus vergangenen Tagen, leiht mit den Hammer des Thor!“, und dann noch lauter, „Mjöllnir!“
Ramuh tat seine Hände zusammen, als griffe er nach einem Stab, vor sich. Dann holte er mit dem unsichtbaren Stab aus und ließ ihn zu Boden sausen, wie, als ob er schmieden würde. Blitze stoben über die Felsen und die Erde begann zu beben. Ramuh verlor das Gleichgewicht und rutschte rücklings mit einigem Geröll einen Abhang hinab. Link und Celes klammerten sich an einen großen Fels. Sie sahen, wie die Erde, Risse bildete und genau an der Stelle, wo Ramuh gestanden hatte, brach das Erdreich auf. Es driftete immer weiter auseinander und versperrte Ifrit den Weg zu ihnen. Ifrit steckte einige Bäume um sich in brand und brüllte wütend. Aus der breiten Kluft stieg ein rotes Leuchten auf, denn der Spalt war sehr tief und reichte bis ins tiefste Magma hinab.
Das Beben hatte bald nachgelassen und Ramuh rappelte sich wieder auf und stieg den Abhang zurück nach oben.
„Jetzt geh schon nach hause“, grummelte er in sich hinein, „ich habe dir gar schon die Tür geöffnet.“
Doch irgendetwas hielt Ifrit auf der Erdoberfläche und ließ ihn selbst den Tag harren, welchen Dämonen so verabscheuten. „Geh zurück in die Hölle aus der du kamst!“, rief Ramuh ungeduldig. Ifrit spie Flammen und steckte die Bäume an, welche hinter Link und Celes standen. Die zwei rannten zur Seite, als brennende Äste auf sie rieselten. Das feurige, düstere Wesen, ging in eine gebückte Haltung, wie eine Katze zum Sprung und machte sich bereit, um über die Kluft zu springen. Ramuh riss die Arme in die Höhe um Ifrit Einhalt zu gebieten. „Lauft!“, rief er zu den Alben, „holt mir geschwind ein Seil!“
„Ein Seil?“, stutzte Link, „wie kann ein Seil hier helfen. Es würde sofort verbrennen.“
„Keine Zeit für Erklärungen. Geht!“, gab Ramuh zurück.
Link und Celes liefen zu den Pferden zurück. Sie hatten Glück, am Sattel von Ramuhs Pferd hing ein aufgerolltes Seil. Mit dem Seil kehrten sie zu Ramuh zurück und Celes überreichte es dem Zauberer, was auch immer es ihm nutzte. Ramuh beugte sich murmelnd über das Seil und strich mit der Hand darüber. Den Alben war es, als hätten sie das Seil aufleuchten sehen. Dann entwirrte Ramuh das lange Tau und knüpfte eine Schlinge an jedem Ende. Zu ihrem Erstaunen sahen die Alben jetzt, dass das Seil nun silbern glänzte. Während dessen lief Ifrit schnaubend, auf allen Vieren, am Abgrund hin und her. Er beobachtete den Zauberer genau, mit seinen brennenden Augen. Er hätte die Kluft umgehen können, denn sie war nicht sehr lang, doch so klug war Ifrit nicht und Ramuh wusste das. Nun legte der Zauberer die eine Schlinge um einen großen Felsblock und zog sie fest. Die andere warf er über die Kluft und sie glitt um Ifrits Hals. Ifrit war erstaunt und ließ sogleich eine Flamme von seiner Mähne auflodern, welche sich züngelnd um das Seil wand. Das Seil glühte, doch es riss nicht. Jetzt richtete Ramuh seine Aufmerksamkeit auf den Felsblock. Mit ausgestreckten Fingern sprach er Worte, in einer fremden Sprache, von denen die Alben nur ‚Levitate’ verstanden. Der Fels erbebte, dann, langsam erhob er sich eine Hand breit über den Boden. Ramuh schien den Fels mit seinen Handbewegungen zu hypnotisieren und lenkte ihn nach seinem Willen. Ifrit nahm wieder Sprunghaltung ein und sprang hinüber, über die Kluft. Er landete direkt vor Ramuh und holte aus, um ihn mit seiner mächtigen, krallenbewehrten Pranke zu schlagen. Ramuh senkte die Hände und beendete damit die Beschwörung. Es gab einen Ruck und Ifrit hielt inne, ehe er vom Felsen mit in die Tiefe gerissen wurde. Er fiel tief, bis er nicht mehr zu sehen war, nur noch das glühende Erdinnere.

„Ist er jetzt tot?“, fragte Link.
„Nein“, antwortete der Zauberer, „er ist nur in der feurigen Tiefe und wird, hoffe ich, in Vergessenheit geraten.“
In diesem Augenblick kam die Sonne über den Gipfeln hervor und beleuchtete den Hang, welcher eben noch grau und düster war. Und als würde die Sonne sie blenden, schloss sich die Kluft auf wundersame Weise langsam wieder.
Was das Tageslicht enthüllte war wenig schön. Der gesamte Berghang, der einst von Kiefern bewaldet war, war bis auf ein paar Stümpfe kahl, als hätte sie ein gewaltiger Sturm weggeblasen. Die Stümpfe waren schwarz und verkohlt.
„Oh die armen Bäume, wir sind zu spät gekommen“, trauerte Link und ließ den Kopf hängen.
Ramuh wusste was die Bäume den Alben bedeuteten, für sie waren es Lebewesen mit Rechten und Gefühlen. Er beugte sich zu Link und legte ihm die Hände auf die Schultern.
Nach einer Weile sagte der Zauberer:
„Ihr könnt es vielleicht noch nicht sehen, aber sie sind noch nicht tot. Vielleicht wurden ihre Kronen getötet, doch in ihren Wurzeln steckt noch genug Lebenskraft um neu zu erblühen. Es gab weniger Opfer als es euch jetzt erscheinen mag.“
Link nickte, noch immer bekümmert und dann gingen sie zu den Pferden zurück.
„Sag Ramuh, was hast du mit unserem Seil gemacht, dass es nicht zerriss?“, fragte Celes auf dem Rückritt.
„Ich legte einen Bann darauf, dass es kälter als Eis, geschmeidiger als Seide und zäher als Eisen war.“

Link stand vor dem Sockel, in der Grotte, auf dem einst das Schwert, Masamune, gelegen hatte. Eine Ewigkeit hatte sie dort gelegen; Tausende von Jahren. Er strich über die geschliffene Steinplatte und dachte daran, dass sie nun im Körper von Leviatan, irgendwo ruhte. Nur allzu leicht verführte ihre Macht zu überheblichen Taten. Welche Macht mochte sie Leviatan geben? Sie war für alle verloren, unerreichbar, wie könnte sie jemand zurück erlangen? So viele Gedanken schwirrten in Links Kopf. Er fühlte sich so machtlos und allein im Kampf gegen Kajade. Wie konnte Kajade so mächtig werden? Lag es an den vielen Verbündeten die er hatte? Warum konnten die guten Götter ihn nicht aufhalten? Er spürte Zweifel in sich, dass sich die Prophezeiung nie erfüllen würde. Link zog sein Lilienschwert und packte es fest mit beiden Händen.
„Vanadis, steh uns bei. Gib uns Kraft.“
Er drückte es an seine Brust und kniete vor den Sockel.

„Wenn das wirklich wahr ist, dann hoffe ich, Euer Bruder hat ihn noch nicht zu seinen Zwecken benutzt. Und ich hoffe er behält ihn noch eine Weile zu seinen eigenen Diensten. Er wäre eine schreckliche Waffe in Kajades Händen.“
Link hörte wie Meredith zu dem Zauberer sprach. Sie waren im Gang, außerhalb der Kapelle, in der Link vor dem Podest kniete. Er lauschte weiter:
„Sorge dich nicht Meredith“, sprach Ramuh, „denn der Kristall Adaperio, kann ihm nicht zeigen, wo die kostbare Klinge steckt. Adaperio sieht sie nicht, da ihr Ort zu finster ist. Ich sah in ihm, wie die Klinge verschlungen wurde. Da war ich zum Glück allen. Seit dem, verlor der Adaperio den Kontakt zu ihr.“
„Da bin ich nun erleichtert. Denn dies ist ein weiteres Vorzeichen dafür, dass sich die Prophezeiung erfüllen wird. Dass die Klinge im Schlund des Meereskönigs steckt, ist ein gutes Omen, da sie dort nun scheinbar sicher ist.“
Link, in der Kapelle, mit dem Schwer vor der Brust, atmete erleichtert auf. Der Adaperio machte ihm Sorgen, seit er von ihm und seiner Entwendung gehört hatte.